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Wo Innovation stattfindet, da boomt auch der Immobilienmarkt

Innovationsfähigkeit ist ein kritischer volkswirtschaftlicher Faktor, der sich selbst auf lokaler Ebene als Wirtschaftsmotor auswirkt. Das strahlt in die Immobilienwirtschaft aus, wie unsere Studie Innovation Geographies zeigt. 

06. Juni 2019

Und zwar ganz gewaltig: In den vergangenen zehn Jahren ließen sich 37 Prozent des internationalen Transaktionsvolumens bei den neun globalen Innovationschampions der Städte verorten.

Um es schon gleich vorweg zu nehmen, einen Überraschungssieger gab es im weltweiten Ranking wirklich nicht. Als Innovationsstandort Nummer 1 platzierte sich das US-amerikanische San Francisco, das mit seiner Bay Area das Silicon Valley beheimatet. Entsprechend hat es auch das angrenzende San Jose in die Top Ten geschafft.

Den zweiten Rang sichert sich Tokio, das sich vor allem bei den Patentanmeldungen hervortut – und zwar an einsamer Spitze. In den Jahren 2015 bis 2017 lag die Zahl der Patente 80 Prozent über dem Wert des hier zweitplatzierten chinesischen Tech-Standorts Shenzen. Verglichen mit den anderen Global Leadern mangelt es dort nur in Sachen Startup-Kultur. Nur ein einziges Einhorn – also ein Startup mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar - lässt sich in der japanischen Metropole ausmachen. Die höchstgewertete europäische Stadt im JLL-Ranking ist London, das seine Position vor allem seinen Universitäten von Weltrang verdankt. Entsprechend führt die Stadt in der Kategorie Talents auch die Weltrangliste an. Paris findet sich ebenfalls wieder in den Top Ten der Innovativen, die abseits davon durch US-amerikanische und asiatische Standorte dominiert wird.

München ist Deutschlands Innovationsspitzenreiter

In Deutschland hat sich München den besten Rang gesichert. Im globalen Vergleich platziert sich die Stadt an der Isar mit einem höchst respektablen Ergebnis auf Position 13. Das liegt nicht zuletzt daran, dass zahlreiche Global Player mit Technologiefokus, etwa Siemens und IBM, sowie zahlreiche DAX-Konzerne und deren Zulieferer über einen Standort im Raum München verfügen. „Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen dieser Zugpferde sorgen für die Konzentration von technischem Knowhow und eine hohe Zahl von Patentanmeldungen“, erklärt JLL-Standortleiter Gunnar Gombert die Innovationsstärke der Stadt. In ganz Europa werden ausschließlich in Paris mehr Patente angemeldet. „Aber auch die Startup-Szene in München ist durchaus respektabel“, findet Gombert, „Berlin hat hier sicher das größte Biotop vorzuweisen, aber an der Isar sind die entsprechenden Firmen besonders erfolgreich.“ Dafür sprechen auch die Finanzkennzahlen. Obwohl man bei der Zahl der Startups deutlich hinter der Hauptstadt zurückliegt, sammelte die Münchner Szene mit 5,8 Mrd. Euro in den zurückliegenden drei Jahren fast ebenso viel Wagniskapital ein.

Innovationsorientierte Städte sind widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Schocks.

Timo Tschammler, CEO, Germany JLL

Berlin punktet bei den Talenten

Dennoch, wenn es um das Thema Startups geht, ist Berlin natürlich in aller Munde. Die Zahl der Unternehmensgründungen ist dort höher als anderswo in Europa, das Wagniskapital erreichte im betrachteten Zeitraum 5,9 Mrd. Euro. Gegenüber München hat die Hauptstadt die Nase vorn in der Kategorie Talente. Das geht Hand in Hand mit der hohen Startup-Dichte und natürlich der Tatsache, dass Berlin gerade bei der jüngeren Bevölkerung angesagt ist. „Die Hauptstadt übt eine große Anziehungskraft auf junge Talente aus. Und das hat nicht nur mit den im Vergleich der internationalen Metropolen immer noch günstigen Lebenshaltungskosten zu tun“, beschreibt der Berliner JLL-Standortleiter Rüdiger Thräne die Situation an der Spree. „Die Aufbruchsstimmung nach dem Mauerfall und das parallele Wachsen der Szeneviertel prägt auch heute noch die kulturelle Identität der Stadt. Gleichzeitig bietet die hervorragende Hochschul- und Forschungslandschaft beste Ausbildungschancen.“

Höhere Platzierungen bei Innovationsfähigkeit bzw. Talentdichte erreichten unter den deutschen Ballungsräumen außerdem Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf und Köln.

Innovationszentren sind krisenfester

Hot Spots für Innovation sind für die Immobilienwirtschaft aus dem ganz banalen Grund relevant, weil dort in aller Regel auch die Wirtschaft stark ist. Gutes Personal und vorhandenes Knowhow bringen Unternehmen in die Städte und damit Arbeitsplätze, attraktive Jobs ziehen wiederum neue Bevölkerung an. Firmen brauchen Geschäftsräume, Menschen Wohnungen und wer in einer Stadt lebt, der wiederum kauft dort auch ein, was die Assetklasse Retail beflügelt. Und da auch ortsnah produziert oder zumindest gelagert werden muss, strahlt das letztlich auf Logistikimmobilien ab. Dieser Effekt zeigt sich nicht nur in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs. „Unsere Untersuchung zeigt, dass innovationsorientierte Städte widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Schocks sind“, erklärt JLL Deutschland CEO Timo Tschammler die Ergebnisse der Studie, „während des vergangenen Abschwungs sanken die Kapitalwerte der Immobilien in den topplatzierten Städten im Schnitt deutlich weniger.“ Entsprechend gehört der Blick auf die Innovationsfähigkeit eines Standorts mittlerweile explizit zur Anlagestrategie vieler Investoren.

Unser Report: Innovation Geographies

JLL hat weltweit 109 Städte auf ihre Innovationsfähigkeit und die Stärke ihrer Talent-Pools analysiert. Die Innovationskraft wurde gemessen anhand ausländischer Direktinvestitionen in die Hightech-Industrie, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, der Zahl der erteilten Patente und der Venture-Capital-Aktivität. Die Stärke des Talent-Pools Stadt bewertete JLL anhand ihrer demografischen Entwicklung, der Qualität der Hochschuleinrichtungen, des Anteils der Menschen mit einem Bachelor-Abschluss und des Anteils der Beschäftigten in Hightech-Branchen.



Gunnar Gombert
Regional Manager München
Rüdiger Thräne
Regional Manager Berlin
Timo Tschammler
CEO Germany