Reurbanisierung: „Die traditionelle Innenstadt wird niemals sterben“

Vier Schlüssel zum Erfolg: Mehr Wohnen, Hotel, Gastronomie und Entertainment

21. August 2019

HAMBURG, 21. August 2019 – „Wenn in der Hamburger City wieder 30.000 Menschen wohnen, sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt Richard Winter, Niederlassungsleiter von JLL Hamburg. Die Stadt habe sich in den vergangenen 100 Jahren viel Mühe gegeben, das Wohnen aus der Innenstadt zu vertreiben. Winter: „Um 1900 haben noch 100.000 Menschen in der City gewohnt, 1980 waren es nur noch 5.000.“ Das räche sich nun. „Das größte Problem Hamburgs ist, dass die Innenstadt nach 20:00 h wie ausgestorben ist.“ Die Reurbanisierung sei darum unabdingbar. Mischnutzung bleibe dabei das Gebot der Stunde.

Hamburg ist bereits auf dem richtigen Weg. „Mit der HafenCity wird die Fläche der Hamburger City um 40 Prozent erweitert. Rund 15.000 Menschen werden dort nach Fertigstellung entlang der Wasserkante wohnen“, sagt Winter. Über 7.500 Wohnungen entstehen in der HafenCity. Zudem werden etwa 45.000 Arbeitsplätze geschaffen, davon 35.000 Büroarbeitsplätze. Es ist das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas.

„Die große Herausforderung in der Innenstadt ist, das Einzelhandelsthema neu zu definieren. Durch das Überseequartier werden die Mönckebergstraße und die Spitalerstraße große Konkurrenz erhalten“, sagt Winter. Auf einer Fläche so groß wie zehn Fußballfelder entstehen im Westfield Hamburg-Überseequartier 14 Gebäude, die neben 650 Wohnungen, 4.000 Büroarbeitsplätzen, drei Hotels, einem Kino und 40 Restaurants auch Platz für rund 200 Geschäfte bieten. Es wird kein klassisches Einkaufszentrum, sondern eine große Erlebniswelt. Die Eröffnung ist in der zweiten Jahreshälfte 2022 geplant.

Trocknet das Überseequartier die klassische Innenstadt also weiter aus? Sandra Ludwig, Head of Retail Investment JLL Germany: „Die neuen Handelsflächen im Überseequartier werden insbesondere viele Touristen anziehen und die Frequenz in der HafenCity erhöhen. Das wird die traditionelle Innenstadtlage jedoch nicht nachhaltig schwächen. Das Überseequartier ist vielmehr als Ergänzung zu sehen.“ Es entstünden durchaus auch Chancen. So könnten sich beispielsweise die Lagen an der Verbindungsachse zwischen Mönckebergstraße und HafenCity künftig deutlich besser entwickeln und attraktiver werden. Ludwig: „Die traditionelle Innenstadt wird aber niemals sterben. Sie hat ihre eigene Berechtigung.“

Winter: „Die City muss allerdings dringend an ihrem Profil arbeiten.“ Dabei sieht er vier Schlüssel zum Erfolg: Mehr Wohnen, mehr Hotels, mehr Gastronomie und mehr Entertainment. „Jedes Kino, das die Innenstadt verlassen hat, hat Besucher und damit Frequenz am Abend aus der Innenstadt herausgezogen“, so Winter. „Die Aufenthaltsqualität muss weiter verbessert werden. Das heißt weniger Autos im Stadtraum, mehr Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum, schönere Plätze.“ Die Umgestaltung des Jungfernstiegs vor 15 Jahren sei ein positives Beispiel für eine gelungene Stadterneuerung. Und auch der Umbau des Ballindamms werde die Aufenthaltsqualität noch einmal deutlich erhöhen.


Über JLL

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