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BRICS in der Midlife-Crisis?

Noch vor wenigen Jahren galten die BRICS-Staaten als Garant für Investitionserfolge – heute scheint der Glanz verblasst zu sein.

27. Januar 2014

Die Sitzung zu den BRICS-Staaten hat mir gezeigt, wie schnell sich die Zeiten ändern. Noch vor wenigen Jahren galten die BRICS-Staaten als Garant für Investitionserfolge – heute scheint der Glanz verblasst zu sein. Die riesigen Mengen an ausländischem Kapital, die in Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gepumpt wurden, hätten sich auszahlen müssen, um den anfänglichen Hype zu rechtfertigen. Der Anspruch, dass die BRICS-Staaten die Weltwirtschaft bis 2030 dominieren werden, erscheint im Nachhinein sehr unüberlegt.

Befinden sich die BRICS-Staaten in der Midlife-Crisis? Möglicherweise. Vielleicht bekämpft man dieses bange Gefühl am besten, indem man sich einen Sportwagen kauft oder einen Berg besteigt. Hohe Beschleunigung und ein Anlass, diesen vergänglichen Erfolg zu erleben, bringen den Adrenalinfluss in der Regel wieder in Gang.

Die Mitte des Lebens ist die Blütezeit des Lebens, weil die Leistungsfähigkeit dann ihren Höhepunkt erreichen kann. Natürlich ist das nicht immer der Fall – vieles hängt davon ab, ob die Reife die manchmal törichten Träume der Jugend zunichte gemacht hat und ob die aus vergangenen Fehlern gesammelte Erfahrung einen klareren Weg für die Zukunft geebnet hat. Ich würde behaupten, dass Indien und China genau diesen Prozess durchlaufen.

Vielleicht könnten sich Länder wie Japan von diesen beiden Ländern eine Scheibe abschneiden. Japan ist dank seiner dynamischen Wirtschaftspolitik ohne Zweifel auf steilem Wachstumskurs. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass das Wachstum des Landes um mindestens 16 Prozentpunkt höher ausfallen könnte, wenn Japan es Indien und China gleich täte und die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöhte.

Um auf die BRICS-Staaten zurückzukommen, habe ich meine Zweifel über die Schlussfolgerungen, die manche Ökonomen jetzt ziehen. Ich meine dabei die Auffassung, dass nur China alle Versprechungen wirklich erfüllt habe und keiner der anderen BRICS-Staaten mehr attraktiv sei. Indien sollte dabei nicht vergessen werden…

Von allen BRICS-Staaten hat Indien die höchste Wachstumsrate bei der Stadtbevölkerung. Die schnelle Verstädterung und das rapide Beschäftigungswachstum bieten riesige Möglichkeiten für Immobilienentwicklungen und -investments, insbesondere im Wohnsektor. Bis 2030 wird Indien 68 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern, 13 Städte mit mehr als vier Millionen Einwohnern und sechs Megastädte mit 10 Millionen oder mehr Einwohnern haben.

Das Durchschnittsalter liegt in Indien bei 26,2 Jahren und in China bei 35,5 Jahren (der weltweite Durchschnitt beträgt 28,4 Jahre). Fast 64 % der indischen Bevölkerung befinden sich in der Altersgruppe zwischen 15 und 64 Jahren, und 35 % in der relativ jungen Altersgruppe sind zwischen 15 und 34 Jahren.

Die relativ junge Bevölkerung Indiens stellt einen ziemlich großen Konsumenten-Pool für Wohnbauten – ein Pool, in den Investoren mit Sicherheit gerne springen. Zumindest im Fall des jungen Indiens ist es sicher etwas zu früh, um von einer Midlife-Crisis zu sprechen.

Wie auch in Bezug auf den Rest der Welt ist es schwer zu ignorieren, dass seine Bevölkerung rasant wächst, die Schaffung von Wohlstand sprunghaft ansteigt und jedes Jahr neue Großstädte entstehen. Dieses hervorragende Video von Jones Lang LaSalle erklärt, wie es dazu kommt, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts in der Asien-Pazifik-Region mehr privater Wohlstand vorhanden sein wird als irgendwo sonst auf der Welt, einschließlich Nordamerika.

Es lohnt sich für jeden, der denkt, dass die Welt im Allgemeinen und die BRICS-Staaten im Besonderen anfangen, sich auf ihren Ruhestand vorbereiten.