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Das Gefühl, gebraucht zu werden

Gute qualifizierte Flüchtlinge können eine eklatante Fachkräftelücke in Deutschland schließen. Das hoffen auch Vertreter des stabil prosperierenden Wirtschaftssystems.

07. September 2015

Be like a panda. He’s black, he’s white, he’s asian and he’s chubby

Stell Dir vor…

…Du bist Akademiker. Du verfügst über Deine eigenen vier Wände, vielleicht sogar mit einem schön angelegten Garten vor oder hinter der Haustür. Du hast einen Job. Du hast einen Fernseher. Der prall gefüllte Kühlschrank ist Deiner. Du freust Dich jeden Abend auf Dein Bett. Deine Familie ist glücklich. Dein Freundeskreis ist groß.

Von heute auf morgen ändert sich alles!

Es herrscht nämlich Krieg. Deine Stadt liegt in Trümmern. Dein Haus ist zerstört. Deine Freunde sind tot. Humanitäre Not, wohin Du schaust. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen. Deine Frau und Deine Kinder haben Todesangst. Du wirst verfolgt. Panik überwältigt Dich. Es droht Gewalt. Du bist traumatisiert. Dich frisst der Gedanke auf, dass Du jederzeit das Letzte verlieren kannst, was Du hast – DEIN LEBEN!

Was würdest Du tun?

Du würdest fliehen. Jeder würde fliehen. Auch unter höchster Lebensgefahr!

Ist die Flucht verbunden mit einem „Lebensstillstand“? NEIN! Denn es lebt die Hoffnung, sich in der neuen Heimat eine neue Existenz aufbauen, sich integrieren zu können – durch Moral, Demut und absoluten Lernwillen: ein neues Leben in einer neuen Welt.

Ist diese Hoffnung berechtigt? In Deutschland: ja. Deutschland pflegt eine Hoffnungskultur. Nicht zuletzt dank eines stabil prosperierenden Wirtschaftssystems. Denn dessen Vertreter haben große Hoffnungen, dass gut qualifizierte Flüchtlinge eine eklatante Fachkräftelücke schließen können. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Eine größtmögliche Hoffnung der Gegenseitigkeit in einem schier unendlichen Flüchtlingselend. Denn das Gefühl, gebraucht zu werden, ist für jeden Menschen überlebenswichtig.

Dabei geht es auch um Wirtschaftlichkeit und Nutzen. Ja, gewiss. Vor allem jedoch um Menschlichkeit und Nächstenliebe. Denn die schaffen die Voraussetzung für alles andere.

Viele fühlen sich vermutlich schon vom eigenen Leben überfordert und haben Angst, sich auch noch mit dem Schicksal anderer Menschen auseinander setzen zu müssen. Aus eigener Erfahrung kann ich Euch berichten, dass es sich lohnt, beispielsweise eine Patenschaft zu übernehmen. Die Dankbarkeit und Freude, die Euch von Flüchtlingen entgegengebracht wird, ist ein beglückendes Gefühl. Zuversicht und Hoffnung kann man nämlich schon ganz einfach durch Begegnungen auf Augenhöhe schenken – auch ein Lächeln, ein freundlicher Gruß, ein offenes Ohr oder eine Umarmung können helfen.

Macht Euch bewusst: jeder von uns kann Flüchtling werden!