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Ein guter Tag für den Euroraum?

Quantitative Easing – das Wundermittel, welches der kränkelnden Wirtschaft helfen soll, endlich auf die Beine zu kommen – ist seit letztem Donnerstag Realität. Die EZB wird jeden Monat für 60 Mrd. Euro Staatsanleihen aufkaufen, zunächst bis September 2016.

25. Januar 2015

Quantitative Easing – das Wundermittel, welches der kränkelnden Wirtschaft helfen soll, endlich auf die Beine zu kommen – ist seit letztem Donnerstag Realität. Die EZB wird jeden Monat für 60 Mrd. Euro Staatsanleihen aufkaufen, zunächst bis September 2016. Ach ja, wenn nötig kann das Programm auch noch länger laufen. Alles mit dem Ziel, die Inflation endlich wieder auf die magische 2%-Grenze zu hieven bzw. die Wirtschaft anzukurbeln und somit steigende Nachfrage zu generieren. Die Börse und die Finanzwirtschaft jubeln, der DAX tanzt Sirtaki, Flamenco und feiert mit italienischem Wein.

Jetzt wird alles gut! Wird es? Es darf gezweifelt werden. Wie ent- und verrückt sind denn mittlerweile die Finanzmärkte, dass über eine solche Entscheidung gejubelt wird? Eine Entscheidung, die eigentlich die ganze Not und die Probleme der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion offen zu Tage fördert. Mit mehr Geld soll mehr geholfen werden. Die Gefahr, die ich sehe, ist die, dass vergessen wird, warum die EZB überhaupt in diese Notlage gekommen ist. Die eigentlichen Probleme der Eurozone werden damit nicht gelöst und die Länder, in denen umfassende strukturelle Reformen notwendig wären, erhalten ein klares Signal, dass die Geldpolitik ihnen schon helfen wird – Druck sieht anders aus.

Und was kommt denn danach? Wer glaubt denn an umfassende und nachhaltige Reformansätze bis September 2016? Wird dann weiter gepumpt? Wohl ja, denn nun führt kein Weg mehr zurück. QE-Skeptikern wird oftmals zugerufen, in den USA, in Japan und in Großbritannien hat es doch auch gewirkt. Mag sein, aber ist die Eurozone vergleichbar mit diesen Ländern? Hier sind Zweifel angebracht. Zum einen hat die Fed nur US-Staatsanleihen gekauft, genauso wie die Bank of England nur britische Staatsanleihen. Zudem gab es in Verbindung mit dem Anleihe-Ankaufsprogramm auch Konjunkturprogramme, die erst in Kombination zu einer höheren Wirksamkeit führten. Aber die EZB muss ganz unterschiedlich bewertete Anleihen aus Staaten kaufen, deren Risiken ganz unterschiedlich zu bewerten sind. Damit werden aber bestehende Zinsunterschiede und somit auch unterschiedliche Risiken künstlich ausgeglichen.

Was bedeutet das Programm nun für die Immobilienmärkte? Zunächst einmal befeuert es die Investmentmärkte, wahrscheinlich wird noch mehr Kapital für Gewerbe- und Wohnimmobilien zur Verfügung stehen – mit einem entsprechend niedrigen Zinsniveau. Und dieses Mehr an Kapital wird sicherlich dazu führen, dass die Vermögenspreise insgesamt ansteigen werden. Hierzu zählen eben auch Immobilien. Die Gefahr wächst, dass es zu Fehlallokationen und zu deutlich sinkenden Anfangsrenditen kommt, die fundamental nicht mehr gerechtfertigt sind. Es bleibt letztendlich zu hoffen, dass alle Marktakteure am Immobilienmarkt besonnen bleiben. Die sorgfältige Prüfung einer Investition und einer Finanzierung muss das A und O bleiben, egal wieviel Kapital zur Verfügung steht. Eine jetzt zu teuer gekaufte Schrottimmobilie bleibt häufig auch in zwei oder drei Jahren eine Schrottimmobilie, nur dann könnte in einem Umfeld steigender Zinsen die Bewertung und die dahinterstehende Finanzierung zu Problemen führen. Und auch erst dann wird sich die Frage beantworten lassen, ob der 22. Januar 2015 wirklich ein guter Tag für Europa war.