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Einwanderungsland Deutschland – Einige Aspekte von der Immobilienfront

Auch die Immobilienbranche muss sich mit dem Thema "Einwanderung" beschäftigen. Die vieldiskutierte Umwandlung von Büroraum in Wohnraum ist nur einen Schritt weit von der Umwandlung in Flüchtlingsunterkünfte entfernt.

11. September 2015

In Berlin beschlagnahmt der Senat die ehemalige LBB-Verwaltung in der Bundesallee 117. Das aus einem Konkursverfahren zum Verkauf stehende Gebäude soll als Erstanlaufstelle für Asylbewerber umgenutzt werden. Das vermelden zumindest Berliner Lokalmedien. Ebenso, dass Hangars am Flughafen Tempelhof künftig als Notunterkünfte hergerichtet werden. Zwei Beispiele in der deutschen Hauptstadt von vielen überall in Deutschland, die zeigen, dass Immobilien im Zentrum einer dramatischen Entwicklung des Flüchtlingsdramas auch in Deutschland stehen. Wer nämlich erst einmal in einem Gebäude in einem demokratischen Land Europas angekommen ist, hat einen Ort relativer Sicherheit und damit ein wichtiges Zwischenziel auf einer oft langen Reise des Leidens und Schreckens erreicht.

Fraglos: wir müssen Deutschland als Einwanderungsland akzeptieren und etablieren. Vor dieser Tatsache dürfen wir hierzulande nicht mehr die Augen verschließen. Und in einem solidarischen Europa darf es in dieser wichtigen Frage auch keinen Platz für nationale Egoismen geben. Denn klar und unzweideutig ist der Anspruch der Flüchtlinge auf Asyl. Auf der anderen Seite zwingt uns die demografische Entwicklung, schnellstmöglich eindeutige Ein- und Zuwanderungsbedingungen zu schaffen. Darin liegt eine Chance. JLL etwa ist ein Paradebeispiel für ein Unternehmen, das ein vitales Interesse daran hat, vielfältige Nationalitäten und Bildungshintergründe aufzunehmen. Denn wir sind global aktiv. Und diesem globalen Anspruch entsprechen wir durch ein multikulturelles Personalmanagement.

Doch die Immobilienbranche muss sich auch aus anderen Blickwinkeln mit der Einwanderungsfrage beschäftigen. Die vieldiskutierte Umwandlung von Büroraum in Wohnraum ist nur einen Schritt weit von der Umwandlung in Flüchtlingsunterkünfte entfernt. Angesichts der Leerstandsquoten in den Metropolen und einem zum Teil nennenswerten strukturellen Leerstand wäre eine lösungsorientierte Herangehensweise durchaus sinnvoll. Allerdings wird die Diskussion sehr ideologisch geführt und es fällt schwer, sie auf eine sachliche Ebene zu heben. Gelänge es, bauliche, gesellschaftliche, politische und nicht zuletzt auch subventionsbezogene Voraussetzungen einer Umwandlung vorurteilsfrei zu prüfen, könnten sich durchaus Handlungsoptionen ergeben, die allen Beteiligten helfen.

Diese Erkenntnis ist in der Wirtschaft und bei den Unternehmen schon sehr viel weiter fortgeschritten als in der Gesellschaft. Die Frage sollte sich längst um das „wie“ und nicht mehr um das „ob“ drehen. Unseren Wohlstand und unser Wachstum können wir nur dann aufrechterhalten, wenn wir uns ernsthaft und unideologisch mit der Einwanderung beschäftigen und klare Regeln etablieren – in Deutschland und in Europa insgesamt. Und dazu braucht es nicht zuletzt Immobilien. Und die Kompetenz der Experten.