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Im Pakete-Rausch: Was erwartet die Logistik 2017? – 3 Fragen an Frank Weber

Klingelt bald die Paket-Drohne an der Haustür? So abenteuerlich und aufregend sich das anhört – logistische Realität ist es flächendeckend nicht...

20. Dezember 2016

Klingelt bald die Paket-Drohne an der Haustür? So abenteuerlich und aufregend sich das anhört – logistische Realität ist es flächendeckend nicht. Geschweige denn massentauglich. Worauf muss sich die Logistik 2017 und darüber hinaus wirklich einstellen? Frank Weber, Head of Industrial Agency JLL Germany, gibt Ein- und Ausblicke. 3 Fragen – 3 Antworten.

Die Logistikbranche ist in den letzten Jahren besonders rasant gewachsen. Warum gerade jetzt?

Haupttreiber ist der zunehmende E-Commerce. Dies hat vor allem Auswirkungen auf die Verteilungs- oder Distributionslogistik. Die Waren kommen aus dem In- und Ausland bei den großen Import- oder heimischen Verteilzentren an (letztere auch Fulfillment-Center genannt) und werden dann in Deutschland über regionale Verteilzentren, Zustellbasen der Paket-Dienstleister und zunehmend City-Hubs verteilt.

Dazu ein paar Zahlen: Ende der 1970er Jahre transportierte die Deutsche Post (alte BRD) ca. 280 Mio. Pakete jährlich. Heute sind es 2,7 Mrd., ausgeliefert von Hauptakteuren wie DHL, Hermes, UPS und DPD. In zehn Jahren sollen nach Schätzung von McKinsey bereits 5 Mrd. Pakete in Deutschland transportiert werden, das hieße dann fast 18 Mal mehr als 50 Jahre früher. Der Online-Handel wächst jedes Jahr ca. 12-14 %, auch das ist ein starkes Indiz für die Zunahme der dafür benötigten Logistik-Fläche.
Übrigens: Der Bedarf an Logistikfläche ist laut einer Erhebung eines der größten Vermieter dreimal höher bei einem Euro Umsatz online im Gegensatz zu einem Euro Umsatz im stationären Handel. Kein Wunder also, dass die Branche in den letzten 10 Jahren entsprechend doppelt so schnell gewachsen ist wie z.B. das produzierende Gewerbe und inzwischen auf Platz 3 der Branchen in Deutschland liegt.

Was sind die 3 wichtigsten Herausforderungen, denen die Logistikbranche heute und in Zukunft gegenübersteht?

Die drei wichtigsten Herausforderungen sind gleichzeitig die Megatrends – nämlich technologische Entwicklung/Digitalisierung, Re-Shoring (bedeutet Rück-Verlagerung von Produktionskapazitäten aus anderen Teilen der Welt nach Europa) und City-Logistik. Die Logistik-Immobilie der Zukunft (und auch des bereits vorhandenen Bestandes) muss Schritt halten mit den damit einhergehenden Veränderungen. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn immer mehr Sensorik im Einsatz ist, also Funk-/Sende bzw. Empfangs-Chips zur Nachverfolgung von Waren, Paketen oder Paletten, dann müssen ausreichend Daten- und Stromkabel in der Halle vorhanden sein. Gleiches gilt für die zunehmende Automatisierung oder Robotisierung in dem Logistikgebäude.

Welche neuen Technologien und Trends werden tatsächlich an Bedeutung für die logistische Praxis und ihre Immobilien gewinnen? Welche eher weniger?

Nach meiner Einschätzung wird Big Data, also im Wesentlichen die Generierung und synchrone Verarbeitung von Daten der Warenströme eine Bedeutung haben, z.B. für die Kommissioniertechnik (Pick by Voice, by Light, by Vision), das Tracking und Tracing (also Verorten der Waren), die Prüfung des Ursprungs (Markenartikel ja/nein) und Verbleibs (Entsorgungswege).

Dann wird es entscheidend für die Akzeptanz der Paketströme in Städten sein, ob wir ökologisch nachhaltige, verkehrsreduzierende und leise Transportwege etablieren können (auch hier ist Big Data gefragt, z.B. bei der Verkehrsfluss-Steuerung). Als weniger bedeutsam für die Beherrschung großer Volumina sehe ich den  Einsatz von Drohnen an. Das wäre technisch sicher reizvoll und beherrschbar, aber regulatorisch schwierig (Stichwort Luftraum-Kontrolle) und für die zu transportierenden Mengen zu vernachlässigen.

Frank Weber beim 174. Wirtschaftsgespräch in Leipzig

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