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JLLs hanseatischer Bienenstock. Oder: So geht erfolgreiches Büro

Das Hamburger JLL-Büro ist frisch umgezogen. Trotz viel Liebe zum Detail hat es sich Niederlassungsleiter Richard Winter letztlich einfach gemacht: JLL setzt das für sich selbst um, was es auch zukunftsorientierten Unternehmen empfiehlt. Ein Gespräch über Nachhaltigkeit, die Topografie des Raums und den Wunsch nach geschäftigem Summen.

  

  

Was zieht JLL Hamburg von der Oberbaumbrücke zum Fleetinselkontor?

Richard Winter: „Es ist Zeit für einen Wechsel, für etwas komplett Neues. Das Fleetinselkontor verfügt dafür über eine sehr attraktive Mikrolage. Obwohl es ruhig in zweiter Reihe des Central Business Districts (CBD) steht, ist es von urbanem Leben umgeben. Läden, Supermärkte oder Gastronomien werten das Umfeld auf, im Haus selbst gibt es einen innovativen Bäcker und eine Salatbar.“

Zentrale Lage ist das eine, praktische Erreichbarkeit hingegen ein immer wichtigerer Faktor.

„Deshalb befindet sich direkt vor der Tür die S-Bahn-Station Stadthausbrücke mit Direktanbindung zum Flughafen, dem Knotenpunkt Jungfernstieg und Hauptbahnhof, der Neue Wall, einer der gefragtesten Lagen in Hamburg, beginnt nur wenige Schritte weiter. Und wenn man auf unserer Dachterrasse steht, ist man im Zentrum der wichtigsten Wahrzeichen Hamburgs: Michel, Elbphilharmonie und Rathaus. Unsere neue Zentralität kommt Kunden wie Mitarbeitern gleichermaßen zugute, wir wollen mit guten Beispiel vorangehen.“

Bezieht sich das auch auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit?

„Wir beziehen die obersten drei Etagen eines energieeffizienten Gebäudes. Für die Kühlung sorgt eine Betonkernaktivierung, die durch eine zusätzliche mechanische Belüftung unterstützt wird. Alle Fensterelemente haben einen umlaufenden außenliegenden Sonnenschutz, der über die Tages- und Nachtzeit sowie direkte Sonneneinstrahlung gesteuert wird. Das spart Energie und sorgt zugleich für ein natürliches Klima in den Büros. Ladestationen für PKW und E-Bikes in der Tiefgarage fördern die Elektromobilität. Unter anderem auch deshalb erreicht das Gebäude eine Nachhaltigkeitszertifizierung nach dem DGNB Standard.“

Welche Stellschrauben bietet die neue Fläche für nachhaltigen Bürobetrieb?

„Die zukünftige Flexibilität in der Fläche zählen wir auch zur Nachhaltigkeit. Konkret: Wir haben bereits jetzt so geplant, dass wir die Flächen in den kommenden Jahren sich verändernden Arbeitsprozessen anpassen können. Aber man kann jeden Tag etwas tun: So setzen wir zu 100% auf Grünstrom, gefiltertes Trinkwasser für die Mitarbeiter, mit oder ohne Kohlensäure, kommt aus dem Wasserhahn. Das spart Transport- und Lagerungskosten für Wasserkisten.“

Dennoch fällt bei mehr als 100 Mitarbeitern viel Müll an…

„Mülleimer werden aber künftig nur noch Tischgruppen zugeordnet und nicht mehr jedem einzelnen Arbeitsplatz. Das reduziert Material und Reinigungskosten deutlich. Zudem setzten wir bewusst auf regionale Produkte bei der Bewirtung.“

Welche Standards setzt der Innenausbau des neuen JLL-Büros?

„Unser Arbeitsplatzkonzept folgt der „Entgrenzung der Arbeit“. Niemand soll an seinen Schreibtisch gekettet sein. Oft gilt noch die Wahrnehmung „Wenn jemand seinen Schreibtisch verlässt, dann arbeitet er nicht“. Damit wollen wir bewusst schlussmachen und entsprechend vielfältige Alternativen bieten, um kreativ und miteinander zu arbeiten. Unsere Projekte, wie urbane Quartiere, werden komplexer und deshalb muss sich der Dialog über Abteilungen hinweg frei entfalten können – jenseits der jeweiligen Schreibtische.“

Aus welchen Alternativen können die JLL-Mitarbeiter künftig auswählen?

„Neben den klassischen Konferenzräumen gibt es Rückzugsräume für Stillarbeit. Ebenso haben wir auf allen Etagen Telefonzellen (Phone Booth), in denen ein Gespräch geführt und dabei am Notebook gearbeitet werden kann. Außergewöhnlich ist unser Weißraum oder White Room, der im Sinne eines weißen Blatt Papiers gefüllt werden will und durch seine unvoreingenommene Optik ein kreatives Umfeld ohne Denkschranken erzeugt. In diesem Umfeld sollen unter anderem Pitches so vorbereitet werden, dass sie den entscheidenden Mehrwert bringen.“

Viele Büros trennen zwischen klassischem Büro- und Arbeitsbereich.

„Wir haben das Büro bewusst durchmischt: Der Marketplace im 6. OG als Treffpunkt mit Kaffeebar und Dachterrasse, die offen gestaltete Pantry-Küche im 5. OG oder die Elphie-Lounge, ein Wohnzimmer im 4. OG, sollen Orte für diesen teamübergreifenden Austausch werden. Generell ist wichtig, dass sich Mitarbeiter wie Kunden bei uns wohlfühlen und deshalb auch gerne im Gespräch bleiben.“

Reichen diese Sonderzonen, um sich wohlzufühlen?

„Nein, nicht allein, deshalb besticht das Büro durch ein stimmiges Material- und Farbkonzept. Der Raum soll eine Grundtonalität vermitteln. Dafür sorgen wertige Hölzer, unterschiedliche Sand-, Weiß- und Grautöne, die natürlich wirken und einzelne kräftige Farben unterstützen. Zudem bekommt der Raum eine Topografie.“

Eine Topografie?

„Auf der einen Seite legen wir sehr viel Wert auf freie Sichtachsen – die Kollegen sollen mit den Augen kommunizieren können. Auf der anderen Seite gibt es ganz viele Abstufungen im Raum – unter anderem bei den Sideboards – damit der Raum nicht uniform wirkt und zugleich Geborgenheit vermittelt.“

Was wäre die ideale Arbeitsatmosphäre im neuen Büro?

„Es soll summen wie in einem Bienenstock. Gedämpfte Geschäftigkeit. Niemand soll sich gestört fühlen, zugleich darf es nicht totenstill sein. Man muss spüren, dass etwas Gutes im Gang ist. Die geistige wie körperliche Mobilität soll gefördert und durch die flexible Arbeitsplatzwahl angeregt werden.“

Ist in diesem Konzept noch Platz für den Hamburg-Charakter?

„Absolut – und nicht nur beim Strandkorb, der als erstes auf die Dachterrasse kam. Andere Details erinnern dezent an Segeln, Hafen und Schifffahrt. Unsere Konferenzräume sind nach Hamburgs bekannten Adressen benannt – dazu zählen der Jungfernstieg, der Ballindamm und die Elbchaussee. Und auch die Geschichte der Hansestadt wird gewürdigt.“

Wie das?

„Im Eingangsbereich sind zwei großformatige Luftbildaufnahmen unseres neuen Standorts angebracht. Die eine Aufnahme zeigt die Hamburger City 1947, quasi in der Stunde Null nach der Kriegszerstörung – die andere 70 Jahre später das Wunder und die Schönheit der Stadt heute. Weitere Luftbilder sind auf alle Bereiche verteilt. Das zeigt, was man alles erreichen kann und lehrt zugleich Demut vor der Geschichte dieser tollen Stadt, in der wir gemeinsam arbeiten.“

Arbeitsplätze wie diese stehen auf der Zufriedenheits-Wunschliste deutscher Arbeitnehmer ganz oben. Das zeigt unsere aktuelle Studie: Workplace – Powered by Human ExperienceHier herunterladen.

Julian Schinke war strategischer Kopf des Bürokonzepts des neuen Hamburger Standorts. Gemeinsam mit seinem Team war er zudem für die Steuerung der baulichen Umsetzung verantwortlich. Im Bereich Project & Development Services berät JLL Unternehmen beim Neu- und Umbau ihrer Büroräume – technisch, wirtschaftlich und in Planungsfragen. Dazu gehört auch die umfassende Projektsteuerung auf nationaler und internationaler Ebene. Ebenfalls maßgeblich beteiligt bei der Planung der Arbeitsumgebung war das Team von Workplace Strategy, das die neuen Flächen nicht nur effizient ausgerichtet sondern ihnen auch Identität und Atmosphäre verliehen hat.

Kontakt:

Julian Schinke

Project & Development Services

Tel +49 40 350011 203

Julian.Schinke@eu.jll.com