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Robert Shiller, David Cameron und noch mehr über China

2014 dürfte das BIP-Wachstum in China bei 7,5 % liegen (vor ein paar Jahren lag es bei 10,0 %). Sicher haben China und Indien vieles gemeinsam.

28. Januar 2014

Für mich war der letzte Tag auf dem Weltwirtschaftsforum ein Tornado aus geschäftlichen Treffen, Pressegesprächen und ein paar sehr interessanten Sitzungen. Besonders gut gefallen hat mir „Eine Entdeckungsreise“ mit Robert Shilller, Nobelpreisträger und Universitätsprofessor in Yale. Die in der Sitzung gestreiften Themen reichten von der wegweisenden empirischen Analyse von Vermögenswerten bis hin zu tiefen Einblicken in Risiken, Blasen und andere Aspekte des Finanzwesens in der Gesellschaft. Zudem scheint es, als habe Bitcoin nicht viele Anhänger gefunden.

Ich wusste, warum ich Shiller gut zuhören wollte, denn er hatte einst vorhergesagt, dass die Märkte 2007 einbrechen würden. Sein Buch wurde im März 2007 veröffentlicht – und tatsächlich brachen die Märkte im September 2007 ein. Das gesamte BRICS-Debakel nannte er einen „unbefriedigten Optimismus“, gestand jedoch zu, dass die BRICS-Staaten weiterhin starke Volkswirtschaften sind. Im Fall von Indien wollen ausländische Investoren statt bloßer Absichten, wie bisher, auch Taten sehen.

Die Sitzung zu Israel erbrachte ein paar interessante Punkte. Am deutlichsten zeigte sich, dass in einer gut geführten Volkswirtschaft Privatunternehmen gesunde Nahrung erhalten, Regierungen auf Diät leben und Wachstumshindernisse entfernt werden – wodurch das BIP steil ansteigt.

Ich habe nicht allzu lange darüber meditiert, wo Indien in Bezug auf einen solchen progressiven Ansatz steht; es weckt bei mir Unbehagen.

Aus David Camerons Sitzung ging ich mit der Ansicht, dass im Vereinigten Königreich zukünftig mehr hochwertige Arbeitsplätze entstehen werden; Arbeitsplätze, die aus Richtung Osten kommen – nicht auf dessen Kosten, sondern als Ergebnis von Wachstums im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor. Dies dürfte zu höheren Einkommen und einer höheren Wertschöpfung für die Wirtschaft führen.

Zu guter Letzt nahm ich noch an der Sitzung zu China teil, die großen Zulauf hatte und ein paar interessante Erkenntnisse brachte. 2014 dürfte das BIP-Wachstum in China bei 7,5 % liegen (vor ein paar Jahren lag es bei 10,0 %). Sicher haben China und Indien vieles gemeinsam. Doch China hat seine eigene Anti-Korruptions-Bewegung, die an Dynamik gewinnt. Interessanterweise bestand die Ansicht, dass diese Bewegung etwa im nächsten Jahr zu einer Phase geringen Wachstums führen könnte. Aufgrund der Anti-Korruptions-Mentalität wurde für Luxusprodukte und -dienstleistungen in China deutlich weniger Geld ausgegeben.

Das Wichtigste, was ich aus dieser Sitzung mitgenommen habe war jedoch die „Sandwich-Theorie“. Die Regierung und der Premierminister als obere Lage sowie die chinesischen Massen als untere Lage des Sandwichs haben die Nase voll von der bürokratischen mittleren Lage (das Führungspersonal staatseigener Betrieber) und versuchen, diese hinauszudrängen, um ein effizienteres Management zu schaffen. Ich fand es äußerst interessant, dass die chinesische Regierung versucht, professionelle Führungskräfte dazu zu bewegen, staatliche Betriebe zu leiten. Es liegt auf der Hand, dass professionelle CEOs effizienter sind als lediglich nominierte Funktionäre.

Munter wurde ich, als der Immobiliensektor erwähnt wurde. Der Bereich der Wohnimmobilien in China hat sich scheinbar deutlich verbessert, doch die Preise – die sinken müssen – werden nicht mit dem BIP-Wachstum Schritt halten. Sie sollen in den nächsten drei bis fünf Jahren voraussichtlich sogar stabil bleiben. Ich kam nicht umhin, bestimmte Parallelen zu Indien zu ziehen.