Pressemitteilung

Stimmung auf Hotelmarkt hellt sich moderat auf – Aktivitäten nehmen zu

Im zweiten Halbjahr Rückkehr zu mehr strukturierten Verkaufsprozessen und damit auch zu mehr Transparenz erwartet

09. Juli 2021

FRANKFURT, 09. Juli 2021 – Mit 28 Transaktionen hat das Transaktionsvolumen am deutschen Hotelinvestmentmarkt im ersten Halbjahr 2021 die 1 Mrd. Euro Marke knapp getoppt, kurz-, mittel- und langfristige Vergleiche zeugen aber von der schwierigen Phase, in der sich der Hotelinvestmentmarkt seit dem Frühjahr 2020 bewegt: minus 19 Prozent im Jahresvergleich, um 40 bzw. 22 Prozent wurde der Fünf- und Zehnjahresschnitt unterschritten.

Das Volumen im zweiten Quartal zeigt ein gewisses Maß an Stabilität: die beiden ersten Vierteljahre haben sich auf einem ähnlichen Niveau eingependelt. Mit 517 Mio. Euro ist im zweiten Quartal immerhin ein leichtes Plus zu notieren. Im Vergleich zum stark durch die Pandemie beeinflussten Vorjahresquartal (Q 2: 260 Mio. Euro) zeigt sich fast eine Verdoppelung des Volumens.

„Die Stimmung am Hotelinvestmentmarkt hellt sich langsam und moderat auf. Gespräche, die wir mit Investoren führen, sind von mehr Optimismus geprägt. Die abwartende Haltung weicht vorsichtig, aber zunehmend sind mehr Aktivitäten mit Blick auf Opportunitäten zu beobachten,  Standorte, Objekte und Pächter werden auf ihre Marktfähigkeit hin analysiert “, so Heidi Schmidtke, Managing Director der Hotels & Hospitality Group. Die Hotelexpertin weiter: „Core Immobilien mit bonitätsstarken Pächtern werden sogar weiterhin zu Premium Preisen gekauft. Gerade solche Produkte rufen konkurrierende Interessenten auf den Plan.“ 

Deutsche Anleger waren für Dreiviertel des Transaktionsvolumens1 verantwortlich. Bei 23 der insgesamt 28 Transaktionen flossen 750 Mio. Euro. Mit Erleichterung der Reisebeschränkungen    kommt auch wieder mehr Kapital ausländischer Investoren nach Deutschland, vorausgesetzt, die Delta-Variante durchkreuzt diese Pläne nicht. Nach nur einer Transaktion in den ersten drei Monaten (77 Mio. Euro) waren es im zweiten Quartal bereits vier Cross-Border Investitionen (188 Mio. Euro).

Immerhin ein Viertel des gesamten Transaktionsvolumens entfiel auf Projektentwicklungen, Hotels als Teil einer Mixed-Use Transaktion erreichten mit 264 Mio. Euro einen nahezu identischen Anteil des Gesamtvolumens (26 %).

Der Großteil des Kapitaleinsatzes ging im ersten Halbjahr auf das Konto institutioneller Anleger die bei neun Transaktionen 419 Mio. Euro investierten. Damit dominierten sie klar das Ranking. Privatinvestoren und Family Offices treten aber zunehmend als Käufer auf (279 Mio. Euro; 4 Transaktionen). Ein Anteil von jeweils 10 Prozent fällt auf Private Equity Käufer und Hotelbetreiber.

22 Einzeltransaktionen kamen auf dem deutschen Hotelinvestmentmarkt bis zur Jahresmitte auf ein Volumen von knapp 522 Mio. Euro, damit lagen sie 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau (H1 2020: 632 Mio. Euro; 29 Transaktionen). Die durchschnittliche Größe in beiden Halbjahren (24 in H1 2021 bzw. 22 Mio. Euro in H1 2020) bewegt sich deutlich unter den Kapitaleinsätzen von beispielsweise zuletzt 29 Mio. Euro im Halbjahr 2019.

Zu den größten Einzeltransaktionen im zweiten Quartal 2021 gehörte der Verkauf des zukünftigen Atlantic Hotels Frankfurt, das mit 374 geplanten Zimmern die ersten 20 Geschosse des Hochhausprojektes Messeingang Süd einnehmen wird. Im Rahmen der Veräußerung an die Sparda Bank Hessen wurde die Entwicklung auf den Namen Sparda Bank Tower getauft. Verkäufer war die entwickelnde Gustav Zech Stiftung. Die Fertigstellung ist für 2025 geplant.

Auch der Erwerb des Innside by Melia München Parkstadt Schwabing als Teil der Münchner Highlight Towers durch die Wiener und Schweizer Family Offices Imfarr und SN Holding fiel in das zweite Vierteljahr. Verkäufer war die Commerz Real. Auf das Hotel entfielen etwa acht Prozent des erzielten Kaufpreises für das Gesamtobjekt.

In sechs Portfoliotransaktionen wurden zwischen Januar und Ende Juni knapp 493 Mio. Euro investiert. Bei der gleichen Anzahl an Transaktionen hatte im vergangenen Jahr vor allem die Mehrheitsübernahme von Aroundtown an TLG und damit der Eigentümerwechsel von mehreren Hotels in den ersten Monaten für ein höheres Portfolio- und Gesamtvolumen gesorgt. Entsprechend fällt die durchschnittliche Transaktionsgröße mit rund 82 Mio. Euro aktuell um knapp 20 Prozent niedriger aus als im ersten Halbjahr 2020.

Unter den Portfoliotransaktionen im zweiten Quartal waren:

  • Der Projektverkauf des Adina und Premier Inn Hotels Stuttgart Mailänder Platz. Die

Immobilie, die künftig ein 260 Zimmer großes Premier Inn und ein 169 Apartments umfassendes Adina beherbergen wird, wurde durch den Entwickler Strabag Real Estate für ca. 137 Mio. Euro an die Union Investment verkauft.

  • Die Veräußerung des Holiday Inn, Hotel Indigo und ONE80° Hostels am Alexanderplatz in Berlin. Das Objekt mit 527 Zimmern wurde von Azure Hotels im Rahmen einer Sale- & Lease-Back Transaktion an Schroders verkauft. JLL war auf Verkäuferseite beratend tätig.
  • Die als Notverkauf ausgewiesene Transaktion zweier Maritim Hotels in Gelsenkirchen und am Timmendorfer Strand. Maritim hatte diese an die Plaza Hotel Group veräußert.

Heidi Schmidtke erläutert: „Eine rasante Kehrtwende war auf dem Hotelinvestmentmarkt nicht zu erwarten. Immerhin: die Aktivität nimmt zu. Waren Hoteleigentümer Anfang des Jahres noch sehr zögerlich, ihre Immobilie an den Markt zu geben, haben einige unter ihnen die letzten drei Monate genutzt, um eine Kaufpreiseinschätzung im aktuellen Marktumfeld einzuholen und auf deren Basis einen Verkauf in Betracht zu ziehen. Die Ausweitung der staatlichen Unterstützung erlaubt Eigentümern und Betreibern zudem den vollen Fokus auf die Wiedereröffnung der Häuser und damit die Rückkehr zur Erzielung von Leistungsergebnissen. Gleichzeitig werden die neuerlichen Hilfen auch dazu führen, dass eine Welle von Notverkäufen weiterhin nicht zu erwarten ist.“ Die Hotelexpertin weiter: „Mit einer Zunahme betreiberfreier Hotels am Markt beobachten wir die Entstehung zahlreicher neuer Hotel- und hotelähnlicher Konzepte und Marken, gerade in den Bereichen Serviced Apartments, Boutique Hotels und hybrider Living Konzepte.“ In diesem Umfeld und mit der Möglichkeit, bestehende Gebäude zu übernehmen, falle es Neueinsteigern gerade in Märkten mit historisch hohen Eintrittsbarrieren oder bereits ausgeprägtem Hotelangebot leichter, einen Fuß in die Tür zu setzen.

Heidi Schmidtke abschließend: „Einhergehend mit den Wiedereröffnungen der Hotels und der Restart-Prämie der deutschen Regierung zeichnet sich für das kommende Halbjahr zumindest eine Rückkehr zu wieder mehr strukturierten Verkaufsprozessen und damit auch zu mehr Transparenz ab. Mehr Aktivität, ja, aber eine weiter kritische Beleuchtung der Erholungsprognosen, Leistungskennzahlen, Nachhaltigkeit der Mieten und Stärke der Pächter bzw. Betreiber werden den Hotelmarkt insgesamt begleiten.“ 

Die Hotels & Hospitality Group von JLL, Germany, berücksichtigt Einzeltransaktionen mit einem Investitionsvolumen von mindestens 5 Mio. Euro sowie Portfoliotransaktionen mit Objekten ausschließlich in Deutschland. Ebenso enthalten sind deutsche Hotels, die als Teil von grenzüberschreitenden Portfolioverkäufen veräußert werden.  


Über JLL

JLL (NYSE: JLL) ist ein führendes Dienstleistungs-, Beratungs- und Investment-Management-Unternehmen im Immobilienbereich. JLL gestaltet die Immobilien-Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit und nutzt dabei fortschrittliche Technologien, um Kunden, Mitarbeitern und Partnern werthaltige Chancen, nachhaltige Lösungen und eine zeitgemäße Arbeitsplatzgestaltung zu bieten. Das „Fortune 500“ Unternehmen mit einem Jahresumsatz 2020 von 16,6 Mrd. USD ist Ende März 2021 in über 80 Ländern mit weltweit mehr als 91.000 Beschäftigten tätig. JLL ist der Markenname und ein eingetragenes Markenzeichen von Jones Lang LaSalle Incorporated. Weitere Informationen finden Sie unter http://jll.de