Bis 30% jährlicher Zuwachs für Flexible Office Flächen in Europa prognostiziert

Neue Studie von JLL: „Disruption or Distraction“

07 November, 2018

LONDON, 07. November 2018 – Der Sektor „Flexible Office Space“ zeigt in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung: Zwischen 2014 und 2018 haben solche Flächen in Europa* um 140 % zugelegt: von rund 1,4 Mio. m² in 2014 auf ca. 3,4 Mio. m² in 2018. Bis Ende 2022 könnten sie jährlich um bis zu 30 % wachsen. 

Dies ist unter anderem das Ergebnis der neuesten JLL-Studie Disruption or Distraction, in dem das Immobilienberatungsunternehmen neben dem Wachstum dieses Sektors die Risiken und Chancen für Unternehmen, Immobilien-Investoren und Developer untersucht, sowie die wichtigsten Treiber des Booms und den evolutionären Wandel: wie, wann und wo arbeiten die Menschen, wie verändern sich die Lebensstile und was bewirken die schnellen technologischen Fortschritte. 

 
Wichtigste Ergebnisse:

  • Europaweit* werden bis Ende 2018 ca. 3,4 Mio. m² flexible Flächen zur Verfügung stehen. Zwischen 2018 und Ende 2022 prognostiziert JLL eine Zunahme des Flächenbestands um 7 Mio. m²; der Gesamtmarkt würde auf rund 10 Mio. m² anwachsen. 
     
  • Bis 2030 wird der Anteil von Flexible Office Space in einigen Unternehmens-Portfolios 30% ausmachen. 
     
  • Der Markt teilt sich in drei Flex Space-Nutzertypen auf: 
    • Konservativ: niedriger Anteil flexibler Flächen in den aktuellen Portfolios; keine/geringe Expansion geplant
       
    • Experimentell: niedriger bis moderater Anteil flexibler Flächen in den bestehenden Portfolios; bis zu 10% und mehr in den nächsten drei bis fünf Jahren 
       
    • Visionär: erhebliche Nutzung flexibler Flächen; klare und ehrgeizige Pläne für eine weitgehende Akzeptanz, die bis zu mehr als 20% der Portfolios ausmacht 
       
  • Was der Akzeptanz flexibler Flächen entgegensteht, ist u.a. die Sorge um die Darstellung des eigenen Unternehmens in den Flächen, die Kosten, Diskretion und Sicherheit. Allerdings: mit einer Nicht-Akzeptanz sind auch Risiken verbunden, etwa bei der Bindung und Anziehung von Arbeitskräften, oder dass das Unternehmen als „unmodern“ wahrgenommen werden könnte. 
     
  • Die mit viel Kapital ausgestatten, erfahrenen Anbieter mit geografischer Diversifizierung werden ebenso florieren wie innovative und Nischenbetreiber, die ein Angebot für die nächste Generation bieten. Allerdings: Bei mehr als 700 Flex Space-Anbietern* in der Branche ist eine Konsolidierung unvermeidlich, ein konjunktureller Abschwung würde diesen Prozess beschleunigen.
     
  • Investoren, die die benötigten stabilen und langfristigen Erträge mit Nutzern und deren Flexibilitätswünschen in Einklang bringen müssen, stehen vor einigen Herausforderungen: angefangen vom Verständnis dessen, wie der Sektor Flexible Space Immobilienbewertungen und die Markttransparenz beeinflussen wird, bis hin zu den Auswirkungen auf die Dynamik von Angebot und Nachfrage, die Laufzeit von Mietverträgen und die Renditen.
     
  • In Reaktion darauf werden einige Vermieter und Developer die Erstellung eines eigenen Flex Space-Konzeptes in Betracht ziehen, indem sie mit bereits bestehenden Anbietern zusammenarbeiten oder Fusionen und Übernahmen (M&A) erwägen. Von Vermietern initiierte Konzepte florieren in Städten wie Amsterdam, wo sie 25% aller flexiblen Flächen ausmachen, oder London und Paris. 
  • In den deutschen Big 7 stehen Ende September 2018 an über 458 Standorten bereits über 650.000 m² flexible Büroflächen zur Verfügung, am meisten in Berlin (125 Standorte mit 194.000 m²), München (83 Standorte mit 135.000 m²), Frankfurt (59 Standorte mit über 90.000 m²) und Hamburg (78 Standorte mit knapp 83.000 m²). 
    Bis Ende 2019 wird der Bestand in den sieben größten deutschen Metropolen um weitere rund 350.000 m² (+50 %) an 100 zusätzlichen Standorten ansteigen. Damit wird die 1-Mio.-m²-Marke überschritten. „Momentan ist die Nachfrage größer als das Angebot und neue Standorte teilweise schon vor ihrer Eröffnung ausgebucht“, so Stephan Leimbach, Head of Office Leasing JLL Germany.

Dan Brown, Head of Flex Space, EMEA, JLL, kommentiert: „Der Aufstieg des Flex Space hat eine der größten Veränderungen innerhalb der Immobilienbranche zur Folge, die wir jemals gesehen haben. Die Konsumerisierung von Immobilien, wie wir sie bereits im Gastgewerbe und im Einzelhandel erlebt haben, hat eine Umgestaltung von Geschäftsmodellen genauso wie von Investment-Strategien zur Folge. Unsere Studie zeigt, wie sich verschiedene Märkte und verschiedene Unternehmen unterschiedlich schnell bewegen. Da das starke Wachstum keinerlei Anzeichen einer Abschwächung zeigt, müssen Unternehmen, Investoren und Developer verstehen, was dies für ihre eigenen unternehmerischen Zielsetzungen bedeutet.” Und Alex Colpaert, Head of Offices Research, EMEA, JLL, ergänzt: „Für diejenigen Investoren, die Innovation und Wandel annehmen, bietet Flex Space neue Chancen. Allerdings gibt es keinen universellen Ansatz, die Herausforderungen sind nicht zu vernachlässigen. Klar, dass es Flexible Office Flächen weiter geben wird mit realen Auswirkungen auf Europas Büroinvestment-Umfeld. Investoren sollten sich die Entwicklung genau anschauen, und sich für die Lösung entscheiden, die für sie die passendste ist, sei es, dass sie für ihre Gebäude Flex Space-Betreiber wählen, oder dass sie ihre Strategien dahingehend anpassen, dass sie eigene flexible Lösungen anbieten können.”

*In Europas 20 größten Märkten für Flexible Office Space: Amsterdam, Barcelona, Berlin, Brüssel, Budapest, Dublin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Lissabon, London, Madrid, Mailand, München, Oslo, Paris, Prag, Rom, Stockholm, Warschau.