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Digitalisierung – was ist das und was heißt das für Immobilien-Unternehmen?

Alle sprechen von Digitalisierung und davon, wie wichtig sie ist und wie tiefgehend sie auch gerade das Geschäft mit und in der Immobilie verändern wird. Doch was genau steckt eigentlich hinter diesem so oft verwendeten Ausdruck „Digitalisierung“?

     

     

„Wir haben eine eigene Internetseite, über die wir unsere Immobilienangebote vermarkten“ oder „Für unsere Daten habe wir eine eigene Datenbank-Lösung“, sind häufige Aussagen, die man in diesem Zusammenhang hört. Durchaus naheliegende „Annahme“, denn nicht nur in der Immobilienwirtschaft verstehen viele unter Digitalisierung vor allem die neuen und sich ständig weiterentwickelnden Informations- und Kommunikationstechnologien. Auf den ersten Blick sind sie es, die unseren Geschäftsalltag zum Teil bereits grundlegend verändert haben und ohne Zweifel zukünftig noch weiter verändern werden:

Google, Webseiten, Landing Pages, Portale – das Internet hat die Immobilien-Vermarktung, vor allem im Hinblick auf einen „zeitgemäßen“ Vermarktungskanal und zur Lead-Generierung, fast vollständig übernommen. Analoge Medien wie Anzeigen in Zeitungen etc. spielen hierbei nur noch eine untergeordnete Rolle. 3D-Technologien unterstützen die Vermarktung und sind anschauliche Tools für wirksame Akquise und erfolgreichen Verkauf, gerade bei Projektentwicklungen. Durch Automatisierung reduzieren sie Aufwand und steigern deutlich die interne Effizienz. Aktuell gewinnt auch der 3D-Druck immer mehr an Bedeutung – nicht nur für Vermarktungszwecke. In China, den USA und Dubai wurden bereits erste Immobilien im 3D-Druck-Verfahren erstellt. Hierdurch konnten nicht nur die Bauzeiten und Arbeitskosten drastisch reduziert werden. Die Verwendung von zum Teil neuartigen Baumaterialien erhöht auch die Nachhaltigkeit von Immobilien deutlich. Der Einsatz dieser Technologie wird zukünftig ebenso Auswirkungen auf ganz grundlegende Bereiche der Immobilienwirtschaft haben: Wenn Endkonsumenten Produkte zukünftig selbst „ausdrucken“ und damit quasi herstellen könnten, wird das auch Konsequenzen auf Größe, Struktur und Lage von Lager- und Logistikimmobilien mit sich bringen. Ähnliches gilt für IoT (Internet of Things) und künstliche Intelligenz, die Gebäude- und Infrastruktur nachhaltig verändern werden, Stichworte: Smart Building oder Smart City. Hinzu kommen die durch Big Data Technologie wachsenden Datenbestände, die enormen Speicherplatz auf der einen und spezifische Fachkenntnisse über die digitale Materie auf der anderen Seite fordern. Der Bedarf an sicheren, autark operierenden Serverräumen bzw. digitaler Infrastruktur wird stetig steigen. Und damit die Nachfrage nach Datenzentren – zur Nutzung oder als Anlage-Asset.

Gerade letztere Szenarien zeigen, dass Technologien nicht mit Digitalisierung gleichzusetzen sind, sondern lediglich ein Teil – und damit „Mittel zum Zweck“ sind. Im Unternehmenskontext bedeutet Digitalisierung noch Einiges mehr. Nämlich die notwendige Standardisierung zur Automation von Prozessen und Geschäftsmodellen durch Vernetzung von Technik, Informationen und Menschen und damit die gesamte Ausrichtung aller Strategie und allen unternehmerischen Handelns auf die Herausforderungen, vor die uns neue Technologien und die Erwartung an diese stellen.

Das lässt sich beispielhaft und einfach am Vorhaben eines Unternehmens, die Vermarktung seiner Immobilien über Online-Plattformen zu intensivieren, deutlich und verständlich machen. Nicht rein das Vorhandensein einer technischen Lösung, nämlich der Online-Plattform, und das „mal eben dort was einstellen“ ist Digitalisierung, sondern ALLES, was mit Durchführung und Erfolg eines solchen Vorhabens verbunden ist, denn: Erst wenn genügend Immobilienangebote vorhanden sind, wird das Internet insbesondere in Form von Google für diese Angebote „Interesse“ zeigen. Als Daten getriebene Anwendung setzten Online-Plattformen voraus, dass die Angebotsdaten standardisiert in diese eingespeist werden. Hierfür wiederum ist es notwendig, dass die korrespondierenden Business-Prozesse über alle beteiligten Geschäftsbereiche gleich, d.h. ebenfalls standardisiert vorliegen. Das gilt nicht nur für das Einstellen, sondern auch für die stetige Aktualisierung von Angeboten. Um über Erfolg oder Misserfolg urteilen zu können – und zwar aus Vermarktungs-, genauso wie aus Marketing-Sicht (denn die Vermarktung über das Internet, namentlich Google, ist bei weitem nicht umsonst) -, werden weiterhin messbare Erfolgskriterien, oder neudeutsch, Key Performance Indicators (KPIs), benötigt, die es zu analysieren und zu interpretieren gilt, um Optimierungen umzusetzen.

Alleine an diesem doch vermeintlich „simplen“ Online-Plattform-Beispiel wird rasch klar, dass die Technologie nur das „Wie“ wiedergibt. Wenn Sie aber das „Warum – Warum müssen wir mehr Betonung auf Online-Vermarktung legen?“ und das „Was – was benötigen unsere Kunden bzw. was müssen wir intern zur Erfüllung der Kundenbedarfe angehen?“ nicht als essentiellen Bestandteile der Gesamtgleichung berücksichtigen, wird weder das Internet als effizienter Vertriebs- oder Nachfragekanal zu nutzen sein, noch die Umsätze bzw. Profitabilität steigen.

Digitalisierung kann und darf in einem Unternehmen nicht auf bloße IT-Themen reduziert werden. Sie ist vielmehr wesentlicher und übergreifender Bestandteil der gesamten Unternehmensstrategie. Oder muss es werden, wenn sie es noch nicht ist. Bedarfe und Prozesse sollten geklärt sein und funktionieren, bevor die Technik wieder einen Schritt weiter ist. Ob nun Workflows oder neue Personalprofile – das alles muss stehen, auch und insbesondere wenn man neue Technologien gewinnbringend einsetzen will.