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Up or Down: Wie sieht der Immobilienmarkt in zwei Jahren aus? 50 Experten – 3 Szenarien

Niedrige Zinsen locken Anleger derzeit weiterhin in die Assetklasse Immobilie. Noch liegen Immobilienmarkt-renditen bei 3-4%. Aber wie geht es weiter?

15. März 2017

„Die Zinsen werden ansteigen.“

Das ist die absolute Mehrheitsmeinung der Befragten in unserer Konjunkturumfrage und gilt für die Einschätzung der Entwicklung in den USA genauso wie für die Eurozone. Welche Konsequenzen kann dies für die Immobilienmärkte in Deutschland bedeuten? Niedrige Zinsen locken Anleger derzeit weiterhin in die Assetklasse Immobilie, was sich deutlich in den aktuellen Transaktionszahlen niederschlägt. Noch liegen die Renditen für Büro- und Einzelhandelsimmobilien in Spitzenlagen zwischen drei und vier Prozent Aber wie geht es weiter? Aus 50 Meinungen von Immobilienexperten haben wir drei Szenarien für den Markt in zwei Jahren erstellt:

Szenario 1: Cooling Down

20% Eintrittswahrscheinlichkeit

Was im Dezember 2016 mit einer leichten Erhöhung des US-Leitzinses auf 0,75% begann, hat nun richtig Fahrt aufgenommen. Das Zinsniveau ist stark angestiegen und hält den US-Dollar stark gegenüber dem Euro. Aber auch auf dem Kontinent ist die Zinskurve gestiegen – aufgrund des nachlassenden Drucks durch das Ende des Ankaufprogramms für Staatsanleihen der EZB zum Jahresende 2017. Die Brexit-Verhandlungen laufen noch heiß, Frankreich und die Niederlande stehen vor Referenden über EU-Austritt oder Verbleib. Und – unter anderem als Folge der greifenden „America First“-Politik – gehen die Exporte in der Bundesrepublik zurück. Das Wirtschaftswachstum wird bei weniger als 1,0% erwartet. Die Inflation liegt bei 2,0%.

Szenario 2: On an on

60% Eintrittswahrscheinlichkeit

Das Zinsniveau in den USA ist nur geringfügig angestiegen und hält den US-Dollar gegenüber dem Euro stabil. In Europa verlängert die EZB ihr Ankaufsprogramm um ein Jahr – entsprechend verbleibt die Zinskurve nahe der Null-Linie und steigt höchstens für die langen Laufzeiten auf 1,25 Prozent. Die Brexit-Verhandlungen laufen auf ein faires Handelsabkommen hinaus. Der Boom deutscher Exporte ist nur leicht gedämpft und weiter auf hohem Niveau. Das Wirtschaftswachstum wird bei über als 1,0% erwartet. Die Inflation liegt unter 1,50%.

Szenario 3: The heat is on

20% Eintrittswahrscheinlichkeit

Die amerikanische Notenbank stoppt die Zinserhöhungspolitik, um Trumps Wachstumsprogramm zu finanzieren. Das wertet den US-Dollar gegenüber dem Euro ab. In Europa weitet die EZB ihr Ankaufsprogramm weiter aus – entsprechend bleibt das Zinsniveau niedrig. Die Brexit-Verhandlungen laufen auf ein Handelsabkommen hinaus, das Vorteile für beide Seiten bringt. Die deutsche Wirtschaft profitiert unverändert vom attraktiven Zins- und Währungsniveau und verzeichnet neue Rekord-Exporte. Das Wirtschaftswachstum liegt bei über 2,0% erwartet. Löhne und Preise steigen merklich.

Das Fazit lautet also: Der Immobilienmarkt in Deutschland wird sich mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Zweijahresbetrachtung seitwärts bewegen. Ein weiterer Rekordlauf wie auch der Eintritt in eine schwächere Phase sind möglich, erscheinen mit Blick auf die hohe Stabilität der Konjunktur und der Märkte zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber als weniger wahrscheinlich.