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Brexit und die Folgen: Die große Verunsicherung – künftiger Normalzustand?

06. Juli 2016

Brexit, Brexit, Brexit. Vor allem die letzten Wochen und Tage vor dem Referendum hatten es in sich. Wie ein Kaninchen vor der Schlange verharrten Wirtschaft und Politik vor dem 23. Juni. Die Unsicherheit vor dem Ausgang des Bürgerentscheids war allerorten spür- und greifbar.

Und nun haben sich die Briten tatsächlich für ein „Out“ entschieden. Der Brexit ist Realität. Knapp zwar, aber mehrheitlich. Und der Wahlausgang reichte, um die globalen Finanzmärkte zu schockieren. So brach der DAX am Morgen des 24. Juni bis zu 10 % ein. Mittlerweile zwar wieder leicht erholt, werden die Kursausschläge nach oben und unten dennoch das Börsengeschehen auch weiterhin prägen. Denn die große Verunsicherung ist kurzfristig genauso Realität wie der Brexit.

Die langfristigen politischen und ökonomischen Folgen sind noch gar nicht absehbar. In Großbritannien allerdings dürfte in den nächsten Monaten zunächst eine Art Schockstarre einsetzen und auch die dortigen Finanz- und Investmentmärkte empfindlich treffen. Und Deutschland? Man sollte sich hüten, Deutschland jetzt als Gegenpart zu Großbritannien ins Spiel zu bringen. Vielmehr muss es jetzt darauf ankommen, die europäische Idee, deren Werte und Erfolge herauszustellen und offensiv zu verteidigen. Das drängt umso mehr, weil nationalistisch geprägte Stimmen wie die der AfD und von Donald Trump zu den ersten Gratulanten der britischen Europaflüchtlinge gehörten.

Dabei gilt es, neben dem Brexit auch die anderen immer noch schwelenden Risikoherde im Auge zu behalten. Für Europa und auch für Deutschland ist dabei insbesondere die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern und vor allem in China zu nennen. Ein „hard landing“ in China hätte nicht überschaubare negative Effekte auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft und würde sich in deutlich abgeschwächten Wachstumsraten niederschlagen.

Die große Verunsicherung – der Normalzustand in der nächsten Zukunft? Je eher wir uns mit dieser Perspektive vertraut machen, desto besser. Denn das Bewusstsein schafft die Voraussetzung zur Veränderung des Seins. Diese Wahrheit gilt auch in Zeiten des Brexit.