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Ist die Zeit reif für KI am Arbeitsplatz?

Künstliche Intelligenz (KI) ist schon am Arbeitsplatz angekommen - aber bislang wirkt sie eher im Verborgenen. 

08. September 2022

Philipp Koester

Director Workplace Strategy
+49 151 72185247

Schon jetzt gibt es eine Vielzahl von KI-Tools, die Unternehmen unterstützen. Es gibt KI, die die Datenverarbeitung übernimmt und dabei menschliche Fehler reduziert und die Datenkonsistenz verbessert. Es gibt Automatisierungssoftware, die wiederkehrende Aufgaben übernimmt – sowie Prognosetools, die Daten analysieren, um Trends zu erkennen und finanzielle sowie geschäftliche Vorhersagen zu treffen.

KI ist zweifellos stärker eingebettet, da sie intelligente Entscheidungen ermöglicht. Doch inzwischen übernehmen immer ausgereiftere Tools die einfache Programmierung, so dass die Programmierer selbst mehr Zeit für kreativere Aufgaben haben. Ein Beispiel dafür ist GitHub´s Copilot, der einfache englische Anweisungen in Code umwandelt. Die User müssen den Code zwar immer noch verstehen. Aber da sie ihn nicht selbst schreiben müssen, können sie effizienter und effektiver arbeiten.

Also ja, jetzt ist sicherlich die beste Zeit, um KI zum Leben zu erwecken. Die Menschen sind Innovationen gegenüber aufgeschlossener – auch weil die Technologie in jüngster Zeit wesentlich zum Übergang hin zu Remote Working beigetragen hat. Gleichzeitig gibt es eine demografische Verschiebung. Im Jahr 2030 werden Millennials 75 Prozent der Belegschaft ausmachen – Digital Natives, die neue Technologien eher begrüßen als fürchten.

KI in Aktion

Meiner Meinung nach hat KI am Arbeitsplatz großes Potenzial, um das Nutzererlebnis an die Bedürfnisse der User anzupassen. Ein KI Tool, das wir bei JLL einsetzen, unterstützt die kontinuierliche Belegungsplanung von Bürogebäuden. Mittels Analyse von Sensorikdaten prognostiziert die KI, welche Gebäudeteile an bestimmten Tagen nicht benötigt werden, um sie dann im Buchungssystem als nicht buchbar zu kennzeichnen. So können Energie- und Betriebskosten eingespart werden, da diese Bereiche zum Beispiel an einem Freitag nachmittag nicht beheizt und beleuchtet werden müssen und auch dem Reinigungsteam als erledigt markiert werden.

Andere Apps bieten Insights, um den Arbeitstag zu vereinfachen. Angenommen, jemand betritt einen mit der App verknüpften Raum: Es erscheint eine Nachricht auf seinem Gerät, die ihn mit seinem Namen begrüßt oder Ortsinformationen anzeigt. Mit höchst personalisierten Nachrichten kann KI für einen richtigen "Wow-Effekt" sorgen – und gleichzeitig das Empfangspersonal entlasten, das um diese maßgeschneiderten Begrüßungen weiß.

Ich bin fest davon überzeugt, dass KI das Kundenerlebnis verbessern kann. Wir beginnen zu verstehen, wo unterschiedliche Technologien am besten bei der Lösung komplexer Probleme helfen können. Wo sie die Organisationsgestaltung bestens straffen können bis hin zur Übernahme sich wiederholender Verwaltungsaufgaben.

Automatisierungstools können helfen, den derzeitigen Mangel auf dem Arbeitsmarkt zu beheben – indem sie zeitaufwändige Arbeiten übernehmen und Teams unterstützen, die möglicherweise nur über eine begrenzte Bandbreite verfügen. Ein gutes Beispiel ist der Bereich Fintech, wo es an Fachkräften für die laufende Programmierung mangelt. Diese Routinearbeit könnte von einem KI-Programm übernommen werden, das die Arbeitsbelastung reduziert und Mitarbeitenden so mehr Zeit für kreatives Denken ermöglicht. Hier kommt die KI ins Spiel. Sie entlastet die Mitarbeitenden, damit sie sich auf die Teile ihrer Arbeit konzentrieren können, die nur von Menschen erledigt werden können.

Der Weg in die Zukunft

Bestimmte demografische Gruppen in den Führungsetagen stehen der Einführung von KI in ihrem Unternehmen nach wie vor skeptisch gegenüber – wie bei jeder neuen Technologie gibt es Ängste und Vorbehalte. Kontinuierliche Weiterbildung ist von größter Bedeutung, ebenso wie das Verständnis der Vor- und Nachteile. Mit KI lassen sich komplexe Daten besonders gut in verständliche Erkenntnisse umwandeln. Aber der Wert der Erkenntnisse hängt von der Qualität der Daten ab. In diesem Stadium erfordert der effektive Einsatz von KI eine gewisse menschliche Interpretation. Um die wahren Kapazitäten der KI zu erreichen, müssen wir vorhandene KI Funktionen konsequent nutzen und sie dadurch kontinuierlich verbessern.

Um wirklich zum Leben zu erwachen, muss KI in mehr Produkte integriert werden, die die tägliche Arbeit erleichtern. Wir werden KI künftig in den Workflows tagtäglich genutzter Programme sehen – etwa bei der Erstellung einer PowerPoint-Präsentation auf Grundlage zuvor genutzter Vorlagen oder Daten oder bei der Formatierung eines Word-Dokuments. Eine persönliche Prognose könnte Vertriebsmitarbeitenden anzeigen, worauf sie ihre Anstrengungen konzentrieren sollten und so effizienteres Networking ermöglichen.

Mein persönliches Fazit? Die KI am Arbeitsplatz steckt gerade noch in den Kinderschuhen. Aber in 10 Jahren wird sie ein ´erwachsener´, grundlegender Bestandteil von Unternehmen sein. Sie ist auf dem besten Weg, zu einer Ressource zu werden, die Datenanalysen und wiederkehrende Aufgaben übernimmt. Eine Ressource, die Menschen den Freiraum gibt, neue Chancen zu schaffen, zu erkunden und zu erkennen.

Philipp Koester
Director Workplace Strategy