Pressemitteilung

Frankfurter Investmentmarkt zwischen Aufbruchsstimmung und Zurückhaltung

Assetklasse Büroimmobilie wieder vor Living

09. Juli 2021

FRANKFURT, 09. Juli 2021 Mit einem Transaktionsvolumen1 auf dem Frankfurter Investmentmarkt von 3,17 Mrd. Euro in den ersten sechs Monaten 2021 muss die Mainmetropole zur Jahresmitte Berlin (5,91 Mrd. Euro) und München (3,72 Mrd. Euro) an sich vorbeiziehen lassen. Das Volumen liegt damit auf dem Fünfjahresschnitt. Gegenüber dem Vorjahr, in dem der Jahresauftakt mit einem der besten Quartalsergebnisse für das zweithöchste Halbjahresergebnis gesorgt hatte, ist der Rückgang zweistellig: minus 19 Prozent sind zu notieren. Damit fällt das aktuelle Halbjahr aus den Top 3 Platzierungen der letzten zehn Jahre (2015, 2018 und 2020).

„Wir hatten gerade im Bürobereich eine relativ hohe Anzahl an Pitches, die noch aus einem Überhang aus 2020 resultierten, da viele Investoren aufgrund der Corona-Lage zu dem Zeitpunkt nicht verkaufen wollten. Das wurde dann allmählich nachgeholt. Mit weiter sinkenden Inzidenzen wurden die Objekte nach und nach an den Markt gebracht. Letzteres wird sich im Übrigen im zweiten Halbjahr fortsetzen mit einem weiteren Rückgang bei der Spitzenrendite auf 2,7 Prozent“, erläutert Marcus Lütgering, Head of Office Investment JLL Germany. Lütgering ergänzt: „Die Aktivitäten sind zwar stärker geworden speziell von den Verkäufern, die dieses Jahr noch die Transaktionen abschließen wollen, aber im Core Segment (Top-Lage und Top-Qualität) gibt derzeit nur zwei Häuser. Deshalb konzentrierte sich die Nachfrage überwiegend auf B-Lagen außerhalb des CBD.“ Es gebe einen relativ hohen Anteil an Value Add und opportunistische Investments, die zusammen auf immerhin 35 Prozent kommen. „Bei aller Aufbruchsstimmung ist nach wie vor eine vorsichtige Zurückhaltung zu spüren. Die Transaktionszeiten sind eher länger, besonders für Objekte, die nicht den Prime-Kriterien entsprechen, also vor allem Bestandsobjekte mit Lage- und/oder Qualitätsabstrichen sowie nicht vermieteten Flächen. Da sind die Käufer im Vorteil“, so Lütgering.

Unter den von Januar bis Ende Juni insgesamt realisierten mehr als 70 Transaktionen sind nur halb so viele im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich wie vor einem Jahr. Sechs Transaktionen mit zusammen 1,25 Mrd. Euro machen 39 Prozent aus, allesamt Einzeltransaktionen und Büroobjekte, darunter eine Projektentwicklung in Offenbach mit Hamburg Trust als Käufer und als Verkäufer Oxalis REIM, dann der Verkauf eines Hochhausprojektes am Frankfurter Messegelände durch die Gustav Zech Stiftung an die Sparda-Bank Hessen oder im Westend der Erwerb einer Bestandsimmobilie durch den unter den Top 5 einzigen ausländischen Investor, Ardian Real Estate, Verkäufer die publity AG.

Insgesamt sank die durchschnittliche Transaktionsgröße auf 44 Mio. Euro und damit auf den Tiefststand in den letzten vier Jahren.

Beim Blick auf die Nutzungsklassen hat die Büroimmobilie zur Jahresmitte wieder ihren Platz als stärkste Assetklasse auf dem Frankfurter Investmentmarkt zurückgewonnen: Mit 1,76 Mrd. Euro (22 Transaktionen) und 56 Prozent am gesamten Transaktionsvolumen zeigt sie nach München (74%) den zweithöchsten Anteil unter den sieben deutschen Immobilienhochburgen.

Mit mehr als einer Milliarde Euro entfallen 32 Prozent auf die Nutzungsart Living. Deren Anteil ist in der Mainmetropole so hoch wie in keiner der anderen Big 7-Märkte und auch doppelt so hoch wie im eigenen Fünfjahresschnitt. Im Frankfurter Raum gab es alleine acht Transaktionen von Wohnimmobilien in einer Größenordnung zwischen 50 und 100 Mio. Euro.

„Wohnen muss man immer, Investoren rechnen im Living Sektor mit stabilen Cashflows, ihre Anlagestrategie ist in der Regel langfristig, strukturelle Entwicklungen sind eher voraussehbar“, so Lütgering

Auf Verkäuferseite tauchen in der Statistik vier Gruppen mit einem zweistelligen Anteil am Transaktionsvolumen auf: Entwickler mit 31 Prozent platzieren sich deutlich vor den Asset/Fonds Managern (19 %), die auch mit rund 900 Mio. Euro am meisten einkauften, den Immobilien AGs (12%) sowie den Pensionskassen (11 %). Käuferseitig komplettieren die Immobilienunternehmen und Corporates die Top 3.

Nach wie vor halten sich ausländische Investoren zurück, wenngleich im zweiten Quartal wieder mehr Aktivitäten zu beobachten waren: Immerhin 20 Prozent des Transaktionsvolumens auf dem Frankfurter Investmentmarkt sind bis zur Jahresmitte zu notieren, der Fünfjahresschnitt liegt allerdings mehr als doppelt so hoch. Ihren Immobilienbestand haben sie per Saldo trotzdem um mehr als 200 Mio. Euro aufgebaut. „Sie werden zurückkommen, da bin ich ganz sicher“, so Marcus Lütgering.

Der Investmentexperte weiter: „Das Geld will angelegt sein, Immobilien sind dafür ein wesentlicher Part im Portfolio. Und dazu gehören Investments in den deutschen Immobilienhochburgen, darunter Frankfurt mit an vorderster Front. Ja, natürlich gibt es Unsicherheiten genereller Art, weltweit, von denen die Immobilienmärkte nicht unabhängig sind. Die Branche sitzt nicht im Elfenbeinturm. Digitalisierung, Transformation, ESG, New Work sind Themen, die bei den Unternehmen und bei Investoren eine immer zentralere Bedeutung einnehmen. Das gilt in New York, London, Paris, Shanghai genauso wie in Frankfurt und den anderen Immobilienhochburgen Deutschlands. Und zur Unsicherheit gehört auch die Delta-Mutante, von der alle hoffen, dass sie vor allem durch die Impfungen beherrschbar sein und die vierte Infektionswelle glimpflich verlaufen wird. Das zweite Halbjahr 2021 wird vor dem Hintergrund so vielfältiger Herausforderungen an Spannung kaum zu überbieten sein. Ende gut, alles gut? Das nicht. Aber für den Frankfurter Investmentmarkt dürfte ein durchaus respektables Transaktionsvolumen herausspringen. Objekte sind in der Pipeline und die Bereitschaft zur Transaktion wächst bei den Akteuren. Eine Zahl? Wir bleiben bei den bereits genannten 8 Mrd. Euro. Das sind dann 13 Prozent weniger als der Fünfjahresschnitt.“

1 Das Transaktionsvolumen umfasst Büro-, Einzelhandels-, Logistik - und Industrieimmobilien, Hotels, Grundstücke, Spezialimmobilien, gemischt genutzte Immobilien sowie die Asset-Klasse Living.


Über JLL

JLL (NYSE: JLL) ist ein führendes Dienstleistungs-, Beratungs- und Investment-Management-Unternehmen im Immobilienbereich. JLL gestaltet die Immobilien-Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit und nutzt dabei fortschrittliche Technologien, um Kunden, Mitarbeitern und Partnern werthaltige Chancen, nachhaltige Lösungen und eine zeitgemäße Arbeitsplatzgestaltung zu bieten. Das „Fortune 500“ Unternehmen mit einem Jahresumsatz 2020 von 16,6 Mrd. USD ist Ende Juni 2021 in über 80 Ländern mit weltweit mehr als 92.000 Beschäftigten tätig. JLL ist der Markenname und ein eingetragenes Markenzeichen von Jones Lang LaSalle Incorporated. Weitere Informationen finden Sie unter http://jll.de