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Ein Blick in die Zukunft der Büro- und Investmentwelt

Touch-Pads an der Wand statt Schreibtisch-Bildschirm? Wir werfen einen Blick in die Zukunft der Büro- und Investmentwelt...

08. November 2016

Mit Touch-Pads tapezierte Bürowände, die mit ein paar Handwischern vom Browserfenster zur Präsentation verwandelt werden können, interaktive Schreibtische, an denen zehn Personen gleichzeitig Daten verschieben, ergänzen und bearbeiten, ein freundlicher Roboter am Empfang – das klingt sehr nach Zukunftsklassikern wie Brave New World, Minority Report oder Orwells „1984“. Künstliche Intelligenz und Augmented Reality  waren einst spannender, aber realitätsferner Stoff von Science-Fiction-(Alltags-)Welten. Und sind heute, wenn auch (noch) nicht ganz so tiefgehend wie oben beschrieben, bereits gelebte Schreibtisch-Wirklichkeit:

Im Amsterdamer Geschäftsviertel Zuidas steht mit „The Edge“ ein Vorzeige-Smart-Building. Eine Smartphone-App, mit der sich jeder Mitarbeiter täglich verbindet, organisiert den Arbeitstag, leitet bei Ankunft zu einem freien Parkplatz und weist jedem Anwesenden einen zum persönlichen Tageskalender passenden Arbeitsplatz zu, an dem man dann – auch mit Hilfe der App – Licht und Temperatur individuell einstellen kann. Belegung und Nutzung des Gebäudes werden so permanent gemessen, 1.000 Schreibtische effizient unter 2.500 Mitarbeitern aufgeteilt und der tatsächliche Energieaufwand genauestens danach ausgerichtet. Das lohnt – The Edge gilt als eines der nachhaltigsten Gebäude der Welt.

Neue Technologien verändern, sobald wir sie auf breiter Basis in unseren Alltag übernehmen, unsere Art zu denken, kommunizieren, arbeiten. Das wirkt sich unmittelbar auf die Gestaltung unserer Umgebung aus – in erster Linie auf Infrastruktur und Gebäude.

Insbesondere in den kommenden Jahren werden Digitalisierung, Big Data und Co. althergebrachte Geschäftsstrukturen und -strategien radikal umkrempeln oder gar neu erfinden. Und stellen Unternehmen vor einige Herausforderungen – eröffnen aber auch unzählige Möglichkeiten und Wachstumspotenziale. Neue Arbeitsweisen und Kommunikationsmöglichkeiten verlangen nach entsprechend flexiblem und kollaborativem Raum. Big Data bringt tiefere Einsichten in die eigenen Kunden. Und hilft gleichzeitig dabei, wesentliche Erkenntnisse in Bezug auf die tatsächliche Nutzung und Effizienz eines Gebäudes zu erlangen. Unternehmen wollen Büros, die schon aus sich selbst heraus für das Wohlbefinden der Mitarbeiter sorgen, Produktivität steigern und Innovationen fördern.

Vor allem die beiden letztgenannten Punkte werden erheblichen Einfluss auf die Investmentstrategien der nächsten Jahre haben, Portfolien neu strukturieren und neue Maßstäbe insbesondere im Asset Management setzen. Auf was also müssen Investoren heute schon achten, um den Fortschritt nicht zu verpassen:

Die Zukunft des Büros ist smart, das Investment in technisch-digital-intelligent gestaltete  Gebäude muss zentraler Fokus der eigenen Anlagestrategie werden – entweder durch Neuerwerb oder gezielter Aufrüstung des eigenen Bestands. Wer Big Data insbesondere fürs Asset Management nutzt und neben automatisierter Licht- und Heizungsregelung konsequent nachverfolgt , wie Gebäude, Räume und Bereiche genutzt werden, wird die Effizienz, Produktivität und damit letztendlich auch die Profitabilität seines Portfolios langfristig steigern. Hier werden vor allem auch Partnerschaften mit Anbietern, die eine solche Daten-Expertise mitbringen, immer wichtiger.

Allerdings wirft das Erheben von Daten darüber, wie sich Mitarbeiter im Gebäude bewegen und verhalten, auch – berechtigte – Fragen rund um Cyber-Sicherheit und Privatsphäre auf. Rechtliche Aspekte und Grundlagen sind aktuell gar nicht auf den rasanten Fortschritt ausgelegt und müssen sich entweder anpassen oder einen (neuen) Rahmen vorgeben.

Um eine Neuausrichtung oder Restrukturierung seines Portfolios wird kein Investor herumkommen. Erstens werden vor allem flexibel nutzbare Flächen immer wichtiger, die der bedeutender werdenden Zahl neuer „Arten“ von Mietern Rechnung tragen: Startups und stark wachsende neue Player befinden sich permanent in unterschiedlichen Wachstums- und Schrumpfungsphasen, brauchen mehr oder veränderten Raum und gehen Verträge deshalb oftmals nur mit einer kürzeren Mietlaufzeiten ein. Bürogebäude der Zukunft brauchen modulare Raumstrukturen, die Umbau und Neuanpassung von Nutzer zu Nutzer schnell und einfach machen.

Zweitens wird sich zukünftig ein ausgewogener Portfolio-Mix zwischen Erst- und Zweitlagen auszahlen. Kleinere Städte konkurrieren zunehmend mit etablierten Investment-Spots, angetrieben durch Globalisierung, Urbanisierung und Technologie. Wer Größe nicht „liefern“ kann, muss Innovationsfähigkeit beweisen. Dann werden  Kapitalströme zukünftig auch in solche Standorte fließen, Standorte, die es am besten verstehen, sich zu vernetzen, eine technische Infrastruktur zu schaffen und Ideen anzuziehen.

Die neue, flexiblere Art, wie Unternehmen und ihre Mitarbeiter arbeiten, wird auch weitere Auswirkungen haben auf alternative Sektoren wie Hotels, Wohnformen oder Knotenpunkte des Personenverkehrs. Deshalb erscheint auch eine Ausweitung des eigenen Portfolios in Richtung gemischt genutzte Immobilien sinnvoll.

Vernetzung, Daten-Tracking, smarte Möglichkeiten – all das ist längst auf den Weg gebracht. In den Köpfen der Innovatoren entstehen bereits neue Stücke Zukunft: Sitzen wir irgendwann in fahrenden Büros? Oder erledigen Morgen gar Roboter unsere Arbeit von heute? Es empfiehlt sich also, genau hinzuhören und mit den Zeichen der Zeit zu gehen. Stillstand wird nicht kommen.

Mehr Informationen zur Technologisierung der Bürowelt und den Umgang damit, finden Sie in unserem englischsprachigen Report „Workplace reworked. Ride the wave of tech driven change“.