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Networking: Heute Abend schon was vor?

Dienstag, kurz nach der Mittagspause – zwischen x E-Mails summt mein Smartphone. Die verheißende Frage: „Heute Abend schon was vor?“. Hmmm...Networking?

27. November 2016

Es ist Dienstag, kurz nach der Mittagspause – zwischen x E-Mails summt mein Smartphone. Darauf die viel verheißende Frage: „Heute Abend schon was vor?“. Hmmm. Eigentlich hatte ich mich schon auf meine Couch gefreut. Immerhin kommt Champions League und Hoodie plus Jogging Hose ist bequemer als mein Anzug.

Auf der anderen Seite – das Date verspricht spannend zu werden: Es geht um Zukunft. Und die Frage, ob man offen ist für das Neue. Außerdem ist es schon nett, dass mein ehemaliger Kommilitone an mich bei der Vergabe seiner Gastkarte für die Podiumsdiskussion „Crowdinvesting in der Immobilienwirtschaft“ an mich gedacht hat. Ein umstrittener Trend, den man diskutieren sollte – am besten gleich vor Ort mit den  teilnehmenden Entscheidern der Branche. Denn Trends und Entwicklungen sind nicht einfach da. Sie werden von uns Marktakteuren selbst geformt. Und wer hier dabei sein will, muss raus aus seiner Komfortzone.

Also runter von der Couch und rein ins Networking. Ist ja an sich nicht schwer, man macht es überall und jeden Tag – im Sportverein, auf Grillpartys oder beim Bäcker. Klar, da geht es vor allem um gemeinsame Freizeit und Freundschaften, aber es bringt uns auch weiter – gegenseitig. Nachdem ich einem Vereinskollegen letzte Woche beim Umzug geholfen habe, trimmt er jetzt im Gegenzug meine Steuererklärung auf „Alles-was-geht“. Ähnlich letzte Woche im Büro: Aus einem zufälligen „Na, und was machst du so?“ bei einem firmeninternen After-Work-Event wurde eine erfolgreiche Projektzusammenarbeit.

Zurück zur Dienstagabend-Veranstaltung

Der kurze Vortrag zum Kleinanleger-Boom hat einige neue Einsichten und Aspekte gebracht und eigentlich könnte ich jetzt schnell wieder nach Hause. Die zweite Champions-League-Halbzeit läuft noch. „Die niedrigen Zinsen machen das Crowdinvesting salonfähig“, schnappe ich da aus einer gleich hinter mir stehenden Gruppe auf. Interessanter Aspekt, ich klinke mich ein – bis mein Getränk leer ist. Dann wird’s Zeit für den Stehtischwechsel. „Speed Networking“, d.h. mit jedem neuen Getränk den Platz zu wechseln, hat sich bewährt. Es bringt immer wieder neue Gesichter, Sichtweisen und Themen.

Drittes Getränk – dritte Gesprächsrunde. Ich möchte eigentlich dazu ansetzen, über den Brexit zu sprechen, werde aber gleich gefragt, wie ich eigentlich zu Leipzigs Quasi-Durchmarsch vor der Bundesliga-Winterpause stehe. Auch gut. Ich bin dabei. Schließlich entstehen gute Gespräche, die Grundlage für eine langfristige und fruchtbare Netzwerkbeziehung sind, wenn man sich genau auf sein Gegenüber einstellt. Außerdem komme ich so dann doch noch irgendwie zu meiner Champions-League.

Networking Tipps im Schnelldurchlauf

Gutes Networking baut immer auf persönlichem Vertrauen auf. Deshalb braucht es Zeit und Mühe, eines aufzubauen. Es gibt einige Punkte, die man für den Erfolg stets im Kopf behalten sollte:

  • Intern „spinnen“: Wechselnde Lunch-Termine ausmachen und an firmeninternen Events teilnehmen.
  • Branchen-Newsletter abonnieren: Hier werden regelmäßig Veranstaltungen angekündigt.
  • Event-Teilnahme gut vorbereiten: Denn man repräsentiert nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Arbeitsgeber. Man sollte wissen, welche Themen gerade im Business vorherrschen.
  • Kontakte auf Augenhöhe knüpfen: Der Zugang zu anderen renommierten Unternehmen fällt leichter, wenn man dort Jemanden in ähnlicher Position wie der eigenen kennt.
  • Das eigene Netzwerk gezielt über den Tellerrand hinaus aufbauen und auf alle Sparten ausweiten – vom Stadtentwickler über den Architekten bis zum Investor.
  • Das gelingt am besten mit einer Mitgliedschaft in Branchen-Verbänden, wie ULI, RICS oder IRCS.
  • Rückendeckung vom Vorgesetzten sichern, denn Netzwerken v.a. in Verbänden ist auch zeitintensiv. Übrigens: Viele Unternehmen sponsern Mitgliedschaften – hier sollte man sich informieren.

Auch wenn Netzwerken im Unternehmenskontext meist ein bestimmtes Ziel verfolgt, so ist es doch oft auch losgelöst von unmittelbar egoistischem Nutzen. Es hat mir bisher viele tiefe Freundschaften beschert. Und das ist wertvoll – ganz ohne Hintergedanken.

Mittwoch, wieder kurz nach der Mittagspause, aber zwei Wochen später – das Smartphone summt. „Heute Abend schon was vor?“ Ja! Denn heute Abend ist jetzt auch mal die Couch dran.