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Was das gestandene Business von Startup-Tobi noch lernen kann – #CoWorkingIsFutureWorking

Immer mehr Unternehmen, Entwicklern, Investoren setzen auf Co-Working bei der Neu- und Umplanungen von Arbeitsraum.

13. Juli 2016

Tobi hat eigentlich alles, was man braucht für die Selfmade-Startupkarriere. Laptop, Smartphone, ein bisschen Kapital und Ideen. Viele Ideen. Die sich entfalten wollen. Blöd nur, wenn dafür der Raum fehlt. Physischer Raum. Denn die eigenen vier Wände mauern ein, verführen zum ins Leere starren und mit der Spülmaschine lässt es sich nur einseitig austauschen. Die Parkbank ist zu zugig und hinterlässt Streifen-Abdrücke auf dem Rücken. Im Café plärrt‘s zu laut – und man kann ja schließlich auch nicht den ganzen Tag Latte Macchiato trinken. Der mit Maxi-Schaum kostet außerdem Extra. Das läppert sich auf Dauer.

Gut für Tobi, dass es „Coworking Spaces“ gibt. Und nicht zu knapp. In den letzten fünf Jahren ist die weltweite Zahl an derartigen Flächen um explodierende 1.200 Prozent gestiegen . Da findet auch Tobi seinen Raum zum Durchstarten – inklusive Schreibtisch, Stromversorgung, einem Schränkchen zum Abschließen und einem Kaffeeautomaten, der auch Latte Macchiato ausspuckt. Sein Nachbar-Coworker macht zwar was ganz Anderes, aber ein paar Pläusche zwischendurch inspirieren. Der Gegenüber-Tisch wechselt seinen Besitzer wöchentlich. Gewöhnungsbedürftig. Aber Tobi schielt schon drauf, weil er bald seinen ersten Startup-Mitarbeiter dazu holen will.

Klingt für den alten Business-Hasen – Gott sei Dank – ganz weit weg? Dabei hat die Co-Stark-Denke längst Einzug gehalten in die traditionellen Firmengefüge – sowohl was Arbeitsweisen als auch Büro-, Mitarbeiter- und Gebäudestrukturen betrifft. Ein steigender Prozentsatz an Unternehmen, Entwicklern, Investoren beginnt damit, seine bisherige Ausrichtung in dieser Hinsicht zu überdenken und das Stichwort „Co-Working“ bei Neu- und Umplanungen von Arbeitsraum im Auge behalten. Und zwar aus den folgenden Gründen, die jetzt und vor allem in Zukunft den entscheidenden Wettbewerbsvorteil ausmachen können:

  • Bessere Ideen durch mehr Austausch: Rein aus dem einsam-stillen Kämmerlein heraus sind noch keine geschäftsverändernden Ideen entstanden. Der verbal-brainstormende Austausch macht’s – darüber sind sich drei Viertel befragter JLL-Business-Kunden einig. Co-Working-Formen fördern genau das – sei es als spontane Treff-Couch oder Denk-Bar in jedem Teambereich, räumliche Think Tanks und Cubes oder neueste Technologien, die die verbale Kommunikation über Grenzen hinweg verbessern.
  • Vorne dran bleiben im „War for Talents“: Mit dem Laptop im Sitzen oder Stehen, dann wenn die Kreativität auf dem Höhepunkt ist, von überall, mobil und flexibel – die Bedingungen, unter denen junge Talente arbeiten wollen, haben sich einschneidend verändert und tun es noch. Das sind nicht nur Wünsche sondern gezielte Kriterien, nach denen der Nachwuchs heute seinen Arbeitgeber auswählt. Und auch hier kann Co-Working einen Großteil der Antwort liefern. Vielversprechendes Talent im Auge? Das will aber nicht umziehen? Ein angemieteter Co-Working-Desk in dessen Heimatstadt könnte den entscheidenden Ausschlag zur Gewinnung geben. Das ist zwar ein ungewöhnlich-gewagtes, aber durchaus lohnenswert-denkbares Szenario und offenbart einmal mehr die Vielfalt der Möglichkeiten.
  • Näher dran an Innovation und Kompetenzen: Stichwort Kollaboration. Immer mehr Unternehmen stellen Gründern, Start-ups oder Freelancern interne Co-Working-Flächen zur Verfügung – mit dem Ziel, sich gegenseitig zu unterstützen, zu inspirieren und Dienstleistungen effizienter und „kurzweiliger“ zu machen. Das lässt sich auch auf die Investment-Ebene übertragen. So setzt zum Beispiel ein Stuttgarter Büroinvestor bei seinen Flächen auf eine dreiteilige Nutzung: Unten Gratis-Raum als Starthilfe für frischgebackene Start-ups, dazwischen zum humanen Mietpreis wachsende Unternehmen, die vor allem Austausch und Netzwerkaufbau betreiben wollen, und darüber die Kreativ- und Innovationsteams der Big Player, die bereit sind, für den frischen Ideen-Schub, den sie hier bekommen, Spitzenmieten zu zahlen. Ein perfektes Modell, um seine Flächen vollständig vermieten zu können und sich mit diesem besonderen Mehrwert für die großen Unternehmens-Fische interessanter und attraktiver zu machen.
  • Flexibler für mehr Durchschlagskraft: Wachsen, neue Märkte erkunden, Regionen und Standorte erschließen – all das ist für jedes Unternehmen mit dem entsprechenden Vorhaben mit hohem logistischem und auch finanziellem Aufwand verbunden. Da sind ein bis drei Arbeitsplätze in Co-Working-Spaces zunächst einfacher und risikofreier als die Anmietung von Büroflächen mit längerfristiger Mietvertragslaufzeit.
  • Praktisch, rentabel, kosten- und energieeffizient: Immer wieder klagen Eigentümer von Büroflächen über partielle Leerstände ihrer Flächen, die trotzdem unterhalten werden müssen und ihren CO2-Footprint hinterlassen. Ursache und Problem ist oft die langwierige Suche nach Mietern, die bereit sind, einen Mietvertrag für die Dauer von mindestens 10 Jahren abzuschließen. Warum hier nicht den Co-Working-Ansatz nutzen und diese Flächen temporär an verschiedene Start-ups oder Freelancer vermieten, für die selbst einfache, „unerschlossene“ Räumlichkeiten die perfekte grüne Wiese sind. Das spart Aufwand, bringt unerwarteten Gewinn und ist unterm Strich energieeffizienter.

Schon längst geht es beim Co-Working nicht mehr um reines Teilen von Arbeitsraum, damit der erschwinglicher wird – wenn es überhaupt jemals nur darum ging. Es geht vielmehr um gegenseitige Wissbegier, ums um die Ecke denken, um Face-to-Face-Effizienz, um neue Blickwinkel und darum, Kompetenzen gewinnbringend einzubinden und auszubauen.

Ob man Co-Working nun rein intern nutzt oder wirklich nach „draußen“ geht, kollaboriert oder Spaces für die eigenen Mitarbeiter anmietet – die Möglichkeiten sind enorm vielfältig und nicht alles passt zu Jedem. Am Anfang steht immer eine sorgfältige Analyse der individuellen Voraussetzungen und Ziele. Co-Working verändert unsere Arbeitswelt und mit ihr die Gestalt von Büroimmobilien.

Alles rund um die neue „Era of Coworking“ und ihre Chancen, Formen und Herausforderungen gibt’s hier. Zwar auf Englisch, aber Co-Working verlangt nun mal den Blick über den Tellerrand – in allen Bereichen.