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Frankfurt, München, Düsseldorf: Wo lebt es sich am besten?

Im Mercer-Ranking der lebenswerten Städte platzierten sich 2019 München, Düsseldorf und Frankfurt a.M. Die JLL-Standortleiter erklären den Reiz ihrer Stadt.

Mai 02, 2019

München ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands und liegt weltweit auf Platz 3, sagt die Mercer-Studie Worldwide Quality of Living Survey 2019. Das US-amerikanische Beratungshaus befragt jährlich Expats, also ins Ausland entsendete Mitarbeiter international tätiger Unternehmen, zur Lebensqualität an den jeweiligen Standorten. Nicht nur München schnitt dabei (wiederholt) gut ab, auch andere Städte haben es wieder in die globalen Top Ten geschafft: Düsseldorf auf Rang 6, Frankfurt am Main direkt dahinter auf Rang 7. Die besten Expat-Städte sind laut Mercer Wien gefolgt von Zürich, Vancouver teilt sich mit München den dritten Platz.

Was bei der Mercer-Studie allerdings zu bedenken ist: Sie fragt die Lebensqualität aus der Sicht einer sehr speziellen Gruppierung ab. Dabei werden auch Kategorien bewertet, die für „normale“ Bewohner der Städte eher Nebensache sind, etwa das Angebot internationaler Schulen. Oder die wir als selbstverständlich nehmen im Wettbewerb der europäischen oder zumindest deutschen Standorte, zum Beispiel eine funktionierende grundlegende Infrastruktur und Gesundheitsversorgung. Das soll dem Erfolg der drei top-platzierten Städte aber keinen Abbruch tun. Vielmehr interessiert uns, was sie ganz individuell zu besonderen Lebensorten macht. Dazu befragen wir drei Fachleute, die es aus beruflicher wie persönlicher Erfahrung wissen müssen: Unsere JLL-Standortleiter in München, Düsseldorf und Frankfurt am Main.

Habt Ihr ein paar Argumente für mich, warum ich ausgerechnet in eurer Stadt leben sollte?

Gunnar Gombert (München): Für München spricht die insgesamt hohe Lebensqualität. Die Stadt bietet Sicherheit, die Gemütlichkeit der Biergartenkultur und die Nähe zur Natur, gespickt mit vielen Radwegen. Wirtschaftlich sind wir sehr divers und innovativ aufgestellt. Mit der TU München und der Ludwig-Maximilians-Universität verfügen wir über zwei Elitehochschulen. Und im Kulturbereich punkten wir mit vielen weltweit bekannten Museen. Einzigartig zum „Mia san mia“-Gefühl tragen natürlich auch das Oktoberfest und unser FC Bayern München bei.

Axel Vespermann (Frankfurt a.M.): Frankfurt ist eine der vielfältigsten Städte, das zeigt sich schon an Architektur und Stadtbild: von der Skyline über die Paulskirche, den Römer oder die neu gebaute Altstadt bis hin zu den kleinen Stadtvierteln. Ebenso bunt ist das Freizeit- und Kulturangebot, von Museumsufer bis Alte Oper. Abwechslung hält Frankfurt auch im kulinarischen Angebot parat. Diese Vielfalt überrascht nicht, wenn man weiß, dass Frankfurt Deutschlands internationalste Stadt ist. Das bringt viele inspirierende Einflüsse mit sich. Die Stadt ist ständig in Veränderung, bleibt sich aber in ihren Traditionen treu.

Marcel Abel (Düsseldorf): Düsseldorf ist die Stadt der kurzen Wege: Flughafen, Naherholung, Rhein, alles in relativer Nähe und angebunden mit einer hervorragenden Infrastruktur. Und das über die Stadtgrenzen hinaus. In der Metropolregion Rhein-Ruhr lassen sich zahlreiche Industriedenkmäler erleben, aber man kann ebenso deren „grüne Lunge“ genießen. Schnell ist man auch beim Nachbarn, den Niederlanden. Wirtschaftlich sind wir ein höchst spannender Standort mit einer pulsierenden Kunst- und Kreativwirtschaft, in diese Kategorie fällt bei uns jedes achte Unternehmen.

Angenommen, ich ziehe um in eure Stadt, was sollte ich dort in der ersten Woche unternehmen, um das besondere Flair kennenzulernen?

Gunnar Gombert: Ein guter Start wäre die Innenstadt- und Museumstour, um einen ersten Überblick zu bekommen. Das Kulturangebot ist mehr als reichhaltig, allein unter den Museen, ob Deutsches Museum, Lenbachhaus oder die Pinakotheken. Und Architekturbegeisterte werden ihre Freude haben an Frauenkirche, am Alten Peter, der Theatinerkirche und anderen Sakralbauten. Dann natürlich typisch bayrisch: Weißwurstfrühstück, Biergartenbesuch und Viktualienmarkt. Und im Mai sollte man das Frühlingsfest auf der Theresienwiese und die Lange Nacht der Musik genießen. Für den Ausflug ins Grüne bietet München auch sonst zahlreiche Alternativen direkt vor der Haustür: Englischer Garten, Hirschgarten, das Areal entlang der Isar, der Tierpark Hellabrunn, der Botanische Garten und viele weitere.

Axel Vespermann: Unsere kompakte Stadt sollte man unbedingt zu Fuß erkunden. So lassen sich die unterschiedlichen „Atmosphären“ der verschiedenen Stadtteile und -viertel bestens erleben. Dann empfehle ich die leckeren Märkte wie die Kleinmarkthalle. Und bei gutem Wetter raus für ein Picknick im Palmengarten, im Günthersburgpark oder auf dem Lohrberg - unserem „Hausberg“. Frankfurt ist eine der bedeutendsten Kulturstädte in Deutschland und Europa. Das Städel zum Beispiel ist ein Haus von Weltruf und bietet am Museumsufer mit 14 weiteren Museen Kunstgenuss vom Feinsten. Weitere prominente Häuser sind das Museum MMK für Moderne Kunst, das Englische Theater oder die Städtischen Bühnen. Und es gibt neben Veranstaltungen wie der Luminale, der Nacht der Museen ebenfalls Kunst im öffentlichen Raum. Aber auch die vielen Partys muss man natürlich nicht verschweigen. Und wenn man es einmal etwas ruhiger möchte: In einer Viertelstunde ist man aus der Stadt im Grünen, z.B. im Stadtwald oder an einem Badesee. Außerdem nicht zu vergessen: Unsere „Ebbelwoi“-Wirtschaften sind für uns Hessen natürlich echtes Kulturgut!

Marcel Abel: Aktuell ist es bei uns besonders spannend, denn man kann die Transformation der Innenstadt erleben. Der „Masterplan Kö-Bogen“ sorgt für eine noch höhere Lebensqualität im öffentlichen Raum. Freunde der Baukunst werden bei uns mit den zahlreichen, von internationalen Stararchitekten entworfenen Gebäude fündig, zum Beispiel im Düsseldorfer Hafen. Und dann noch ein Altbier genießen in einer der drei Hausbrauereien. Anschluss findet man dabei leicht, die Düsseldorfer sind offen, herzlich und heißen Neuangekommene gerne willkommen. Und was die Kultur generell angeht, damit ist Düsseldorf bestens aufgestellt: Beuys, Heinrich Heine, Kunstakademie und vieles mehr. Popkultur gehört ebenfalls zu uns, immerhin kommen zum Beispiel Kraftwerk und die Toten Hosen aus der Stadt.

Oft bestimmt der Standort des Arbeitgebers den Wohnort. Welche Karrierechancen bietet eure Stadt?

Gunnar Gombert: München hat hier eine breite Palette zu bieten. Wir haben eine stark diversifizierte Wirtschaft über die unterschiedlichsten Branchen hinweg. Bei uns gibt es die meisten DAX-Konzerne und weitere Global Player ebenso wie einen starken Mittelstand und Startups. Und JLL München möchte ich natürlich auch ins Feld führen, ein vielseitiger Immobilienberater und -dienstleister mit rund 150 tollen Kolleginnen und Kollegen.

Axel Vespermann: Am prominentesten ist in Frankfurt natürlich die Banken- und Finanzbranche, stark vertreten sind außerdem die Beratungsunternehmen. Die Branchenvielfalt ist aber deutlich größer als der Blick auf die Skyline vielleicht vermuten lässt. Von Industrieunternehmen, über Transport- und Logistikfirmen – und das nicht nur am Flughafen - bis hin zur Kreativbranche ist die Mainmetropole sehr diversifiziert.

Marcel Abel: Düsseldorf ist die „Stadt der Hidden Champions“ mit zahlreichen Top Ten-Unternehmen ihrer Branchen: Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Medienunternehmen oder die großen Telekommunikationsanbieter Vodafone und Eplus. Im Radius von 50 Kilometern finden sich 500.000 Unternehmen, darunter Top-Banken und Versicherungen. Die Stadt ist nicht nur Mode- und Beautystandort, sondern unter den Großstädten auch die Nummer eins der Patentanmelder. Und Internationalität gehört natürlich ebenfalls zu uns: Wir sind der größte japanische Wirtschaftsstandort in Kontinentaleuropa und der dynamischste Investitionsstandort für China.

Wien hat es wiederholt an die Spitze des Mercer-Rankings geschafft. Was müsste in den kommenden fünf Jahren in eurer Stadt geschehen, um den Österreichern den Thron streitig zu machen?

Gunnar Gombert: München müsste sich noch stärker als innovative, saubere und effiziente Stadt positionieren. Dazu gehört, den Klimaschutz zu forcieren, mit einer Optimierung der Energie-, Produktions- und Verkehrsströme. Der Mobilitäts- und Automobilsektor sollte unter Digitalisierungsaspekten transformiert werden. Gleichzeitig bleibt der gesellschaftliche Ausgleich zentral: Soziale Spannungen oder gar Spaltungen müssen durch sozialpolitische Maßnahmen und Programme verhindert werden. Münchner sein, das bedeutet Weltbürger sein.

Axel Vespermann: Frankfurt muss seine Stärken besser ausspielen! Die kompakte Stadt mit ihrer relativ kleinen Fläche hat die besten Voraussetzungen, um den Fußgänger- und Fahrradverkehr attraktiver zu machen. Die Bedingungen sind vielfach nicht ideal, es herrscht Konkurrenz zum Autoverkehr. Erste Projekte wurden aber bereits umgesetzt, haben das Stadtbild verschönert und gleichzeitig die Aufenthalts- und Lebensqualität erhöht. Dann sollte man das Prinzip der gemischten Nutzungen in einigen Stadtteilen weiter vorantreiben, Funktionstrennung reduzieren und so eine echte Urbanität entstehen lassen. Stadtentwicklungs- und Verkehrskonzepte werden lange diskutiert, sollten aber endlich auch einmal umgesetzt werden, z.B. die Regionaltangente West. Dann gilt es, Stadt und Region besser zu verknüpfen – und damit meine ich nicht nur auf administrativer Ebene. Ein Thema ist dabei bezahlbarer Wohnraum und Anbindung.

Marcel Abel: Düsseldorf ist hier auf dem besten Weg. Mit dem Projekt Innenstadtentwicklung 2030 und dem Mobilitätskonzept arbeitet die Stadt auf eine verbesserte und wegweisende Infrastruktur für ihre Bürger hin. Düsseldorf kann hier als Metropole der kurzen Wege eine Vorreiterrolle einnehmen. Mit ihrer niedrigen Kriminalitätsrate gilt die Stadt als sehr sicher, das soll natürlich auch so bleiben.

Gunnar, Axel, Marcel, vielen Dank für die interessanten Einblicke in eure Standorte.

Gunnar Gombert
Regional Manager München
Axel Vespermann
Regional Manager Frankfurt
Marcel Abel
Regional Manager Düsseldorf