Artikel

Life Science Unternehmen brauchen mehr als Labore

Im Bereich Life Science ist zukünftig sowohl mit wachsenden Unternehmen als auch mit neuen Playern zu rechnen, die auf dem Immobilienmarkt aktiv werden...

22. Februar 2017

Life Sciences – die Naturwissenschaften, die sich mit Strukturen und Verhalten lebender Organismen beschäftigen – werden neben dem Hype um Internet-Technologie oft ein wenig in den Hintergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit gedrängt.

Dabei ist die Life Science Branche gerade in Deutschland extrem lebendig. Über 700 Unternehmen beschäftigen rund 40.000 Mitarbeiter – die meisten davon in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Umsätze sowie Forschungsaktivitäten und
-ausgaben sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Warum, liegt vor allem mit Blick auf die Entwicklung neuer Medikamente und Diagnostik auf der Hand: Wir altern auf breiter Basis, chronische Erkrankungen nehmen zu – das erweitert fast zwangsläufig die Nachfrage nach medizinischen Leistungen.

Vor diesem Hintergrund ist zukünftig sowohl mit wachsenden Unternehmen als auch mit neuen Playern zu rechnen, die auf dem Immobilienmarkt aktiv werden und nach Flächen Ausschau halten. Und die beschränken sich nicht auf Labore und zu Forschungszwecken geeignete Räume. Was ist Life Science Unternehmen bei Standort- und Gebäudesuche wichtig? Und vor allem: Wo finden sie das? Das Beispiel München, eines der bedeutendsten Biotech-Cluster in Deutschland, macht’s deutlich.

Nähe zu Forschungseinrichtungen

Forschungsintensität liegt in der Natur von Life Science Unternehmen. Daher ist die räumliche Nähe zu öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen eines der wichtigsten Ansiedelungskriterien. Die Life Science Branche nutzt in München mehrheitlich Back Office-Standorte und lagert wissenschaftliche Laboraktivitäten bewusst aus – beispielsweise in das Klinikum Großhadern. Andersherum entstehen gerade aus den Unilaboren heraus oft neue Branchen-Player.

Und auch wer seine Forschung in den eigenen Räumen betreibt, lebt vom interdisziplinären Austausch mit den einschlägigen Wissenschaften, die in München vor allem an den Universitäten TU und LMU, dem Helmholtz Zentrum für Umwelt und Gesundheit und den Max-Planck-Instituten für Biochemie und Neurobiologie und den Fraunhofer-Einrichtungen betrieben werden.

Der Preis treibt die Standortsuche

Dass sich die Mehrheit der Unternehmen nicht unmittelbar neben diesen Einrichtungen ansiedelt, sondern eher in Martinsried-Planegg-Großhadern im südwestlichen Stadtgebiet oder in Freising, liegt zu großen Teilen am Preis. Und die Branche ist preissensibel. Was kein Wunder ist bei dem hohen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Und was sich darin zeigt, dass Life Science-Unternehmen im Gegensatz zum Gesamtmarkt deutlich häufiger in Drittlagen anmieten. Hinzu kommt die vorrangige Suche nach größeren Flächen über 500 Quadratmeter – die lassen sich „weiter draußen“ unkomplizierter finden.

Nähe zu branchennahen Unternehmen

Die Life Science-Ballung in gewissen Umland-Regionen ist vor allem dem hohen Drang nach Austausch „geschuldet“. Gerade in der ersten Unternehmensphase ist Networking und Förderung enorm wichtig – am besten gleich „in front of the door“ wie im IZB, dem Innovations- und Gründerzentrum, das sowohl in Martinsried als auch in Freising sitzt. Und auch bereits länger etablierte Player brauchen die gute und naheliegende Vernetzung mit verwandten Geschäftsfeldern und spezialisierten Dienstleistern wie Rechts- und Patentberatern oder Vertrieb.

Flexible Raumstrukturen

Life Science heißt nicht ausschließlich Mundschutz auf, Pipette in die Hand und Kopf ins Reagenzglas. Enge Kommunikation, kritische Diskussion und spontanes Brainstorming stehen mindestens genauso im Fokus der täglichen Arbeit. Hinzu kommen sich ständig verändernde Arbeitsbedingungen und Richtlinien durch die Politik, wie z.B. Gesundheitsreform oder neue Regelungen innerhalb der Medikamentenverordnung. Die genutzte Immobilie muss entsprechend flexibel sein und ihre Raumstrukturen an sich neu formierende Teams oder neue Arbeitsweisen anpassen. Vorbei sind klaustrophobische Labore mit so gut wie keinem Kontakt zur Außenwelt. Offene, bewegliche Grundrisse sind der neue Standard. Life Science Unternehmen suchen nach modernen Räumen mit natürlichem Licht, die Wohlbefinden und Produktivität der Mitarbeiter steigern. Das neue Hauptziel: Bessere Produkte durch bessere Kommunikation und Zusammenarbeit entwickeln.

Schließlich geht es auch ums Image: Wer in Diensten der Gesundheit forscht, sollte auch in Sachen Mitarbeiter für eine gesunde Umgebung sorgen. Gepaart mit modernen Arbeitsmodellen zieht das auch Talente an. Denn gerade für eine so forschungsintensive Branche wie Life Science ist vielversprechender Nachwuchs oberste Prämisse. Womit sich mit Blick auf München der Kreis schließt: Dank der räumlichen Nähe zu den zahlreichen Forschungseinrichtungen und zwei Elite-Unis könnte der Zugang zum Arbeitsmarkt der Young Talents kaum direkter sein als hier.

Eine ausführliche Analyse zur Life Sciences-Branche in München finden Sie hier.