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Perspektiven langfristig orientierter Investoren

Es herrschte Einigkeit darüber, dass Investoren über gute Branchenkenntnisse verfügen müssen, um effektiv arbeiten zu können.

27. Januar 2014

Zu Beginn meines letzten Tages in Davos werde ich versuchen, meinen ornithologischen Handlungsfaden wieder aufzunehmen, wozu ich aus Zeitmangel gestern nicht gekommen bin.

Den Tag verbrachte ich hauptsächlich in Sitzungen mit einer Vielzahl von Wanderalbatrossen bzw. langfristig orientierten Investoren. Zu den besprochenen Themen zählten:

  • Wie definiert man den Begriff „langfristig“ aus der Perspektive von Unternehmen, Fondsmanagern und Kapitalgebern? Bei den Unternehmen ging es schwerpunktmäßig um die Zeitdauer zur Umgestaltung von Unternehmen. Dabei erkannte man, dass ein Umgestaltungsprozess vermutlich nicht geradlinig durchgeführt werden kann. Viel diskutiert wurde über die Frage, wie Geschäftsführer für Ihre mehrjährige Leistung entlohnt werden, während die meisten Anlageverwalter auf Jahresbasis vergütet werden. Die Schlussfolgerung lautete, dass die innere Einstellung für einen wirklich langfristigen Ansatz von den Vorständen der Unternehmen und Institutionen ausgehen muss (aktuell geht die Tendenz aber eher in Richtung „kurzfristig“). Für Wanderalbatrosse bedeutet das ein langfristiger Flugplan, der durch wilde Stürme über dem Ozean durcheinandergebracht wird.
  • Wie lassen sich langfristige Werte schaffen? Der Schwerpunkt lag auf klaren Strategien und deren Umsetzung sowie auf Disziplin bei der Kapitalallokation. Ein weiterer Hauptschwerpunkt lag auf der Personalentwicklung, die die kontinuierliche Ermittlung und Unterstützung der besten Talente sicherstellen soll. Es gilt also einmal mehr, starke Küken großzuziehen und ihnen zu helfen, effektive Flugpläne zu entwickeln.
  • Welche Hebel stehen Investoren zur Verfügung? Der Schwerpunkt der Diskussion lag hierbei auf der Bedeutung starker persönlicher Beziehungen und nicht-finanzieller Parameter. Es herrschte Einigkeit darüber, dass Investoren über gute Branchenkenntnisse verfügen müssen, um effektiv arbeiten zu können. Das bedeutet schlichtweg, dass Wanderalbatrosse, Schneegänse, Rotkehlchen und Narinatrogone alle ziemlich unterschiedliche Arten mit unterschiedlichen Strategien bei der Futtersuche sind.

In einer weiteren Sitzung ging es um die erfolgreiche Langlebigkeit und Bedeutung von integrierten Pensionsfonds, der Gesundheitsvorsorge und von gesunden Immobiliengemeinschaften, um einer alternden Bevölkerung gerecht zu werden. Dies ist schwer in die Vogelwelt zu übertragen, aber grob geht es darum, wie ältere Schreikraniche von der Kranichgemeinschaft in dem Bewusstsein versorgt werden, dass sie beim Vogelzug über wertvolle Erfahrung verfügen, jedoch bei der Nahrungssuche auf die Unterstützung der Familie angewiesen sind (ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so funktioniert, ich möchte Sie nicht irreführen).

Zum Schluss besuchte ich eine Sitzung, in der US-Außenminister John Kerry über die verschiedenen Krisenherde im Nahen Osten sprach, insbesondere in Israel und Palästina, und wie hart die USA daran arbeiteten, zu einer Lösung der Probleme beizutragen. Er sprach wortgewandt und eindringlich darüber, wie wichtig es für jeden im Nahen Osten und in der Welt sei, diese Probleme zu lösen. Ein engagierter Weißkopfseeadler, der sehr deutlich „singt“ (sie haben tatsächlich einen witzigen Ruf).