Frankfurter Investmentmarkt bleibt auf hohem Niveau - Bürovermietungsmarkt in der Zwickmühle

Zwischen Bankenkonsolidierung und notwendigen Zukunftskonzepten

09. Januar 2020

FRANKFURT, 09. Januar 2020 – Im zurückliegenden Jahr hat Deutschland gemessen an gewerblich genutzten Immobilien UK als größten Immobilien-Investmentmarkt Europas abgelöst. Auch Frankfurt hat zu dieser Entwicklung sein Scherflein beigetragen, wenn auch nicht in der exorbitanten Größenordnung des Jahres 2018.

Der komplexen Gemengelage auf dem Markt der Mainmetropole wegen bewegten sich die Akteure 2019 sowohl investiv, als auch vermietungsseitig mehr oder minder unfreiwillig im Schongang. Das Transaktionsvolumen, als auch die Vermietungsumsätze waren rückläufig, blieben aber insgesamt auf hohem Niveau. Verkaufspreise und Mieten kennen auf jeden Fall nur eine Richtung: nach oben.

Mehr als noch zur Jahresmitte erwartet, nicht zuletzt auch aufgrund von einigen Off-Market Transaktionen wie etwa beim T8 und dem FBC in der Bankenlage oder dem 99 West im Westend. ist am Ende auf dem Frankfurter Investmentmarkt herausgesprungen. Mit einem gesamten Transaktionsvolumen[1] von rund 10 Mrd. Euro, 86 Prozent im Core- und Core+-Bereich sowie 45 Prozent seitens ausländischer Investoren, muss sich Frankfurt 2019 aber dem unangefochtenen Spitzenreiter Berlin (15,8 Mrd. Euro) und auch München (10,9 Mrd. Euro) geschlagen geben. Lediglich Platz drei unter den deutschen Big 7 war für Mainhattan in einem Gesamtjahresrückblick zuletzt 2012 zu verzeichnen. Wenngleich es gegenüber dem Rekordvorjahr ein Minus von 14 Prozent zu notieren gilt, fallen die Vergleiche mit dem 5- und 10-Jahresschnitt nach wie vor eindrucksvoll aus: + 25 Prozent bzw. + 83 Prozent. Ohne den Bereich „Living” summierte sich das Transaktionsvolumen auf knapp 7,6 Mrd. Euro. Das Investmentniveau bleibt also auch in der hessischen Immobilienhochburg hoch.

„Wie im Vorjahr hat das Transaktionsvolumen in Frankfurt kontinuierlich von Quartal zu Quartal zugelegt, erreichte zwischen Oktober und Ende Dezember mit 4,4 Mrd. Euro das beste Ergebnis eines Dreimonatszeitraums, das es in der Mainmetropole jemals gegeben hat”, so Marcus Lütgering, Member of the JLL Strategy Board und Head of Office Investment JLL Germany. Lütgering weiter: „Das herausragende Resultat in diesem Zeitraum basiert auf der Konzentration großer Transaktionen: immerhin 11 im dreistelligen Millionenbereich mit einem Volumen von 3,2 Mrd. Euro wechselten in den letzten drei Monaten den Eigentümer, entsprechend 57 Prozent aller Transaktionen jenseits der 100 Millionen Euro in 2019.“ Darunter waren etwa der Verkauf des Squaire am Flughafen für unter 1 Mrd. Euro durch Office First an ein Konsortium aus der Investmentgesellschaft AGC und dem südkoreanischen Finanzdienstleister Hana oder der Eigentümerwechsel bei der Entwicklung des ‚Kleyerquartier’, dem ehemaligen Avaya-Areal im Frankfurter Gallus, von Instone Real Estate per Forward Funding an aamundo und Universal-Investment für den Immobilienspezialfonds der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) oder das Projekt ‘Spin Tower’, eine Büro- und Hotelimmobilie am Güterplatz, das von Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft an eine Gesellschaft berufsständiger Versorgungswerke veräußert wurde.

 

Bereits im zweiten Quartal waren zwei Büroimmobilien in der Bankenlage verkauft worden: „Die Welle” für ca. 620 Mio. Euro durch Axa Investment an Invesco Real Estate, die damit zweitgrößte Transaktion auf dem Frankfurter Investmentmarkt, sowie die T 8 durch die südkoreanische Mirae Asset Global Investment Co an private Investoren, die WIRTGEN GROUP. Diese fünf Top-Verkäufe machten mit ca. 2,78 Mrd. Euro immerhin etwas mehr als ein Viertel des gesamten Transaktionsvolumens auf dem Frankfurter Investmentmarkt aus.

Büroimmobilien rar

Auffallend und mit 24 Prozent doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor ist 2019 der Anteil von „Living“. Investoren legten 2,4 Mrd. Euro in dieser Assetklasse an und damit das Dreifache des Fünfjahresschnitts. Deutlich an Gewicht verloren hat die Büroimmobilie mangels Produktangebots aber auch durch einen ebenfalls hohen Anteil der gemischt genutzten Immobilien (17%), darunter „The Squaire“, als Einzeltransaktion 2019 nur noch vom Verkauf des Münchener Tucherpark am Englischen Garten (1,1 Mrd. Euro) übertroffen. Immerhin minus 13 Prozent gegenüber dem 5-Jahresschnitt auf 4,85 Mrd. Euro macht der Transaktionsrückgang der Assetklasse Büro aus. Noch deutlicher fällt der Vergleich mit dem Rekordjahr 2018 aus: damals hatten die Investoren 8,47 Mrd. Euro für Büroobjekte ausgegeben.

Allgemeiner Teuerungs-Sog trifft auf eklatanten Angebotsmangel

Vom allgemeinen Teuerungs-Sog sind mittlerweile auch periphere Lagen und ganze Städte der Metropolregion wie Mainz oder Wiesbaden erfasst. Eine enorme Kapital-Liquidität und eine daraus resultierende dynamische Nachfrage, ausgelöst durch die Erwartung eines immensen Mietsteigerungs-Potenzials bis zu 50 Prozent, treffen auf einen eklatanten Angebotsmangel. „Wer

Eigentümer eines Prime-Objekts in erstklassiger Lage ist, kann auch durch Mondpreise nicht zum Verkauf gelockt werden. Denn Höchstmieten garantieren einen sicheren Ertrag im Bestand. Und mit dem erzielten Verkaufspreis käme mangels Alternative ohnehin nur wieder eine Re-Investition in Immobilien in Frage“, so Lütgering. In der Folge verteuert sich quasi überall alles, was mit Immobilien zu tun hat. Neben den Kauf- bzw. Verkaufspreisen und den Mieten betrifft das insbesondere die Baukosten und die Grundstückspreise.

Massive Überzeichnung der Produkte, immenser Wettbewerb auf der Investorenseite

Trotz dieser altbekannten Defizite ist das Interesse der nationalen und internationalen Investoren am Immobilienmarkt der Mainmetropole ungebrochen. Aufgrund des Produktmangels in A-Lagen

sind Anleger mittlerweile sogar bereit, große Volumina an B-Standorten zu investieren. Denn speziell der Produktmangel im Core-Bereich führt in Anbetracht hoher Kapital-Liquidität zu einer

massiven Überzeichnung der Produkte und damit zu einem immensen Wettbewerb auf der Bieter- bzw. Investorenseite. „Viele Lagen im peripheren A-Bereich sind bereits hochgepreist – trotz noch langer Miet-Laufzeiten und Mietpreisen unterhalb des aktuellen Marktniveaus. Oft lässt sich das Mietpreispotenzial erst mittel- bis langfristig heben – für Anleger dennoch kein Hinderungsgrund, in die Bieter-Konkurrenz einzusteigen“, so Marcus Lütgering.

Im Prinzip gelte dieser Trend für quasi alle Frankfurter Lagen. So würden zum Beispiel begehrte Objekte mit langen Mietverträgen in B-Lagen sehr aggressiv bepreist. Das gleiche gelte für Objekte in guten Lagen mit hohen Leerständen und dringendem Refurbishment-Bedarf. „Investoren erwarten hier Kapitalwerte von mehr als 6.000 Euro/Quadratmeter als Einstieg und ein exorbitantes Mietpreis-Potenzial. Im Umkehrschluss sind die Renditen mit Ausnahme des Primesegments in fast allen Bereichen noch einmal deutlich gefallen“, erläutert Lütgering. Und weiter: „Teilweise werden Objekte sehr schnell wiederverkauft. Speziell bei IRR-getriebenen Investoren verringert sich die Haltedauer von Fall zu Fall auf wenige Monate.“

Quo vadis?

Im Blick auf 2020 befinden sich wieder mehrere Großtransaktionen in der Bankenlage in der Pipeline. Allein drei Hochhäuser dürften im ersten Halbjahr 2020 den Besitzer wechseln. Preissteigerungen für Top-Objekte in Prime-Lagen sind erwartbar, die Spitzenrenditen für Büroobjekte dürften weiter von 2,85 Prozent auf 2,75 Prozent sinken.

Für Produkte oder Lagen abseits von Top und Core könnte sich die Renditekompression im Bürobereich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Der Abstand zur Spitzenrendite, der je nach Lage und Objektausstattung 2019 zwischen 30 und 90 Basispunkten liegt, wird sich damit weiter verringern.

In Kombination mit den um 3,8 Prozent gestiegenen Spitzenmieten hat 2019 der Zuwachs bei den Spitzenkapitalwerten für Büroimmobilien in Frankfurt mit 14,7 Prozent weiter angehalten. 2020 dürfte es eine weitere Zunahme aufgrund der erwarteten Renditekompression verbunden mit positivem Mietpreiswachstum von immerhin mehr als 7 Prozent geben.

Und was ist möglich beim Transaktionsvolumen? Wird das „Jahrzehnt der Immobilie“ in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts eine Fortschreibung finden? „Mit 8 Mrd. Euro dürfte Frankfurt im laufenden Jahr zumindest den 5-Jahresschnitt fortschreiben können und damit ein nicht unbeträchtliches Scherflein zu dieser Erfolgsgeschichte beitragen“, sagt Marcus Lütgering. Möglichkeiten für Investments gibt es allemal. Auch für großvolumige Objekte. Fragt sich nur, ob die Eigentümer auch verkaufen wollen. Weitere Preissteigerungen winken auf jeden Fall.“

Bürovermietungsmarkt mit dem drittbesten Umsatzergebnis der letzten zehn Jahre

Zwischen Bankenkonsolidierung und notwendigen Zukunftskonzepten

Ein starkes viertes Quartal mit rund 192.000 m², statistisch das drittbeste Quartal der letzten zehn Jahre auf dem Bürovermietungsmarkt[2] der deutschen Finanzmetropole, hat unter anderem dafür gesorgt, dass 2019 in der Bilanz der letzten zehn Jahre noch ein Platz auf dem Treppchen ergattern konnte: rund 580.000 m² schlugen insgesamt zu Buche. „Die Jahre 2017 und 2018

bleiben zwar unerreicht, 2019 bilanziert aber, trotz eines Rückgangs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, in der langfristigen Betrachtung deutlich im überdurchschnittlichen Bereich“, so Markus Kullmann, Regional Manager und Senior Team Leader Office Leasing JLL Frankfurt. Zehn Prozent über dem Fünfjahresschnitt und 20 Prozent über dem Zehnjahresschnitt seien durchaus respektabel. Und auch die Anzahl der Deals unterstreicht, dass 2019 ein sehr aktives Jahr gewesen ist: mit insgesamt 637 Abschlüssen wird die zweithöchste Anzahl der letzten zehn Jahre erreicht und die dritthöchste überhaupt.

„Für 2020 gehen wir erneut von einem Umsatzvolumen von rund 550.000 m² aus - damit würde sich der Trend überdurchschnittlicher Jahre auf dem Frankfurter Bürovermietungsmarkt fortsetzen“, so Kullmann

Eine Erklärung für die starken letzten Monate liegt recht nahe: sieben der zehn größten Abschlüsse des Gesamtjahres wurden im vierten Quartal verbucht. Zwar belegt die Anmietung

der Deka Investment im Lyoner Quartier aus dem zweiten Quartal mit über 46.000 m² auch zum

Ende des Jahres noch unangefochten die Top-Position, das vierte Quartal kann dann aber die nächsten drei Plätze auf sich vereinen - mit den Anmietungen des Stadtschulamtes bzw. von ING in der City-West mit jeweils über 26.000 m² und von BNP Paribas im Projekt 99 West, das dem Teilmarkt West zugerechnet wird. „An großvolumigen Transaktionen gab es 2019 also keinen Mangel“, so Kullmann. Nachzuweisen sei dies auch am Anteil der zehn größten Deals am Gesamtumsatz, mit knapp einem Drittel (185.000 m²) zu Buche schlagend, und jeder Deal im Bereich um 10.000 m² und höher liegend. Im Vorjahr summierten sich die zehn Spitzendeals mit 145.000 m² auf nur 23 Prozent. 2019 stark rückläufig entwickelten sich demgegenüber Abschlüsse vor allem im Bereich 5.000 – 10.000 m². Im Vorjahr noch mit 127.000 m², 19 Deals und einem Fünftel des Umsatzvolumens vertreten, wurden 2019 in summa lediglich sieben Deals mit knapp 50.000 m² (9 %) registriert.

Geringe Flächenverfügbarkeit im Bestand

Obwohl es aufgrund der geringen Verfügbarkeit an Mietflächen in Bestandsliegenschaften weiterhin zu Anmietungen in Projektentwicklungen kommt – sieben Top 10 - Anmietungen wurden in Projekten getätigt - ist bei einigen Mietern diesbezüglich eine gewisse Skepsis auszumachen. Hintergrund sind die langen Bauzeiten und vermehrte Fälle von teilweise massiven Verzögerungen bei der Fertigstellung. Entscheidungen für Anmietungen müssen teilweise drei bis vier Jahre vor Fertigstellung eines Objekts getroffen werden.

Weiter voran geht die Konsolidierung der großen deutschen Banken. Nach den großen Anmietungen in Randlagen durch die Helaba und die Commerzbank in den vergangenen Jahren hat 2019 die Deka ihre Konsolidierungspläne mit der Anmietung im Lyoner Quartier vorangetrieben. Die Gedankenspiele einer Fusion der Deka mit der Helaba und die Personalabbaupläne der Commerzbank und der Deutschen Bank verheißen, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Expansionsbedingte Anmietungen wie die bereits genannte der ING in der City West beweisen andererseits aber auch, dass der Finanzplatz Frankfurt weiterhin lebt und attraktiv ist. Alles in allem stieg das Umsatzvolumen der Branche „Banken, Finanzdienstleistungen“ 2019 um knapp ein Viertel gegenüber dem Vorjahr auf über 150.000 m², vor allem auf Basis von mehr Großanmietungen, die die Branche fünfmal in die Top 10 – Statistik eingehen ließ. Vermehrte Bewegungen der öffentlichen Hand und ein damit verbundener Wandel in der Anmietungspraxis sind eindeutig zu verspüren. Platz drei der Branche „Öffentliche Verwaltung“ in der Umsatzstatistik (mit 48.000 m²) ist durchaus kein typisches Bild. Dazwischen platziert sich die Branche „Unternehmensbezogene Dienstleistungen“, allerdings mit einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr sowohl beim Umsatzvolumen als auch bei der Anzahl der Deals. Lediglich 34.000 m² und damit sechs Prozent des Gesamtvolumens sind den Flexible Space Anbietern zuzurechnen. „Nach mehreren Jahren des starken Wachstums könnte für diese Nutzergruppe auf dem Frankfurter Bürovermietungsmarkt eine Normalisierungsphase – freilich noch auf überdurchschnittlichem Niveau - begonnen haben“, so Kullmann.

Dezentrale Lagen im Aufwind – hohe Umsätze und Bauvolumina

Insgesamt belegt zwar nach wie vor die Bankenlage, wie im Vorjahr, den ersten Platz in der Umsatzstatistik nach Teilmärkten. Mit City-West, Lyoner Quartier und Eschborn sind gleich

drei dezentrale Lagen unter den stärksten Teilmärkten vertreten - allesamt mit deutlichen Umsatzsprüngen. Und dies nicht nur aufgrund der bereits erwähnten Groß-Deals. Gleich dreimal erscheint die City-West unter den Top 10 Deals 2019. „Konsolidierungen der Großkonzerne

einerseits, steigende Mieten bzw. Verfügbarkeiten in der Innenstadt und die Anziehungskraft der Metropole für Unternehmen aus dem Umland tragen zu steigenden Flächenvolumina bei“, so Kullmann.

Die steigende Attraktivität und das Potential steigern das Vertrauen in die positive Entwicklung dezentraler Lagen und ruft auch hier die Entwickler zunehmend auf den Plan. Tummeln sich in der Innenstadt weiterhin die bekannten Entwickler wie G+P, Tishman, CA Immo, so haben neue Player am Markt die Randlagen für sich entdeckt: Oxalis, EuropaCenter, Eyemaxx. „Doch auch bekannte Entwickler erschließen neue Standorte - wie etwa Art-Invest auf der Hanauer Landstraße oder Strabag in Eschborn“, so Kullmann.

Interessant ist die Entwicklung im flughafennahen Quartier „Gateway Gardens“. „Viele Jahre wurde in Frankfurt darüber nachgedacht, ob es überhaupt eines Büroteilmarkts am Flughafen bedarf. Diese Bedenken werden aktuell komplett vom Tisch gewischt. Seitdem der konkrete Zeitplan für die inzwischen eröffnete S-Bahn-Station ‚Gateway Gardens‘ bekannt wurde, gibt es für den Teilmarkt kein Halten mehr. Eine Vielzahl spekulativer Baustellen, gepaart mit attraktiven Anmietungen wie die von Regus mit rund 5.000 m² im Amelia‘s Parkoffice machen aus Gateway Gardens einen wettbewerbsfähigen Player im Markt“, so Kullmann. Entsprechend hat auch der

Teilmarkt „Flughafen“ mit rund 50 Prozent den größten Umsatzsprung im Vergleich zum Vorjahr gemacht. „Auch wenn wir noch lange nicht von absoluten Umsatzvolumina sprechen, die mit den etablierten Teilmärkten konkurrieren können, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung“, so Kullmann. Der Bankenlage, in der Anfang 2020 180.000 m² Bürofläche im Bau sind, folgt der Teilmarkt West mit 174.000 m². Die Plätze drei, vier und fünf wiederum werden vom Lyoner Quartier, Eschborn und Flughafen belegt.

Rückläufig hat sich 2019 der Leerstand entwickelt, bei nach wie vor noch geringer Entlastung durch freie Fertigstellungen sowie wenig Abgängen aus dem Bestand. Nur noch 5,5 % betrug die Leerstandsquote Ende 2019, ein Rückgang um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr, gleichbedeutend mit dem niedrigsten Stand seit 2002 - Tendenz weiterhin fallend. Dabei seien sogenannte Bestandsminderungen, zu denen neben Sanierungen u.a. auch Nutzungsänderungen zählen mit rund 65.000 m² auf recht niedrigem Niveau. Zunehmend stellten Eigentümer und Entwickler laut Kullmann fest, dass sie, vor dem Hintergrund der gestiegenen Büromieten auch im Bestand, mit Büroflächen doch höhere Mieten erzielen können als z.B. mit Wohnungen.

Weiter gestiegen sind zum Ende 2019 die Mieten: 41,50 Euro/m²/Monat bei der Spitzenmiete bedeuten einen Anstieg von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 3,8 Prozent gegenüber

dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ein stärkeres Wachstum verzeichnete die gewichtete

Durchschnittsmiete mit einem Plus von 7,0 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2019 bzw. 6,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018. „Aus aktueller Sicht gibt es keine Anzeichen,

dass das Mietpreiswachstum 2020 gebremst wird. Wir erwarten für das laufende Jahr ähnliche Wachstumsquoten bei der Spitzenmiete“, so Kullmann. Um die mittlerweile den Gesamtmarkt betreffende Verteuerung zu illustrieren, zieht der Vermietungsexperte einen Vergleich zum Jahr 2014 und stellt fest, dass mittlerweile die Hälfte aller Teilmärkte einen zweistelligen prozentualen Anstieg der Spitzenmiete vorweist. „Mieter in der Innenstadt, die aktuell für 10 - 20 Euro/m²/Monat angemietet haben und deren Mietvertrag 2020 auslaufen wird, werden vor der schweren Entscheidung stehen, entweder eine wesentlich höhere Miete in gleicher Lage in Kauf zu nehmen oder an citynahe Lagen oder Randlagen zu ziehen, um die Kosten für die Büromieten nicht zu sehr explodieren zu lassen“, kommentiert Kullmann.

Neue regionale Entwicklungskonzepte sind gefragt

„Im Grunde ist der Frankfurter Bürovermietungsmarkt eine Art großer Verschiebebahnhof. Spektakuläre Neuzugänge von Mietern aus anderen Regionen kommen kaum vor“, so die Einschätzung von Markus Kullmann. Für die Masse an neuen Prime-Flächen, die aktuell und in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, gehen Frankfurt bzw. der gesamten Region langsam die Mieter aus. Schwer getan mit der Vermietung haben sich 2019 die Prime-Entwicklungen im CBD. 2020 werden die Eigentümer noch aggressiver auf die Suche nach neuen Mietern gehen. Und allein 2020 haben nach aktuellem Stand insgesamt rund ein Drittel der erwarteten Fertigstellungen von rund 300.000 m² noch keinen Nutzer.

„Die Region müsste sich daher vor allem langfristig etwas einfallen lassen, um das Rhein-Main-Gebiet neuen Mieter schmackhaft zu machen“, so Kullmann. Und weiter: „Stattdessen zerreibt sich ein bundesländerübergreifendes Einzugsgebiet mit 5,6 Millionen Einwohnern im Klein-Klein kommunaler Kirchturmpolitik und vergeudet Chancen bei der Positionierung gegenüber der globalen Konkurrenz der Metropolen. Zukunftsrelevante Themen wie die Verbesserung der

Verkehrsinfrastruktur in der Metropolregion zur Verdichtung von Lebens- und Arbeitszyklen bleiben so außen vor mit der Folge, dass Leben und Arbeiten immer weiter auseinanderdriften“, betont Kullmann.

Unter anderem dieser Zerrissenheit in der Metropolregion wegen war es Kullmann zufolge zum Beispiel ein Leichtes für Paris, deutlich mehr Profit aus dem Brexit zu schlagen. Das Thema „Brexit“ blieb für Frankfurt denn auch eher Verheißung, denn ein wirklicher Umsatzbringer und wird spätestens 2020, wenn überhaupt, nur noch die Stammtischdiskussionen in Sachsenhausen beim Äppelwoi beleben. Die erhofften Zuwächse im Personalbereich des Finanzdienstleistungssektors im Gefolge des Brexit würden sogar durch die fortdauernde Konsolidierung der deutschen Bankinstitute konterkariert. Es wird damit gerechnet, dass in summa durch den Personalabbau im Frankfurter Bankensektor 2020 zwischen 50.000 bis 70.000 m² Bestandsflächen auf den Markt kommen könnten. „Neue übergeordnete Konzepte sind gefragt, denn der Markt befindet sich in einer Zwickmühle“, so Kullmann abschließend

 

 

1 Das Transaktionsvolumen umfasst Büro-, Einzelhandels-, Logistik - und Industrieimmobilien, Hotels, Grundstücke, Spezialimmobilien, gemischt genutzte Immobilien sowie die Asset-Klasse Living mit Mehrfamilienhäusern und Wohnportfolios ab 10 Wohneinheiten und 75 % Wohnnutzung, Verkauf von Unternehmensanteilen mit Übernahme einer Kontrollmehrheit (ohne Börsengänge), Appartementhäuser, Studentenwohnen, Senioren-/Pflegeimmobilien und Kliniken


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JLL (NYSE: JLL) ist ein führendes Dienstleistungs-, Beratungs- und Investment-Management-Unternehmen im Immobilienbereich. Unsere Vision ist es, die Welt der Immobilien neu zu gestalten, profitable Chancen aufzuzeigen und Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Ambitionen verwirklichen können – für eine aussichtsreiche Zukunft unserer Kunden, Mitarbeiter und Partner. Das „Fortune 500“ Unternehmen mit einem Jahresumsatz 2018 von 16,3 Mrd. USD ist Ende September 2019 in über 80 Ländern mit weltweit mehr als 93.000 Beschäftigten tätig. JLL ist der Markenname und ein eingetragenes Markenzeichen von Jones Lang LaSalle Incorporated. Weitere Informationen finden Sie unter http://jll.de