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Industrial goes Mittelstand: Warum Rhein-Neckar vor allem kleine Gewerbeparks braucht – 3 Fragen an Janne Butterman

Chemie, Kernphysik, High Tech und Handwerk – Die Metropolregion Rhein-Neckar ist eine der wirtschaftlich vielseitigsten die es in Deutschland gibt...

19. September 2017

Chemie, Kernphysik, High Tech und Handwerk – Rhein-Neckar ist eine der wirtschaftlich vielseitigsten Metropolregionen. Mit BASF entstand 1865 das erste Weltunternehmen, aber bei weitem nicht das letzte. HeidelbergCement, Daimler AG, SAP und der Technologie-Allrounder Freudenberg sind nur einige der Marken, die den Namen der Region um die Welt tragen. Sie alle profitieren nicht nur von der Bildungsstärke zwischen Mannheim und Heidelberg und dem entsprechenden Nachwuchs, sondern auch von der Lage in einem der bedeutendsten Logistikhubs Deutschlands. Doch sind es nicht die Global Player, die die Region ausmachen. Es sind vor allem die kleinen, mittelständischen Betriebe, vom Handwerk bis zum High-Tech-Startup, die für Innovation und Fortschritt an Rhein und Neckar sorgen. Viele existieren als Familienbetriebe bereits seit vielen Jahren, zahlreiche neue wurden im letzten Jahr gegründet. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Lager-, Produktions- und Forschungsflächen, die modernen Ansprüchen gerecht werden, Austausch mit anderen Unternehmen und Dienstleistern ermöglichen, aber auch leichten Zugang zum europäischen oder globalen Markt bieten. Die es so aber nicht gibt. Was ist das Problem der vorhandenen Flächen? Sollten sich Investoren zukünftig auf den Bau von Gewerbeparks für kleinere Unternehmen konzentrieren? Wo finden sich die Flächen dafür? Und warum ist das oft lohnenswerter als der Blick in die Top 5 Metropolen? Janne Butterman, Consultant JLL Industrial Agency, blickt tiefer. 3 Fragen – 3 Antworten:

1. Warum können die vorhandenen Flächen die Bedürfnisse der Unternehmen nicht mehr erfüllen? Was können neue Gewerbeparks leisten?

Die vorhandenen Flächen sind meist veraltet und bei der rasanten Entwicklung, die wir derzeit durch die Digitalisierung erleben, nicht mehr auf dem heutigen Stand der Technik. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen achten im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit vermehrt auf Modernität und Vernetzung. Entsprechendes Nachrüsten, Renovieren oder Sanieren ist in der Regel zu kostspielig und nicht mehr tragbar bzw. rentabel. Hinzu kommt, dass die von den Unternehmen nachgefragten Flächengrößen zwischen 500 und 1.500 Quadratmetern im Bestand einfach nicht vorhanden oder vakant sind und kleine Grundstücke für ein eventuelles eigenes Bauvorhaben für Eigennutzer sehr rar und vor allem so gut wie nicht bezahlbar sind.

Auf die Bedürfnisse von klein- und mittelständischen Industrie- und Produktionsbetrieben zugeschnittene Gewerbeparks würden die enorme Mangelsituation an Lagerflächen des mittleren Größensegments definitiv auflockern. Und genau in dieser spezifischen Nachfrage liegt einer der lohnenswertesten Ansatzpunkte für Investoren in der Region. Entsprechende Neuentwicklungen würden zusätzlich dafür sorgen, dass regionale Unternehmen vor Ort bleiben und die Vielfalt des Wirtschaftsraums Rhein-Neckar erhalten bleibt.

2. Sind entsprechende Grundstücke für solche Projektentwicklungen denn überhaupt vorhanden?

Ja, in vielen Kommunen sind noch Grundstücke in der Größenordnung zwischen 15 und 20.000 Quadratmetern vorhanden. Darüber hinaus werden weitere Gewerbegebiete neu erschlossen, wie zum Beispiel in Dannstadt-Schauernheim, Neustadt an der Weinstraße und Weinheim.

3. Welche Art von Industrieimmobilie wird in Zukunft am meisten gefragt sein?

Generell sind Logistikimmobilien im großen Stil immer gefragt und das wird auch zukünftig weiter so bleiben. Dennoch sind aktuell vor allem Gewerbeparks mit Teileinheiten von 500 bis 1.500 Quadratmetern stark im Kommen und beliebt bei mittelständischen Unternehmen und Startups – aktuell vor allem zu beobachten im Rhein-Main-Gebiet. Und genau diese Nachfrage, jedoch noch nicht das passende Angebot, besteht auch in Rhein-Neckar.

Flächen solcher Art sind nicht nur technisch auf dem neuesten Stand, sondern bieten innerhalb des Parks unkompliziert Expansionsmöglichkeiten – zum Beispiel durch die Übernahme frei gewordener Flächen, wenn Nutzer ausziehen. Häufige und kostspielige Umzüge und Adresswechsel fallen so weg. Für Investoren ergeben sich hier Chancen, den Fuß in einen Markt zu setzen, der das Produkt „Gewerbepark mit kleinen Teileinheiten“ noch nicht kennt, aber trotzdem dringend benötigt.