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Ein Erfolgsrezept? Wie sich Einzelhändler durch die Gastronomie inspirieren lassen

Gastronomie wird zur Anlaufstelle im Einzelhandel: Heutzutage ermutigen Einzelhändler ihre Kunden geradezu, beim Shoppen zu „konsumieren“.

17. August 2015

Von Martini-Bars in Mailand bis hin zum Verkauf von Conchiglie bei Carluccio’s: Lernen Sie Einzelhändler kennen, die von einer Kombination aus Shopping, Essen und Trinken profitieren.

Wer früher, zum Beispiel in den 90er Jahren oder sogar noch im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends, einen Laden betrat, dabei eine Dose Cola trank oder einen Mars-Riegel aß, wurde von einem Mitarbeiter angesprochen und aufgefordert, den Laden zu verlassen oder die Lebensmittel vor Betreten des Ladens zu verzehren. Der Handel befürchtete eine Beschädigung oder Verunreinigung des eigenen Warenangebots oder das Zurücklassen von Abfall.

Ein Jahrzehnt später ermutigen Einzelhändler ihre Kunden geradezu, beim Shoppen zu „konsumieren“. Das geht so weit, dass immer mehr Einzelhändler den gastronomischen Konsum in ihr Geschäftsmodell integrieren und in ihrem Laden eine Auswahl an Speisen und Getränken anbieten.

Dies kann auf zwei Wegen erfolgen: entweder durch eine Partnerschaft zwischen einem Einzelhändler und einem Anbieter von Speisen und Getränken, oder alternativ durch einen eigenen Gastronomieservice des Einzelhändlers, wodurch dieser dem Konzept seinen Stempel aufdrücken und die Markenidentität bewahren kann. Letzteres Konzept nutzen Einzelhändler immer häufiger, da es ihnen einen größeren Gestaltungsspielraum bietet.

Gastronomie wird zur Anlaufstelle im Einzelhandel

Abgesehen von Kaufhäusern, die oft Speisen und Getränke in den oberen Etagen anbieten, nutzen Einzelhändler mittlerweile ihren Gastronomiebereich als zentrale Anlaufstelle des Ladens.

So beispielsweise der erfolgreiche Highend-Radsporthändler Rapha: Dessen Geschäfte in London, New York und Sydney bieten genau in der Mitte des Ladens Kaffee und Gebäck an, um Atmosphäre zu schaffen. Besonders wahrnehmbar war dies im vergangenen Jahr während der Tour de France, als TV-Bildschirme aufgestellt und ein Morgenkaffee angeboten wurde – der Umsatz stieg während dieser zwei Wochen enorm an.

Wie Einzelhändler vom Fokus auf die Gastronomie profitieren

Es gibt drei Hauptgründe, warum Einzelhändler diese Strategie verfolgen:

  • Sie erhöht die Verweildauer, was wiederum das Verkaufsvolumen steigern kann
  • Sie bietet ein Erlebnis, das Einzelhändler in ihren Geschäften kontinuierlich anstreben und das JLL im Forschungsprojekt Redefining Retail Places untersucht hat
  • Sie bietet ihnen die Gelegenheit, sich von anderen Marktteilnehmern abzusetzen

Einzelhändler lassen sich von Restaurantbetreibern inspirieren

Nicht überraschend sind die Italiener Marktführer in der Bereitstellung erfolgreicher Einzelhandels/Gastronomie-Umgebungen beim Shoppen. Handel genauso wie Essen und Trinken liegen ihnen „im Blut“. Man braucht nur die Martini-Bar im D&G-Store in Mailand zu besuchen oder das berühmte 10 Corso Como, um zu verstehen, wie der Einzelhändler von einem Bar- oder Restaurant-Konzept in seinen Räumen profitiert.

Seit Jahren verfolgen Restaurants das gleiche Geschäftsmodell – lange vor den Einzelhändlern. Der einzige Unterschied liegt darin, dass ihr Schwerpunkt eben auf der Gastronomie und nicht auf dem Einzelhandel liegt. Der Verkauf von Kochzutaten in Restaurants wird von unabhängigen Betreibern auf der ganzen Welt verfolgt, sei es Kowloon in Hong Kong oder Battersea in London. Die Kombination aus Restaurant und Laden verleiht den Geschäftsräumen eine besondere Note, sofern die Ausstattung angemessen ist. Carluccio’s ist ein Beispiel für eine internationale Kette, die Restaurant und Ladengeschäft in einem Konzept vereint. Sie expandiert erfolgreich in Märkte wie den Nahen Osten und die Türkei, wo das Konzept gut angenommen wird.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Gastronomie erfolgreich in eine Einzelhandelsumgebung eingebettet werden kann, ist der neue Replay-Flagshipstore in Mailand. Dieser vereint 650 m² Ladengeschäft, 100 m² Café und 900 m² Restaurant/Bar. Das gesamte Konzept wird von Replay gemanagt und betrieben. Die Architektur ist spektakulär, und die Begeisterung im Laden und im Restaurant ansteckend. Einen Besuch bei Ihrem nächsten Mailand-Aufenthalt sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Sie werden nicht enttäuscht sein!

Auch nicht vergessen sollten wir die fantastische Marke Eataly, die sich als „Lebensmittelkaufhaus“ positioniert und sich in kurzer Zeit auf der ganzen Welt einen Namen gemacht hat. Eataly hat in den vergangenen Jahren Verkaufsstellen in Chicago, New York und Istanbul eröffnet – und entsprechend gewürdigt im letzten europäischen Retail Report von JLL. Darüber hinaus haben wir im Report Destination Europe 2015 einen speziellen Analyseteil hinzugefügt, in dem der wachsende und immer wichtiger werdende Markt für Lebensmittel und Getränke untersucht wird. Besuchen Sie doch einfach mal die Webseite Destination Europe für weitere Informationen.

Egal, ob Einzelhändler ein verlockendes Gastronomieangebot bieten oder Restaurants Produkte verkaufen: Einzelhändler und Betreiber von Freizeiteinrichtungen auf der ganzen Welt beginnen, die enge Verbindung zwischen Shopping einerseits und Essen und Trinken andererseits Erfolg versprechend zu nutzen.