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Big Data und Nachhaltigkeit - so sieht der Supermarkt der Zukunft aus

Von vertikaler Landwirtschaft bis hin zu bewegungssensitiven Displays – die Supermärkte in Europa setzen verstärkt neue Technologien ein, die sich vor allem an umweltbewusste und nachhaltige Konsumenten richten.

Der italienische Supermarktgigant COOP hat jüngst einen Concept Store eröffnet, in dem neben Butter, Fleisch und Käse auch „bewegungssensitive“ Bildschirme in der Frischeabteilung stehen. Wer hier einkauft, kann auf jeden beliebigen Artikel zeigen und erfährt dann virtuell mehr über dessen Ursprung, Frische oder Inhaltsstoffe. Daneben zeigen Touchscreen-Säulen in den Gängen weitere Details, sobald man das Produkt aus dem Regal nimmt: Wie wird es ausgepackt? Wie gelagert? Oder welche Allergene sind enthalten? Details, die man so nicht auf jeder Verpackung findet.

„Vergleichbare digitale Konzepte sind in Deutschlands Supermärkten so bisher noch nicht angekommen – der Trend zur Nachhaltigkeit, und damit das Verlangen nach mehr Informationen zur Herkunft der Ware, dagegen schon. Genauso wie die Strategie Einkaufen als Erlebnis zu inszenieren, wie es Real unlängst mit seinem neuen Marktplatz-Konzept in Krefeld gezeigt hat.“

Sandra Ludwig , Head of Retail Investment JLL Germany

„Den einfachen Zugang zu einer großen Menge an Informationen anzubieten, ist ein Weg die Effizienz zu steigern, besonders für Konsumenten, die zunehmend an immer mehr Einzelheiten zum Ursprung der Ware interessiert sind. Aber auch die Einzelhändler selbst können so schneller und einfacher genau diesen Bedarf stillen“, sagt Monika Cannalire, National Director, Retail Agency, JLL Italy.

Marco Pedroni, Präsident des Coop-Genossenschaftsdachverbandes, betont, dass der Concept Store vor allem zum Experimentieren mit den neuen Technologien und quasi als Praxistext für andere Ladengeschäfte diene. Vorstellbar sei auch eine Smartphone App, die den speziellen Kunden beim Betreten des Ladens erkennt und ihm entsprechend zugeschnittene Rabatte anbieten kann.

Mehr Kapazität, mehr Platz, mehr Miete

„Enormer Verbrauch an Nutzfläche, hohe Instandhaltungs- und Energiekosten und vor allem Wartezeiten zu Stoßzeiten – das sind die aktuell größten Herausforderungen, die unsere herkömmlichen Aufzugsanlagen für Nutzer wie für Investoren, Entwickler und Gebäudebetreiber mit sich bringen“, sagt Martin Hofmann, Head of Project & Development Services JLL Germany. „Eine Weiterentwicklung oder Innovation ist daher dringend von Nöten.“

Und die scheint ThyssenKrupps MULTI auch im Hinblick auf die oben genannten Probleme zu bringen. Mehrere Aufzüge in einem Schacht reduzieren die Wartezeiten vor allem in Gebäuden mit zweistöckiger Stockwerkzahl um ein Vielfaches – insgesamt soll alle 15 bis 30 Sekunden der Zugang möglich sein. Außerdem lässt sich so mehr Fläche im Gebäude für die tatsächliche Büro- oder Wohnnutzung einplanen. „Hier zeigt sich das Innovative“, sagt Martin Hofmann. „Der Platzbedarf für den Aufzug wird um 50 Prozent verringert, die Förderleistung aber gleichzeitig um mindestens denselben Wert erhöht.“ Energie- und Wartungskosten können zudem über ein digital gesteuertes System reguliert und reduziert werden.

„Für Investoren bedeutet das im Vorfeld zwar etwas höhere Entwicklungskosten – vor allem in der Anfangszeit, wenn die neue Technik noch kostspieliger ist“, so Hofmann. „Aber die zusätzlichen Quadratmeter an Nutzfläche bringen mehr vermietbaren Raum, sei es für Büros oder für Wohnungen, und damit auch mehr Mieteinnahmen – langfristig. Hinzu kommt, dass gerade deutsche Büronutzer gerne horizontal auf einer Ebene arbeiten. MULTI könnte hier längere Wege kompensieren.“

     

     

Konsumenten wollen wissen, wo die Produkte im Regal herkommen

65 Prozent der Lebensmittel, die in dem 100 Quadratmeter großen Laden in Mailand verkauft werden, wurden kontrolliert produziert, jeder einzelne Schritt von COOP Italy überwacht und zertifiziert. Die restlichen Waren stammen aus der Hand ausgewählter Marken. „Das Unternehmen trägt die Verantwortung dafür, die richtigen Informationen zu kommunizieren“, so Cannalire.

Wo kommen meine Lebensmittel her? Wurde nach ethischen Richtlinien produziert? Das Interesse der Konsumenten an solchen Fragen und Antworten steigt in ganz Europa spürbar an. Laut der „Nielsen Global Health and Ingredient Sentiment Survey“ sorgen sich 66 Prozent der europäischen Befragten über die Langzeitwirkung künstlicher Inhaltsstoffe. 71 Prozent wollten wissen, was genau sich in ihrem Essen befindet. Die Hälfte aller Befragten mit speziellen Ernährungsgewohnheiten gab an, dass die Supermärkte momentan nicht ihre Bedürfnisse erfüllen.

„Verbraucher entwickeln ein immer stärkeres Verständnis dafür, ob das, was sie essen, gesund und nachhaltig produziert wurde” sagt Cannalire. „Wenn es um die eigene Nahrung oder die seiner Kinder geht, sind solche Zusatzinformationen eine Notwendigkeit.“ Und genau das bietet der COOP Concept Store. Gleichzeitig ist COOP in der Lage, wertvolle Daten über das Einkaufsverhalten seiner Konsumenten zu sammeln.

 

„Berlin ist Innovation Hub und bekannt für seine jungen Familien, die insbesondere auf Nachhaltigkeit setzen. Neue Supermarkt-Konzepte finden also vor allem hier Akzeptanz durch die Verbraucher.“

„Generell lassen sich für diese Art von Konzepten jegliche Arten von Supermarktflächen nutzen, die in Lagen mit guter Frequenz bzw. in Wohngebieten angesiedelt sind. Wichtig sind modernes Layout und ein heller, frischer Ausbau der Ladenfläche.“

Sandra Ludwig
Deutschland als Schlüsselmarkt für nachhaltige Lebensmittelgeschäfte

Deutschland gilt als Schlüsselmarkt für nachhaltige und ethische Lebensmittelgeschäfte. In Berlin hat die Metro Gruppe als Pilotprojekt einen Supermarkt mit eigener “vertikaler Landwirtschaft“ gestartet. Kräuter, Spinat, Salat – all das wächst direkt vor Ort in modularen Boxen, erdfrei bewässert und mit das Sonnenlicht nachahmenden LED Lampen beleuchtet. Sobald reif, können diese vor Ort vom Konsumenten selbst gepflückt werden. Der Transport fällt weg – Pflanzen brauchen nicht mehr verfrüht geerntet werden, was ökologisch eher bedenklich ist. Man kauft Gemüse, so frisch es nur geht.

Berlin ist auch das Zuhause eines der ersten Zero-Waste Supermarktes „Original Unverpackt“. Produkte wie Früchte und Müsli können aus Großverpackungen entnommen und in die eigenen, mitgebrachten, wiederverwertbaren Behältnisse gepackt werden. Man muss weniger tragen, kauft nur das, was man tatsächlich braucht und muss nicht zu viel Gekauftes wegwerfen, wenn es schlecht wird. Die Folge: Eine spürbare Reduzierung von Verpackungsmüll. Selbst Shampoo und Milch können aus wieder befüllbaren Behältnissen entnommen werden.

Der Trend zum bewussteren Einkaufen und Ernähren bringt immer neue naturbewusste Einzelhandelsmarken wie Veganz, einem E-Tailer für veganes Essen. Die Läden bieten zudem vegane Kochkurse, um den Konsumenten einen Einstieg in ein pflanzenbasiertes Leben zu erleichtern.

 

    

„So weit wie bspw. in Asien, wo der digitale Supermarkt als virtueller Raum im Straßenbild bereits existiert, sind wir in Deutschland noch nicht. Digitale Screens werden sicher kommen, sind aber aktuell für Investoren noch nicht wirklich relevant in der Wahl ihrer Investments. Dennoch sollten Auslands-Trends in Hinblick auf die eigene Zukunftsfähigkeit aufmerksam verfolgt und langfristig in strategische Überlegungen mit einbezogen werden.“

Sandra Ludwig
Innovation braucht Investition

Eine neue Marktnische ist entstanden. Einmal bedingt durch die allgemein gestiegene Kaufkraft der Konsumenten und den Trend zum bewussteren Nahrungsmittelkonsum. Zum anderen entwickeln sich auch die Einzelhandelstechnologien wie der Self-Checkout oder das In-Store-Wi-Fi weiter. Entsprechend verändern sich auch die Kundenerwartungen an das Einkaufserlebnis.

„Wir als Konsumenten entscheiden mit – wir können etwas kaufen oder nicht kaufen, um die Absatzzahlen und damit auch die Zukunft eines gewissen Konzeptes zu beeinflussen,” sagt Cannalire. “Aber auch Investoren müssen den richtigen Zeitpunkt erkennen und nutzen und entsprechende Flächen oder finanzielle Unterstützung anbieten – beides notwendig, um neue Konzepte zum Laufen zu bringen.“

AXA Investment Managers, der Vermieter des Mailändischen COOPs, setzt auf das Zukunftspotenzial der neuen Konzepte. Zukünftig, glaubt Cannalire, werden immer mehr Supermärkte interaktive Technologien nutzen, um den Wünschen eines wachsenden – kaufkräftigen – Teils der Bevölkerung, der Nachhaltigkeit genauso wie effiziente Formen des Einkaufens verlangt, gerecht zu werden.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf dem JLL Blog RealViews veröffentlicht.