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Die Kultur der ständigen Erreichbarkeit – lernen Sie, "Wann?" zu sagen

Die Mobilfunktechnik und die zeitliche und räumliche Flexibilität unserer Arbeit haben viele Vorteile. Doch wie erreichen wir eine echte Work-Life-Balance?

25. Juli 2014

Die Mobilfunktechnik und die steigende zeitliche und räumliche Flexibilität unserer Arbeit haben viele Vorteile. Doch wie schützen wir unser persönliches Wohlbefinden und wie erreichen wir eine echte Work-Life-Balance?

In Deutschland ist eine starke Zunahme berufsbedingter Gesundheitsprobleme zu beobachten. In den letzten Jahren haben geistige Erschöpfungszustände und damit verbundene psychische Erkrankungen den zweiten Platz bei den gesundheitsbezogenen Fehlzeiten eingenommen. Dies fällt besonders ins Gewicht, da psychische Erkrankungen deutlich längere Erholungszeiten als die meisten körperlichen Leiden nach sich ziehen und die betroffenen Mitarbeiter möglicherweise nie wieder die volle Leistung erbringen können. Aber auch andere entwickelte Volkswirtschaften stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Diese stehen häufig in direktem Zusammenhang zu dem steigenden und gnadenlosen Kostendruck, dem sich Unternehmen in unserem unbeständigen und stark wettbewerbsgeprägten Umfeld gegenüber sehen. Moderne Technologien ermöglichen uns eine bislang noch nie erreichte Arbeitsgeschwindigkeit, Entscheidungen müssen unter Unsicherheit und innerhalb von Sekunden getroffen werden. Viele Unternehmen werden verschlankt, da man sich von weniger Mitarbeitern höhere Rentabilitätsniveaus erhofft. Die sogenannte „Arbeitsverdichtung“ bringt das Humankapital an die Grenzen des Menschenmöglichen. Bei dem allgegenwärtigen Wunsch, mehr aus den Menschen herauszuholen, lohnt es sich ernsthaft, sich auf einfache und dennoch komplexe Themen, wie die geistige und körperliche Gesundheit der Menschen, die Tag für Tag den Shareholder Value mehren, zu konzentrieren.

Nachfolgend ein paar Kerngedanken und Grundsätze, die es sich zu beachten lohnt:

  • Führungskräfte müssen mit gutem Beispiel vorangehen (das Versenden von E-Mails am Wochenende und die ständige Erreichbarkeit fördern eine Kultur des (physischen und virtuellen) Präsentismus, die ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellt)
  • Gestalten Sie Ihren Job so, dass Sie ihn gerne ausüben (das ist eine ernsthafte Aufforderung an HR, statt der Stellenbeschreibung vielmehr die Arbeitsgestaltung kreativ zu überdenken und umzusetzen)
  • Schalten Sie ab – auch Ihre Technik (sollte besonders von der IT in Bezug auf Geräte, Standardeinstellungen, Konnektivitäten usw. berücksichtigt werden)
  • Schulen und coachen Sie das Management, Freiräume zuzulassen und das Personal aus der Distanz und durch Zielvereinbarungen zu leiten
  • Fördern und würdigen Sie Erfolgsgeschichten im Bereich „Work-Life-Balance“ (so hat z.B. das UNICEF Tap Project für jede Minute, in der wir unsere Mobiltelefone nicht genutzt haben, Wasser gespendet – das Abschalten der Geräte diente einem guten Zweck)
  • Schaffen Sie Anreize und Möglichkeiten für Sport, Meditation, Yoga usw., und führen Sie ein System ein, das die der Gesundheit und dem Wohlbefinden gewidmete Zeit belohnt.