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Retail sells – Ladenmieten in Deutschlands Einkaufsmeilen ziehen im Schnitt moderat an

Der Handel verkauft gut. Und er verkauft sich gut. Letzteres dokumentiert in den Ladenmieten. Denn die Preise für Einzelhandelsflächen in den 185 wichtigsten deutschen Einkaufsstädten werden teurer.

16. September 2015

Der Handel verkauft gut. Und er verkauft sich gut. Letzteres dokumentiert in den Ladenmieten. Denn die Preise für Einzelhandelsflächen in den 185 wichtigsten deutschen Einkaufsstädten werden teurer. Wenn auch nur moderat. Und nicht überall. Zumindest aber im Schnitt.

Im zweiten Halbjahr 2015 ist ein Anstieg um ein Prozent gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres zu verzeichnen. Immerhin. Denn der Preissprung von 2013 auf 2014 war recht deutlich. Nun hat sich die Entwicklung auf hohem Niveau stabilisiert. In nur noch 22 % der untersuchten Städte erwarte ich bei der Neuvermietung eines 100 m²-Standardladenlokals höhere Mieten als im zweiten Halbjahr 2014. Rund 60 % der Städte weisen derweil stabile Spitzenmieten auf. In 18 % der Fälle sind sogar rückläufige Mietpreise zu erwarten. Alles in allem also ein erfreulich normales Szenario.

Ich sehe mich damit in meinen Prognosen bestätigt. Insbesondere in unserem Report ,Destination Germany‘ hatten wir bekanntlich das Auseinanderdriften von Mietpreissteigerungen und Steigerung von Einzelhandelsumsätzen veranschaulicht.

Einige Anmerkungen zu unserer aktuellen Dokumentation im Einzelnen.

Top 10: Berlin und Frankfurt machen Boden auf Spitzenreiter München gut

In den zehn Top-Metropolen können im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 leicht steigende Mieten erwarten werden. Die stärksten Anstiege prognostiziere ich für Berlin (+6,7%), Frankfurt (+3,3%) und Hannover (+2,9%) . Unabhängig davon bleibt München mit einem konstanten Wert von 360 Euro/m² vorerst unerreichbar auf dem ersten Platz des deutschen MietpreisrankingsBerlin (320 Euro/m²; +20 Euro/m²) und Frankfurt (310 Euro/m²; +10 Euro/m²) komplettieren das Spitzentrio. Dahinter folgt mit Düsseldorf (290 Euro/m²), Hamburg (280 Euro/m²), Köln (255 Euro/m²) und Stuttgart (250 Euro/m²) ein Quartett mit Preisen von mindestens 250 Euro/m². Dahinter rangieren Dortmund (225 Euro/m²), Hannover (200 Euro/m²) und Mannheim (175 Euro/m²).

Top 50: In rund einem Drittel der mittelgroßen Städte ziehen die Mietpreise an

Die weiter gefasste Gruppe der 50 nach Miethöhe wichtigsten deutschen Handelsstandorte zeigt ebenfalls einen leichten Aufwärtstrend. Im Durchschnitt legen die Spitzenmieten gegenüber dem zweiten Halbjahr 2014 um 1,3 Prozent zu. Rund ein Drittel (30%) der untersuchten Städte weist steigende Mieten auf. Abgesehen von den genannten Top-10-Städten erwarte ich Zuwächse um mehr als 5 % in Würzburg (130 Euro/m²; Rang 15 bundesweit), Karlsruhe (110 Euro/m²; Rang 26), Reutlingen (90 Euro/m²; Rang 38), Lüneburg (85 Euro/m²; Rang 44). Leicht rückläufige Mieten sehe ich in der Top-50-Gruppe lediglich in Gießen, Braunschweig, Rostock und Ingolstadt.

Spitzenmieten nach Stadtgröße: Je mehr Einwohner, desto höher die Ladenmietpreise

Starke Unterschiede bei den Spitzenmieten zeigen sich erwartungsgemäß bei einer Betrachtung nach der Stadtgröße. Die 15 Städte mit 250.000-500.000 Einwohnern erzielen im Durchschnitt knapp 103 Euro/m² und legen damit im Jahresvergleich rund 4,4 % zu. Hier liegt Mannheim (175 Euro/m²) vor Münster (165 Euro/m²) und Nürnberg (160 Euro/m²). In den rund 50 untersuchten Städten mit 100.000-250.000 Einwohnern liegt die Spitzenmiete bei durchschnittlich 67,2 Euro/m². Diese Kategorie führt Freiburg (165 Euro/m²), Würzburg (130 Euro/m²) und Mainz (125 Euro/m²). In den rund 100 Städten mit unter 100.000 Einwohnern werden im Mittel Spitzenmieten von unter 40 Euro/m² erzielt. Gießen (92 Euro/m²), Rosenheim (90 Euro/m²) und Lüneburg (85 Euro/m²) führen hier die Erhebung an.

Die Luxusmeilen der Republik: Alle stabil – nur Berlins Tauentzien legt zu

Für das 2. Halbjahr 2015 rechne ich in den beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands lediglich auf dem Berliner Tauentzien mit einem Wachstum von 300 auf 320 Euro/m² im Vergleich zum ersten Halbjahr. Konstant werden hingegen die Preise auf der Düsseldorfer Königsallee (290 Euro/m²), der Münchener Maximilianstraße (280 Euro/m²) und der Frankfurt Goethestraße (250 Euro/m²) sein. Auch am Neuen Wall in Hamburg (240 Euro/m²) und der Stuttgarter Stiftstraße (185 Euro/m²) prognostiziere ich keine Veränderung.

Seitwärtsbewegung der Mietpreise setzt sich voraussichtlich weiter fort

Mit Blick auf das verbleibende Jahr gehe ich von einer Jahresend-Rallye aus. Zahlreiche Einzelhändler haben nämlich ihre Expansionsziele für dieses Jahr noch nicht erreicht. Allerdings agieren die Mieter nach wie vor sehr vorsichtig und kalkulieren sehr genau. Derzeit herrscht nur eine geringe Risikobereitschaft. Kein Wunder. Die eingetrübte Konjunktur der Schwellenländer hinterlässt auch bei Retail verhalten Spuren.