Artikel

Was will frau da machen? Oder doch lieber Bikini bei meinem ersten Triathlon?

Alles begann mit einer Email. Mein Kollege fragte darin, ob sich nicht eine Gruppe von 10 Leuten zusammenfinden könnte, um gemeinsam einen Triathlon zu bestreiten.

15. September 2015

Alles begann mit einer Email an den Frankfurter Verteiler. Mein Kollege Peter Tölzel fragte darin, und zwar ganz ernsthaft, ob sich nicht eine Gruppe von 10 Leuten zusammenfinden könnte, um gemeinsam einen Triathlon zu bestreiten.

Triathlon – was war das noch gleich?! Was Sportliches auf jeden Fall. Irgendwas mit Schwimmen, Laufen und Schießen. Oder verwechsele ich da irgendwas?

Na ja, wie auch immer. Meine Neugier war zumindest geweckt.

Die Rückfrage beim Frankfurt-Ironman-Veteran Peter Tölzel ergab, dass es sich beim bevorstehenden Wettkampf um den 10-Freunde-Triathlon Darmstadt handelt. Bei diesem Triathlon bestreitet jeder Teilnehmer das Zehntel einer Ironman-Distanz: 380m schwimmen, 18km Rad fahren, 4,2km laufen.

Puh, also auch noch Radfahren…Schießen klang in meiner Vorstellung irgendwie entspannter.

Die Pros und Contras schwirrten über Wochen in meinem Kopf:

  • Ich kann nur Brustschwimmen
  • Schnell Fahrrad gefahren bin ich bisher auch nur, wenn ich es eilig hatte…
  • Und dann echt noch laufen?
  • Kann man sich da eigentlich umziehen nach dem Schwimmen?
  • Das wird bestimmt unglaublich anstrengend…

Moment mal, das sind ja nur Contras…. Aber die ersten Pros konnte dann Peter beisteuern:

  • Der Teamgeist steht im Vordergrund
  • Es geht ums Mitmachen, nicht ums Gewinnen – na klar, das kann ja jeder sagen!
  • Wann hat man schon mal die Möglichkeit, als Anfänger an einem Triathlon teilzunehmen?
  • Bei diesem Event macht wirklich jeder mit – vom Vollprofi bis zum blutigen Anfänger mit Oma-Fahrrad

Das ausschlaggebende Argument war definitiv das Oma-Fahrrad – wer will sich schon als einziger Amateur blamieren? So weit, so gut. Ich habe allen Mut zusammengenommen und die Anmeldung abgeschickt. ABGESCHICKT?! Verdammt, jetzt gibt es also kein Zurück mehr… Dann muss ich jetzt wohl mal mit dem Training anfangen… jetzt… oder morgen? Auf jeden Fall BALD!

Also fing ich an zu trainieren. Ich konnte tatsächlich feststellen, dass der bevorstehende Wettkampf meine Motivation, Sport zu machen, gesteigert hat. Wie gesagt, ich blamiere mich nicht gerne.

Am 6. September war es dann so weit… der Tag der Wahrheit und des Wettkampfes war gekommen! Ich war so aufgeregt, dass in meinem Bauch dies und das rumorte. Was brauche ich nochmal? Schwimmbrille, Rennrad, Badeanzug… oder doch lieber Bikini? Ich falle bestimmt total auf mit meinem Freibad-Outfit…

Als ich in Darmstadt ankam – ca. eine Stunde zu früh (die Aufregung…) – konnte ich mir zunächst einmal einen Eindruck verschaffen, wie der durchschnittliche Teilnehmer so aussieht. Durchschnitt? Es gibt definitiv keinen Durchschnitt! Von ambitionierten Triathleten mit 8.000€-Fahrrädern und speziellen Tria-Suits (nein, davon hatte ich vorher auch noch nie gehört) bis hin zu rüstigen Mittsechzigern mit rostigen Oma-Fahrrädern ist alles dabei. Ja, da waren sie, die Oma-Fahrräder! Mein Herzschlag beruhigte sich. So ganz allmählich.

Meine Kollegen Peter und David, beide erfahrene Triathleten, gaben mir noch hilfreiche Tipps zu diesem und jenem. Und überhaupt. Am meisten jedoch freute ich mich, als Jiri eintraf, im Triathlon ein ebenso unbeschriebenes Blatt wie ich. Er kam etwas verspätet mit dem Fahrrad seiner Mutter zu unserem vereinbarten Treffpunkt und erklärte uns, er müsse noch den Sattel einstellen und die Reifen aufpumpen. So ein Glück, ich bin nicht die Einzige, die sich nicht perfekt vorbereitet hat!

Nachdem uns der Ablauf erklärt worden war, war ich total verwirrt. In welcher Reihe steht denn jetzt bloß mein Fahrrad? Muss ich nach der Wechselzone nach links oder nach rechts laufen? Wo genau soll ich mein Fahrrad nochmal abgeben? Wie viele Bahnen muss ich schwimmen? Die Aufregung war zurück.

Zum Glück begann die erste Disziplin, das Schwimmen, gemeinsam mit meinen Teampartnern. Als es erst einmal losging, war ich elektrisiert. Kein Gedanke mehr daran, ob ich aussehe wie ein Amateur oder ob ich die langsamste bin. Ich wollte nur noch eins: Das Ganze durchstehen und dabei meine bestmögliche Leistung bringen! So schaffte ich es tatsächlich, beim Schwimmen nicht als letzte unseres Teams das Becken zu verlassen. Leider verlor ich diesen Vorsprung schon direkt anschließend beim Umziehen in der Wechselzone – was will frau da machen? Ich bin „halt“ eine Frau!

Natürlich konnte ich meine Arbeitskollegen auch beim Radfahren und Laufen nicht mehr einholen, dazu sind sie mir sportlich einfach viel zu überlegen. Es half also alles nichts, ich musste gegen mich selbst kämpfen. Mein Ehrgeiz war geweckt.

Nachdem ich die Radstrecke bewältigt hatte, kam der letzte Teil – 4,2km laufen. Direkt nach dem Radfahren zu laufen, ist die Hölle! – erstmal. Nach dem ersten Kilometer verwandelten sich meine Beine wieder von Wackelpudding in Beine – naja, so halbwegs jedenfalls.

Da vorne, der spaziert schon… Dabei sieht der viel sportlicher aus, als ich es bin… Ich könnte doch auch… Nur eine klitzekleine Pause… NEIN! Durchhalten! „Durchhalten“ ging es mir die ganze Zeit durch den Kopf. Zum Glück verlor der Schweinehund in mir. Nein, ich rang ihn nieder und zog das Ding durch. Irre.

An der Ziellinie warteten meine Kollegen und jubelten mir zu. Das Gefühl danach? Einfach überwältigend. Einfach unfassbar toll. Ich war unglaublich stolz auf meine Kollegen und mich, weil jeder die für ihn bestmögliche Zeit erzielt hatte.

Und? Wollt Ihr raten? Das war nicht mein letzter Triathlon. Auf gar keinen Fall. Ganz im Ernst.