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Auch Goethe hätte seine Freude an diesem urbanen Frankfurt: Zeiten des Wandels – Wohnraum im Wandel

Ich war schon immer der Meinung, dass der Mensch nur mit sich und seinem Umfeld zufrieden sein kann, wenn er dort lebt und arbeitet, wo es ihm am besten gefällt. Zum Beispiel in einer Stadt. Die Stadt als Heimat. Um den Begriff „Heimat“ rankt sich nicht von ungefähr auch so etwas wie Schicksal. Aber nicht nur Menschen, nein, auch Gebäude habe ihre Schicksale… wahrscheinlich hätten sie uns einiges zu erzählen.

     

     

Städte, Viertel, Straßen und Strukturen ändern sich: unser Umfeld ist im Wandel. Und wir wandeln uns mit. Was würde Goethe zum Beispiel zu Mainhattan im 21. Jahrhundert sagen? Würde er sich zurechtfinden? Nicht nur als Flaneur im und um den Hirschgraben. Sondern als Besitzer einer Immobilie. Niedrige Bauzinsen und eine hohe Nachfrage nach Wohnraum halten den Immobilienboom in Deutschland am Laufen. Auch in Frankfurt ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum noch lange nicht gestillt.

An manchen Tagen scheint ganz Frankfurt eine einzige Baustelle zu sein. Gebäude werden abgerissen, Straßen gesperrt, damit etwas Neues entsteht. Für die einen ist es Lärmbelästigung, die anderen ärgern sich über die Verkehrsbehinderungen – Ich zähle mich zu letzteren, aber ich bin auch einer der Menschen, die stehen bleiben und einfach staunen.

Die wohl größten Baustellen der Stadt befinden sich zurzeit im Europaviertel – ein Areal, das zu den größten innerstädtischen Konversionsprojekten in Deutschland gehört. Bis 2019 sollen dort rund 15.000 Menschen wohnen, fast die Hälfte der Frankfurter Bevölkerung zu Goethes Zeit also. Und genau hier, im Europaviertel lässt sich ein Wandel bzw. ein Trend besonders gut erkennen – das vertikale Wohnen. Oder wie es in den Hochglanzbroschüren und auf den Bauschildern steht: „Wohnen im Wohnturm, hoch über Frankfurt“.

Große Kräne heben die Lasten von hier nach dort, die zahlreichen Bauarbeiter wirken in der Mega-Baustelle wie kleine Spielzeugfiguren. Mit ein wenig Fantasie lässt sich bereits erahnen, wo einmal das Praedium, das Axis, der Porsche Design Tower, der Tower 2 (mit 160 m und 47 Etagen wird er der größte in Deutschland sein) zu finden sein werden. In Frankfurt stehen so viele Wohntürme, bzw. werden teilweise noch gebaut oder sind in Planung, wie in ganz Deutschland zusammen.

Aber können wir hier von einem neuen Architekturtrend sprechen? Zumindest in der Vergangenheit wurden Wohnhochhäuser eher mit dem sozialen Wohnungsbau assoziiert – etwa dem der 60er und 70er Jahre. Anonyme, des öfteren schmutzige Hochhaussiedlungen mit dem Hang zur Ghettoisierung. Doch langsam aber sicher ändert sich diese Meinung.

Denn die genannten Beispiele sind nur wenige von vielen für einen wiederbelebten Architekturtrend in Deutschland, der für andere Länder und Städte wie z.B. New York, Singapur oder Rio de Janeiro nicht ungewöhnlich ist. Für mich ist das Comeback des Wohnturms eine Folge der Urbanisierung, geschuldet dem Mangel an innerstädtischen Baufeldern und der großen Nachfrage nach Wohnraum. Wohntürme sind die architektonische Antwort auf eine anhaltende Landflucht. Der Trend zu „innerstädtischem, zentralem Wohnen“ gilt als immer attraktivere Lebensform.

Auf Grund ihrer Bebauungsdichte schaffen Wohntürme auf einem verhältnismäßigen kleinen Areal viel Wohnraum, der dringend benötigt wird. Aber bitte nicht mit der Massenware der 60er und 70er Jahre vergleichen. Die Bauherren achten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohner, entwickeln die unterschiedlichsten Konzepte und gestalten vielfältige Wohnungstypen und Wohnungsgrundrisse. Ein Produkt für DINKs, Familien, Best Ager und Singles. Sie sind eine gelungene Symbiose von internationalem Großstadt-Flair, gepaart mit Individualität und Modernität.

Sie werden meinem Frankfurt ein neues Gesicht geben, mit der Skyline verschmelzen und den Bewohnern der Stadt ein moderneres Lebensgefühl verschaffen – es wird mir gefallen und ich werde mich weiterhin wohlfühlen. Auch Goethe hätte seine Freude an diesem urbanen Frankfurt.