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Pressemitteilung

Frankfurt

Retail 2020 - Europäischer Handel muss sich frühzeitig auf Turbulenzen und neue Herausforderungen der kommenden Dekade einstellen

Jones Lang LaSalle zieht Fazit der Zukunftsstudie „Retail 2020“


 
Frankfurt, 11. Oktober 2010 – Jones Lang LaSalle zieht das Fazit seiner Zukunftsstudie Retail 2020. Die auf der Website www.retail2020.com verfügbare Studienreihe hinterfragt die Herausforderungen des europäischen Einzelhandels innerhalb der nächsten Dekade und stellt sie in den Kontext der sich rasant verändernden globalen Einzelhandelslandschaft. Wesentliche inhaltliche Aspekte sind die zunehmende Internationalisierung und Wettbewerbsintensität, die demographische Entwicklung, Veränderungen des Kaufverhaltens, der Einfluss von Internet, Onlinehandel und interaktiver Kommunikation sowie die Anforderungen an Ökologie und Nachhaltigkeit. Insgesamt liefert Retail 2020 eine Diskussionsgrundlage in Form von Thesen für erfolgversprechende Handelsstrategien in den kommenden zehn Jahren.
 
Europäischer Handel muss sich in der nächsten Dekade auf Turbulenzen einstellen
 
Überforderte Gesundheits-, Sozial- und Rentensysteme, Kosten im Zuge des Klimawandels, Unklarheiten bei der Energieversorgung und eine umgekehrte Alterspyramide erfordern in der kommenden Dekade neue Handelsstrategien. Die Konsumenten erwarten zurecht steigende Steuern und Aufwendungen für die private Altersversorgung. Niedrige Wachstumsraten werden in den westeuropäischen Kernländern eher Normalzustand als Ausnahme sein. Technologisch bedingte Einsparpotenziale und die Ausgliederung von nicht unmittelbar zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten können dieses Szenario nur zum Teil entschärfen.
 
Robert Bonwell, CEO Einzelhandelsimmobilien EMEA bei Jones Lang LaSalle: „Die Bedingungen auf den Einzelhandelsmärkten werden sich im Verlauf des kommenden Jahrzehnts drastisch verändern. Einzelhändler und Betreiber von Shopping Centern sind gefordert, ihre Investitionen in neue Technologien, neue Märkte und die Kundenforschung zu verstärken. Viele Lösungen wurden bereits in der Vergangenheit diskutiert. Diese Debatten müssen intensiviert und das Zusammenspiel zwischen Einzelhändler und Vermieter stärker als bisher in den Mittelpunkt gerückt werden. Nur wer sich den Herausforderungen stellt, wird den ökonomischen Veränderungen und dem erhöhten Wettbewerbsdruck Stand halten und zu den Gewinnern gehören.“
 
Folgende Aspekte heben die Einzelhandelsexperten von Jones Lang LaSalle als Fazit ihrer Studienreihe Retail 2020 besonders hervor:
 
Veränderte Konsumentenprofile – Machtverschiebung in Richtung Konsumenten
 
Die Generation der Baby-Boomer erreicht das Rentenalter und die Zahl junger Erwachsener sinkt dramatisch. Männer befassen sich intensiver mit Konsumentscheidungen als in der Vergangenheit. Die Unberechenbarkeit der Kunden und die Selbstbestimmung ihrer Kaufentscheidungen nehmen zu. Die Verbraucher sind anspruchsvoller als je zuvor und gewinnen gegenüber Händlern und Herstellern an Verhandlungsmacht und Einflussmöglichkeiten. Immerhin stehen künftig weitaus detailliertere Informationen über Konsumenten und ihre Kaufentscheidungen zur Verfügung. Insgesamt wird die Machtverschiebung in Richtung Konsumenten die Beziehungen zwischen Einzelhändlern, Herstellern und Kunden in den nächsten zehn Jahre nachhaltig verändern.
 
Internet initiiert wegweisende Innovationen im Einzelhandel
 
Der Onlinehandel wird seinen Anteil am gesamten Handelsumsatz bis 2020 voraussichtlich von 10 auf 20 Prozent verdoppeln. Das Internet nivelliert die bislang asymmetrische Informationsverteilung und setzt eine neue Macht auf Seiten der Konsumenten frei. Kunden nehmen Preise nicht mehr als gegeben hin und sind jederzeit bereit, den stationären Handel zu umgehen. Die Möglichkeiten des elektronischen Handels haben zudem die Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer drastisch reduziert und den Convenience-Gedanken um eine Vielzahl neuer Facetten bereichert. Branchenfremde Unternehmer werden das Internet nutzen, um wegweisende Innovationen im Einzelhandel zu initiieren. Mit den neuen Marktbedingungen und Plattformen ändern sich die Marktführer. Die etablierten Akteure sind gefordert, ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und ihre Geschäftsmodelle anzupassen.
 
Digitale und interaktive Kommunikation beeinflussen das Einkaufsverhalten
 
Die digitale und interaktive Kommunikation beeinflusst das Einkaufsverhalten. Gut informierte Konsumenten nutzen mobile Kommunikationsmittel, um ihre Einkaufs- und Markenerfahrungen publik zu machen. Sie gewinnen an Einfluss und melden sich, auch ungefragt, zu Wort. Kunden tauschen sich mit Gleichgesinnten aus und können dabei eine erhebliche Reichweite erzielen. Beispiele sind Chatrooms oder Anti-Marken-Kampagnen. Die Konsumenten wollen individuell angesprochen werden und reagieren positiv auf Kreativität, die sie mit einbezieht. Eine dialogorientierte Kundenkommunikation bedeutet notwendigerweise auch mehr Mitsprache der Konsumenten. Schon heute sind Einzelhandelsunternehmen und auch Shopping Center nicht mehr in vollem Umfang Herr über ihre Markenidentität. Es ist deshalb aussichtsreicher, die eigenen Kunden zu Fürsprechern zu machen, als sich gegen den steigenden Einfluss sozialer Netzwerke zu stemmen.
 
Das Produkt rückt in den Hintergrund – der Kaufakt in den Vordergrund
 
Erfolgreiche Handelskonzepte antizipieren gesellschaftliche Trends und greifen diese im Sinne der Kundenbindung auf. Hierzu zählen Aspekte wie Lebensstile, Design, Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Es geht künftig weniger um die reine Bedürfnisbefriedigung als vielmehr um ein mehr an Sinnhaftigkeit und Authentizität. Händler müssen ihre Unterhaltungsfähigkeiten unter Beweis stellen, Qualitäten als Showmaster und Concierge entwickeln, ihre Kunden verhätscheln, dürfen Schmeicheleien nicht scheuen und sind mitunter auch als Psychologe gefragt. Gleiches gilt für Shopping Center Manager. Die Zeiten der Verkaufsmaschinen sind vorbei. Zukunftsträchtige Marken treiben die Segmentierung ihrer Formate und den Aufbau trennscharfer Submarken voran. Zugleich wahren die Gewinner der nächsten Dekade im Zuge dieser Systematisierung stets ihre Anpassungsfähigkeit und Kundennähe.
 
Internationale Expansion als Erfolgskriterium
 
Die Globalisierung des Handels geht mit einer verschärften Konkurrenzsituation einher. Neben Markteintritten aus den USA sind in Zukunft auch vermehrt neue Akteure aus Asien und Lateinamerika zu erwarten. Umgekehrt orientieren sich westeuropäische Immobilieninvestoren und Mietinteressenten in Richtung der wachstumsstarken Verbrauchermärkte im Osten. Insbesondere Indien und China rücken in den Fokus, da die dortigen Einzelhandelsmärkte sich noch nicht konsolidiert haben und stark wachsende Verbraucherpopulationen in Aussicht stellen. In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, relevante Markteintrittsrisiken wie etwa instabile politische Systeme richtig einzuschätzen. Zudem sind ausgeklügelte Expansionsmodelle erforderlich, in denen E-Commerce-Wachstumstrends ausdrücklich Berücksichtigung finden.
 
Verbraucher erwarten klares Bekenntnis zu Ökologie und Nachhaltigkeit
 
Die Erwartungshaltung der Verbraucher in Hinblick auf ein klares Bekenntnis des Einzelhandels zu Ökologie und Nachhaltigkeit wird wachsen. Schon heute bewirken entsprechende Investitionen Imagegewinne und niedrigere Betriebskosten. Die wahre Rendite ist jedoch langfristiger Art und muss sich zunächst gegen Bedenken in Hinblick auf kurzfristige Cashflows durchsetzen.
 
Rüdiger Thräne, Leiter Einzelhandelsimmobilien Deutschland bei Jones Lang LaSalle: „Die jüngste Rezession hat ihre Spuren bei den Konsumenten und im Einzelhandel hinterlassen. Erfolgreiche Handelskonzepte und Standorte konnten sich dennoch behaupten. Auch in der kommenden Dekade wird es trotz schwieriger Verhältnisse Gewinner geben. Die Einzelhandelsumsätze steigen in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich allenfalls leicht an. Die Profitabilität wird trotz betrieblicher Optimierungsprozesse zurückgehen. Schon in den kommenden fünf Jahren werden sich die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung herauskristallisieren. Gewinner erschließen neue Absatzmärkte, erneuern kontinuierlich ihre Angebotspalette, kommunizieren mit ihren Kunden und investieren in erfolgversprechende Onlineformate.“
 
Thräne abschließend: „Die Geschwindigkeit der Veränderung nimmt erheblich zu. In den vergangenen zehn Jahren stand die Expansion im Vordergrund. Innovationen wurde im Vergleich weniger Bedeutung beigemessen. In der kommenden Dekade wird es umgekehrt sein.“