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Branded Residences: Noch viel Potenzial für Immobilien mit starker Marke

Bisher sind Branded Residences, also Wohnprojekte unter bekannter Marke, vor allem auf dem US-amerikanischen und asiatischen Markt zu Hause. Aber auch hierzulande könnte sich das Konzept weiter etablieren.

12. Dezember 2019

Branded Residences, also Eigentumswohnungen unter dem Banner einer bekannten Marke, meist eines Hotels, sind bisher kein alltägliches Produkt auf dem Markt der Wohnimmobilien. Das gilt ganz besonders für Deutschland. Aber auch weltweit beläuft sich derzeit der Bestand auf nicht mehr als rund 55.000 Apartment in etwa 400 Anlagen. Eine noch recht ungewöhnliche Art zu Wohnen also. Und das nicht allein gemessen an der Zahl. Wohl kaum eine Eigentumswohnung verkörpert den Begriff Komfort so sehr wie die Branded Residences.

Angetrieben wird dieser Markt unter anderem – aber nicht ausschließlich - von den so genannten High-Net-Worth Invidividuals, kurz HNWI. Zu diesem erlauchten Kreis gehören Menschen mit einem investierbaren Kapital von mehr als einer Million US-Dollar. Und davon gibt es mehr, als man im ersten Moment denken würde. Die Zahl der HNWI hat sich weltweit allein zwischen 2008 und 2017 verdoppelt, in Deutschland lag der Anstieg sogar bei 70 Prozent. Oft handelt es sich dabei um Vertreter einer mobilen Elite, die sich an vielen Orten der Welt zuhause fühlen möchte. Und das möglichst, ohne sich mit den kleinen Mühen der Haushaltsführung belasten zu müssen, denn um die Mehrzahl dieser Arbeiten kümmert sich in der Regel ein angeschlossener, hotelähnlicher Service.

„Etablierte Hotelmarken sind für dieses Konzept besonders geeignet, da sie weltweit für einen sehr guten Service und ein besonderes Kundenerlebnis mit Wiedererkennungswert stehen“, erklärt erklärt Helen Lindner, JLL Team Leader Residential Development Advisory. „Wir beobachten, dass die Nachfrage nach Serviceangeboten im Wohnbereich stetig steigt und aus diesem Grund Branded Residences für alle, die Design in Kombination mit Service schätzen, ein besonders interessantes Wohnkonzept sind.“

Heimat auf Zeit statt Hotel

Warum also nicht gleich ins Hotel? Das Gefühl von echter Heimat und persönlichem Lebensraum finden dort nur die wenigsten Globetrotter, dafür brauchen die meisten doch die eigenen vier Wände. Und für das Leben in einem angemessenen Hotel zahlt man auf Dauer nicht wenig, selbst für Gutbetuchte fällt das ins Gewicht. Eine exklusive Eigentumswohnung dagegen ist eine Wertanlage, die sich gerade jetzt im goldenen Immobilienmarkt anbietet. Dabei spricht für Branded Residences die starke Marke, die Services und Hausverwaltung auf höchstem Niveau garantiert. Ein Argument für hohes Wertsteigerungspotenzial und Stabilität selbst für die Zeiten nach dem großen Boom der Immobilienbranche.

Branded Residences erzielen höhere Marktpreise

Solche Vorteile klingen nicht nur für die Käufer verlockend. „Vom Know-how, der Reputation und der Bekanntheit der Marke profitieren auch Projektentwickler beim Einzelverkauf von Eigentumswohnungen: Die starke Marke generiert einen höheren Kaufpreis“, weiß Thomas Zabel, JLL Head of Residential Development Germany. Während sich derzeit zum Beispiel in München ein Spitzen-Quadratmeterpreis von 18.500 Euro im Einzelvertrieb von Eigentumswohnungen erzielen lässt, wäre für Branded Residences eine Steigerung auf bis zu 22.000 Euro realistisch. Ähnliches Potenzial gibt es in anderen deutschen Großstädten, etwa in Berlin (11.640 vs. 9.700 Euro), Frankfurt a.M. (14.484 vs. 12.070 Euro) oder Hamburg (11.304 vs. 9.420 Euro).

Eine Markenimmobilie genießt gegenüber einer ungebrandeten Immobilie ein höheres Vertrauen bei Nutzern und Käufern.

Thomas Zabel, Head of Residential Development Germany, JLL

Wie funktioniert das Prinzip der Branded Residences aber nun genau? Zunächst stellt ein Unternehmen einem Entwickler seine Marke zur Verfügung. Aufgrund der Branchennähe sind es zumeist natürlich Hotels, die auf diese Weise ihre Marke lizenzieren, denkbar ist aber auch jede andere Art von namhaftem Unternehmen, besonders aus dem Luxus- und Premium-Segment. Die allerdings stehen dann vor der Herausforderung, die entsprechenden Services aufzubauen. Hotelmarken dagegen verfügen bereits über entsprechende Infrastruktur und Erfahrung, die sie für die Immobilie nach Fertigstellung zur Verfügung stellen. Der Entwickler veräußert die Wohnungen in Folge an Käufer, die für die Hoteldienstleistungen eine Servicegebühr entrichten. Die neuen Eigentümer können die Immobilie selbstverständlich auch selbst (zeitweise) vermieten.

Branded Residences können Teil eines bestehenden Hotelkomplexes sein, als Teil eines gemischt genutzten Quartiers entstehen oder auch als eigenständiges Objekt ohne örtlich angeschlossenes Hotel. „Es gibt im Grunde zwei Arten von Standorten, an denen Branded Residences funktionieren“, erklärt Zabel. „Zum einen sind es Ferienorte, dort stammt das Konzept ursprünglich her. Zum anderen findet sich diese Wohnform vermehrt in Großstädten. In Deutschland sehe ich vor allem Berlin, Hamburg, München und Frankfurt als prädestinierte Städte für dieses Konzept an.“

Noch allerdings ist die Bundesrepublik Entwicklungsland bei den Branded Residences. Ganz anders als zum Beispiel die USA, die rund ein Drittel des globalen Bestandes beheimaten. Auch Asien ist stark vertreten bei den Branded Residences, allen voran Thailand und Indonesien, außerdem verschiedene Einzelstandorte wie Dubai. In Europa erschließt sich derzeit London als Gateway-Destination für die alte Welt die Vorreiterrolle bei den Markenimmobilien. Hierzulande gibt es also bei den Branded Residences noch viel Potenzial zu entwickeln.

Thomas Zabel
Head of Residential Development Germany
Helen Lindner
Team Leader Residential Development Advisory