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Microliving und studentische Wohnformen bieten hohe Renditen

Die Wohnungsknappheit in den urbanen Zentren bekommen nicht zuletzt diejenigen zu spüren, die dort in knapper Frist eine Unterkunft benötigen

07. Mai 2019
Microliving und studentische Wohnformen bieten hohe Renditen

Dazu gehören klassischerweise Studierende. Und davon gibt es mehr als je zuvor. Im Wintersemester 2018/2019 waren hierzulande fast 2,9 Millionen Menschen an Hochschulen und anderen Institutionen höherer Bildung eingeschrieben. Die Horrorgeschichten von Monaten auf den Sofas verschiedener Bekannter sind keine Seltenheit. Und wer auf dem freien Markt keine Bleibe findet, wird auch bei den Wohnheimen der Studierendenwerke selten fündig. Es stehen längst nicht genügend Plätze für die ständig wachsende Nachfrage zur Verfügung. Und damit steigen die Chancen für alternative Konzepte wie Microliving, also möblierte Apartments von etwa 18 bis 25 qm Größe, und private Studierendenheime.

In Deutschland ist dieser Markt noch vergleichsweise schwach ausgeprägt. Weltweit erreichte die Investmentsumme in Studentenwohnformen 2017 aber bereits 17,2 Milliarden US-Dollar. Und damit schon 1,2 Milliarden Dollar mehr als noch im Jahr zuvor. Dieses Kapital ist auffallend international, der Anteil grenzüberschreitender Investments liegt bei über 50 Prozent. Der größte europäische Transaktionsraum ist wenig überraschend die Immobiliennation Großbritannien: Deutlich über 3,5 Milliarden Euro wurden dort 2018 in Student Housing investiert. Im übrigen Europa erreichte die Summe rund 1,7 Milliarden. Deutlich hervorgetan haben sich dabei die Niederlande mit einem Anteil von 45 Prozent. Die Bundesrepublik folgt allerdings mit 26 Prozent auf einem guten zweiten Platz.

Auch Lebensgefühl prägt den Markt

Dieser Wert könnte bereits in naher Zukunft spürbar zulegen. Es ist nicht nur der Mangel an städtischem Wohnraum, der die Entwicklung treibt, sondern ein stückweit auch Lebensgefühl. Sharing Community, Coworking, die junge Generation setzt auf das Gemeinschaftsgefühl. „Die Ansprüche wandeln sich gerade bei den gut ausgebildeten jungen Menschen, vom Wohnraum zum Erfahrungsraum. Das Wohnumfeld soll vor allem Erleben und Begegnung ermöglichen, aber auch Flexibilität“, erklärt Dr. Konstantin Kortmann, JLL Head of Residential Investment Germany. Reduzierte persönliche Flächen mit vollständiger Möblierung, ergänzt um Gemeinschaftsräume, die es Neuankömmlingen auch erleichtern, soziale Kontakte zu knüpfen. Das bedient die Anforderungen einer immer mobileren jungen Bevölkerung: „Das Bachelor-Studium am ersten Standort, das Praktikum in einer anderen Stadt, und dann der Wechsel an eine weitere Hochschule für den Master: Der Wohnungsmarkt muss diese veränderte Lebensrealität abbilden können“, beschreibt Kortmann die heute üblichen Ausbildungswege. Gerade in den Student Housing-Hochburgen UK und Niederlande haben sich die dafür passenden Betreiberkonzepte wie The Student Hotel, The Collective oder Zoku entwickelt, die jetzt zunehmend auch den Weg nach Deutschland finden.

Mobilität sorgt für anhaltende Nachfrage

Es ist also noch einiges von dieser Asset-Klasse zu erwarten, die Nachfrage jedenfalls dürfte angesichts der weiteren Akademisierung unserer Gesellschaft nicht abreißen. Interessant für Investoren ist zudem die überdurchschnittliche Spitzenrendite von derzeit 7,5 Prozent. „Zu bedenken ist bei dieser Rendite allerdings, dass es sich in der Regel um voll ausgestatte Wohnungen von höherer Qualität handelt. Entsprechend hoch sind die regelmäßig anfallenden Instandhaltungskosten“, erklärt Tobias Köhler, JLL Team Leader Residential Investment.

Eine kleine Einschränkung, dennoch wird Microliving noch für lange Zeit das Investoreninteresse wecken. Und es sind nicht nur Studierende, die den Markt antreiben. Die urbane Arbeitswelt ist nach wie vor stark von Mobilisierung geprägt. Regelmäßig an verschiedenen Standorten tätig zu sein gehört heute ebenso zur Normalität zahlreicher Fachkräfte wie ein sehr viel häufigerer Jobwechsel als noch vor Jahrzehnten. Auch hier sind also immer wieder kurzfristig neue Wohnstätten gefragt. Nicht zu vergessen die Pendler, von denen viele eine funktionale Zweitwohnung vor Ort langen Anfahrtswegen vorziehen.

Mieten im europäischen Vergleich niedrig

Zugegeben, ganz billig ist Microliving auf gehobenem Niveau nicht, auch nicht im Segment Student Housing. Die Mietspanne ist allerdings vergleichsweise groß, entsprechend der Vielfalt der Konzepte: 41 bis 225 Euro wöchentlich zahlen Bewohner von Wohnimmobilien für Studenten. Damit bewegt sich die Bundesrepublik am unteren Ende der europäischen Skala, selbst hinter dem sonst bei den Lebenshaltungskosten deutlich günstigeren Italien. Ungeschlagen an der Spitze: Großbritannien mit einer Spanne von 110 bis 650 Euro.

Dr. Konstantin Kortmann
Head of Residential Investment Germany
Tobias Köhler
Team Leader Residential Investment Düsseldorf