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Pressemitteilung

Frankfurt

Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen - JLL beauftragt Forsa mit Befragung zum Thema Arbeiten und Wohnen


FRANKFURT, 5. Dezember 2014 - Welche Arbeitsplatzbedingungen muss ein Unternehmen seinen Angestellten bieten, um sie für sich zu gewinnen?
 
Dies war die erkenntnisleitende Frage einer von JLL in Auftrag gegebenen Repräsentativbefragung durch Forsa. Neben dieser zentralen Frage bestehen innerhalb von Städten individuelle Herausforderungen hinsichtlich Arbeitsweg, der Unterbringung von Kindern oder der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarf.  Die beruflichen Anforderungen an die Angestellten werden dabei nicht geringer, sie werden steigen.
 
„Da vieles davon bereits heute akut ist und letztendlich Konsequenzen für die Entwicklung und Konzeption von Gewerbe- und Wohnimmobilien gleichermaßen hat, wollte JLL herausfinden, wie sich heutige Arbeitnehmer vorstellen können, Arbeit, Wohnen und Versorgen besser miteinander in Einklang zu bringen“, so Helge Scheunemann, bei JLL Head of Research Germany.

 
Büroform
 
Auch wenn andere Büroformen aufgeholt haben und dort ebenso viele Büroangestellte arbeiten, Fakt ist, das Einzelbüro lebt nach wie vor. 29 % der befragten Büroangestellten haben ein Einzelbüro, 31 % arbeiten in einem Zweierbüro und 29 % in einem Büro mit insgesamt 3 bis 8 Mitarbeitern. Nur 11 % arbeiten in einem Büro mit 9 oder mehr Mitarbeitern. Zwei allseits bekannte Aspekte werden durch die Befragung deutlich:
 

  1. bei älteren Büroangestellten jenseits der 50 ist der Anteil derjenigen, die in einem Einzelbüro arbeiten mit 37% deutlich höher.
     
  2. Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern verfügen über den höchsten Anteil an Großraumbüros mit 9 oder mehr Mitarbeitern. Aber auch bei den Konzernen gilt: die meiste Bürofläche wird nach wie vor durch Einzel- oder 2er Büros abgedeckt.
      

„Im internationalen Vergleich bleibt festzuhalten, dass es noch enorme Effizienzpotentiale in Deutschlands Büroräumen gibt“, so Scheunemann.

 
Zeitbedarf für den Arbeitsweg

Bürobeschäftigte in Deutschland legen im Mittel täglich etwa 19 Kilometer von ihrer Wohnung bis zum Arbeitsort zurück. Durchschnittlich benötigen die Befragten für diese Strecke etwa 28 Minuten. Den geringsten Zeitaufwand für den Weg von ihrem Wohnort zum Büro haben dabei Beschäftigte in Kleinstädten sowie in Städten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern, also dem Großteil der sogenannten B-Standorte des deutschen Büromarktes. Die Bürobeschäftigten brauchen nur etwa 25 Minuten zur Arbeit, während Bewohner von Städten über 500.000 Einwohner einen mittleren Zeitaufwand von mehr als 35 Minuten haben. Der größte Anteil von Bürobeschäftigten mit einem sehr kurzen Arbeitsweg lebt in Städten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern. 43 % der Befragten in diesen Städten benötigen weniger als 15 Minuten, was bei einem durchschnittlichem Arbeitsweg von weniger als 15 km auch nicht verwunderlich ist. Ein Viertel der Befragten, die in diesen kleineren Metropolen wohnen, legen den Weg zur Arbeit somit auch zu Fuß oder mit dem Rad zurück.
 
„Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen B-Städte-Diskussionen unter Investoren können kleinere Metropolen bei den Arbeitswegen bei den Bürobeschäftigten punkten. Sie sind groß genug um ausreichend Arbeitsplätze anzubieten, aber kompakt genug um den Arbeitsweg kurz zu halten. Offensichtlich entsprechen die kleineren Metropolen in Deutschland damit einem idealen Bürostandort für die Arbeitnehmer“, betont Scheunemann.
 
Generell gilt nach wie vor – das Auto ist das wichtigste Transportmittel für den Weg zur Arbeit. Insgesamt nutzen fast 78 % der Befragten das eigene Auto bzw. den Firmenwagen. Dieser Anteil sinkt jedoch mit der Ortsgröße. Ursache dafür ist der bessere Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in den Großstädten und Metropolen. So nutzen in Städten über 500.000 Einwohner fast 40 % der Befragten den ÖPNV.

 
Anforderungen der Bürobeschäftigten an den Arbeitsplatz
 
Für etwa die Hälfte der Befragten sind gastronomische Angebote wie Kantinen, Restaurants oder Cafés für die Mittagspause wichtig, wobei jüngere Befragte unter 35 Jahren darauf noch mehr Wert legen. Dagegen sind beispielweise Einkaufsmöglichkeiten für Kleidung oder Elektronik für lediglich etwas mehr als einem Zehntel der Befragten von großer Bedeutung, unabhängig vom Alter oder der Herkunft. Anders sieht es bei den Anforderungen an die Kinderbetreuung aus. So erwarten insgesamt ein Viertel der Befragten und sogar mehr als 30 % der Ostdeutschen Kindergärten oder Kinderkrippen in der Nähe des Arbeitsortes. Insbesondere diejenigen im Familiengründungsalter zwischen 18 und 34 Jahren achten bei der Wahl des Arbeitsortes auch auf dieses Standortkriterium.
 
„Für die Zukunft des Arbeitens werden Zeit und Familie diejenigen Kriterien sein, die einen Mitarbeiter verstärkt dazu bewegen, im Unternehmen zu bleiben. Unternehmen, die auf der Suche nach motivierten und zufriedenen Mitarbeitern sind, sollten bei potenziellen Standortverlagerungen diese Kriterien unbedingt berücksichtigen. Dabei betrifft dieser Themenkomplex ebenso die Standortfrage auf der Makro-Ebene, also in Bezug auf die Fragestellung einer Unternehmensansiedlung in den A- oder B-Standorten“, so Scheunemann.

 
Work-Life-Balance
 
Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 = „im Leben überwiegt deutlich die Arbeit“ und 5 = „im Leben überwiegt deutlich die Freizeit und das Privatleben“ bedeutet, bewerten die Befragten das Verhältnis von Arbeit und Privatleben mit einem Mittelwert von 2,7. Während sich bei den meisten Gruppen in dieser Frage nur minimale Unterschiede zeigen, sehen Befragte, die Vollzeit arbeiten, ihr Leben deutlich stärker durch die Arbeit bestimmt als Befragte, die in Teilzeit arbeiten.
 
Diejenigen Befragten, bei denen in der „Work-Life-Balance“ eher die Arbeit überwiegt (Skalen-Werte 1 und 2) wurden danach gefragt, was sich ändern müsste, damit sie mehr Zeit für Freizeit und Privatleben hätten. Für 74 % sind flexiblere Arbeitszeiten für ein besseres Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben (sehr) wichtig, für 64 % (für Frauen häufiger als für Männer) kürzere Arbeitszeiten und für 56 % kürzere Wegzeiten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Möglichkeiten der Tele- oder Heimarbeit werden ebenfalls von 56 % für eine bessere Work-Life-Balance als wichtig erachtet. Bessere Verkehrsanbindungen des Arbeitsplatzes (51 %) bzw. des Wohnorts (48 %) nennt die Hälfte der Befragten als wichtige Aspekte für ein besseres Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben.
 
Insbesondere für Befragte aus Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern wäre eine bessere Verkehrsanbindung des Arbeitsplatzes bzw. des Wohnorts für eine bessere Work-Life-Balance wichtig. Während Vollzeit-Beschäftigte häufiger als Teilzeit-Beschäftigte angeben, dass kürzere Arbeitszeiten für eine bessere Work-Life-Balance wichtig sind, werden alle anderen Aspekte von Teilzeit-Beschäftigten deutlich häufiger als (sehr) wichtig für eine bessere Work-Life-Balance erachtet als von Vollzeit-Beschäftigten.
 
„Der Wunsch nach flexibleren Arbeitsmodellen seitens der Arbeitnehmer wird für viele Unternehmen eine zentrale zukünftige Herausforderung darstellen. Die Ergebnisse belegen dies deutlich. Auch der Wunsch nach mehr Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten, belegt diesen Wunsch nach Flexibilität“, betont Scheunemann.
 
57 % der Befragten geben an, dass es in ihrem Unternehmen grundsätzlich die Möglichkeit des „Home Office“ gebe. Insbesondere in größeren Unternehmen und in Unternehmen Westdeutschlands wird diese Möglichkeit eingeräumt und auch genutzt. Dennoch muss festgehalten werden: Wenn Home Office genutzt wird, geschieht dies bei den meisten Befragten eher selten: 64 % derjenigen, die zumindest hin und wieder von Zuhause aus arbeiten, tun dies in der Regel 1- bis 2-mal im Monat. 28 % arbeiten 1 bis 2 Tage pro Woche von Zuhause aus. Nur wenige geben an, noch häufiger von Zuhause aus zu arbeiten. Während jüngere Befragte eher sporadisch von Zuhause aus arbeiten, tun über 35-Jährige dies deutlich regelmäßiger.
 
Wunsch und Realität liegen bei dieser Fragestellung allerdings weit auseinander: Die Mehrheit (58 %) derjenigen, die bislang kein Home Office nutzen, würden dies gerne zumindest hin und wieder tun und jüngere Befragte würden deutlich häufiger als ältere Befragte gerne im „Home-Office“ arbeiten.
 
Den festen Büro-Arbeitsplatz möchte aber kaum jemand völlig aufgeben. Die meisten derjenigen, für die Home Office grundsätzlich in Frage käme, würden diese Möglichkeit gerne an ein bis zwei Tagen pro Woche nutzen. 12 % würden auch mehr als zwei Tage von Zuhause aus arbeiten wollen, 21 % lediglich ein- bis zweimal im Monat.

 
Wohnumfeld
 
Auch die Umzugsbereitschaft der Bürobeschäftigten war Thema der Befragung. Hintergrund sind die regionalen Disparitäten in Deutschland, die sich angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft noch verstärken werden. Neben sog. „Entleerungsregionen“ wird es Städte und Regionen geben, die Einwohnerzuwächse verzeichnen werden. Die These, die hinter dieser Entwicklung steckt, ist die, dass die Menschen dort hinziehen werden oder dort wohnen möchten, wo es ein entsprechendes Arbeitsangebot gibt. Dies wird überwiegend in den großstädtischen Agglomerationen der Fall sein.
 
„Im Ergebnis der Studie kann allerdings festgehalten werden, dass zwei Drittel der befragten Bürobeschäftigten aktuell keinerlei Interesse hegen, in eine Großstadtregion umzuziehen“, so Helge Scheunemann. Und weiter: „Das ist umso ausgeprägter, wenn Kinder im Haushalt leben, hier steigt die ‚Nicht-Umzugsbereitschaft‘ auf 77 %.“
 
Als Gründe, in eine Großstadt oder eine Großstadtregion umzuziehen, werden an erster Stelle (81 %) mehr bzw. bessere Kultur- und Freizeitangebote, z.B. Kino, Theater, Museen, genannt. Bessere Verkehrsanbindungen wären für 60 % ein Grund für den Umzug in eine Großstadt. Jeweils 36 % könnten sich aus Gründen einer besseren Gesundheitsversorgung durch Ärzte und Krankenhäuser bzw. einer größeren Nähe zum Arbeitsplatz einen Umzug in eine Großstadt vorstellen. Mehr Bildungseinrichtungen wären für 25 % ein Grund für den Umzug in eine Großstadt(region). Das Erreichen des Rentenalters wäre für 21 % ein Grund für einen Umzug in die Großstadt. Ebenso viele nennen ein größeres Sportangebot als möglichen Grund. Die größten Unterschiede in der Angabe von Gründen für einen möglichen Umzug in eine Großstadt ergeben sich in Abhängigkeit vom Alter der Befragten. So wären für die älteren, über 50-Jährigen, die sich den Umzug in eine Großstadt vorstellen könnten, mehr Kultur- und Freizeitangebote, eine bessere Gesundheitsversortung und das Erreichen des Rentenalters deutlich häufiger ein Grund für einen Umzug als für jüngere Befragte. Für Jüngere, unter 35-Jährige wären bessere Verkehrsanbindungen, eine größere Nähe zum Arbeitsplatz und mehr Sportanlagen und –angebote deutlich häufiger Gründe für einen Umzug als für Ältere.