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Von der traditionellen Büroflächenbedarfsermittlung zur Förderung kreativer Communities

„Innovation Hubs“, „Creativity Labs“ und „Design Scrums“ gehören zu den Schlagworten, die zurzeit bei den entsprechenden Entscheidern die Runde machen.

23. September 2015

Coworking Space, flexible Bürocenter und Innovation Hubs stehen für einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt – durch die gemeinsame Nutzung von Flächen bringen Unternehmen Talente zusammen, um das für Start-ups und Inkubatoren so typische neue Denken zu fördern. „Innovation Hubs“, „Creativity Labs“ und „Design Scrums“ gehören zu den Schlagworten, die zurzeit bei den entsprechenden Entscheidern die Runde machen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass diese Begriffe fest mit den High-Tech-Branchen an der Westküste der USA assoziiert waren. Doch heute erkennt man zunehmend, dass Spezialisierung und hermetische Abriegelung nicht länger ausreichen, um sich gegen kreative Zerstörer zu behaupten und das eigene Wachstum zu beschleunigen.

Damit einher geht die Herausforderung, neue Konzepte für die kreativitäts- und innovationsfördernde Gemeinschaftsnutzung von Büroraum zu entwickeln.

Seit einigen Jahren orientiert sich die Büroflächenplanung zunehmend auch an dem Ziel, flexiblere und kollaborativere Bürostrukturen zu schaffen, und bei vielen Konzernen in aller Welt gehören neue Formen der Zusammenarbeit zum Alltag.

Die nach der Finanzkrise zu beobachtende Büroflächenverdichtung ist vergessen. Mit steigender Mobilität, technologischem Fortschritt, immer weiter steigendem Zwang zu Kosteneffizienz und immer höheren Markteinführungsgeschwindigkeiten geht es aktuell um die Gestaltung von aktivitätsbasierten Arbeitsumgebungen.

Was vor vierzig Jahren von führenden Visionären vorhergesagt wurde, wird jetzt immer mehr zur Realität. Dieses „Morgen“ ist endlich da, und es wird schon bald „Gestern“ sein!

Was die Landschaft fundamental geändert hat, ist die wachsende Diversität der Mitarbeiter, die zunehmend nach Autonomie und Selbstverwirklichung streben. Das führt zu einer steigenden Zahl von Spin-offs, Start-ups und individuell vertragsbasierten Beschäftigungsmodellen für hochqualifizierte Mitarbeiter über alle Alters- und Kompetenzkategorien hinweg.

Ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis, und die von diesen Arbeitsraumkonzepten geförderte gegenseitige Inspiration gilt inzwischen als sehr wertvoll oder sogar als überlebenswichtig. Dieser Trend hat der Arbeitsplatzgestaltung neue Akzente verliehen.

Third-Place-, Co-working- und Inkubator-Konzepte, Business Clubs und Büroservices sind im Aufwind, und die individuell abrufbare Vielfalt von Möglichkeiten und Standorten wird diesen Trend weiter beschleunigen.

Genauso wie BYOD sich getrieben von der Anwendernachfrage an den Arbeitsplätzen durchgesetzt hat, wird CYOW (Choose Your Own Workplace) zum Standard werden. Die Grenzen werden verwischen und die symbiotische Wirtschaft wird neue und interessante Geschäftschancen eröffnen.

Für Kommunen, Investoren, Vermieter und gewerbliche Büronutzer bedeutet dieser neue Trend ein enormes Potential für die Zusammenarbeit im Hinblick auf eine nachhaltige Zukunft im Immobilienbereich.

Unternehmen, die vom Status-Quo-Verteidiger zum kreativen Zerstörer mutieren wollen, wenden sich vom traditionellen Weg der Büroraumbeschaffung mit seinen 3- bis 5jährigen Mietperioden ab.

Auch weit weg von Silicon Valley beobachten wir das Aufkommen neuer Büronutzungsformen im Sinne von „Shared Memberships“ und „Co-creative Communities“. Diese Modelle verlangen nicht nur neue Wege bei der Immobilienbeschaffung, sondern erfordern auch ein erweitertes Expertenteam, das über das traditionelle Vermieter-Makler-Mieter-Dreieck hinausgeht.

Beim Weg in dieses Neuland können Techies, Experience Designer, Hospitality Experten, Branding Gurus, Stadtplaner und viele andere mehr wertvolle Kompetenzbeiträge leisten.

Die wichtigsten zu beachtenden Grundsätze sind:

Konzeptphilosophie (Warum)

Wie bei jedem Projekt sollte eine klare Vision am Ausgangspunkt stehen. Die Definition, was dieses „Shared“-Modell anders und erfolgreich macht, erfordert den Mut, ganz neu zu denken und alte Denkweisen der Bürogestaltung abzulegen. Zu den zu beantwortenden Kernfragen gehören: Welches sind die Haupttreiber des Konzepts? Welche wirtschaftlichen Herausforderungen und Umbrüche adressiert das Konzept? Wie wird der neue Büroraum für die neuen Zielgruppen wirklich attraktiv?

Community (Wer)

Wenn das Ziel lautet, unterschiedliche Menschen dynamisch zusammen arbeiten zu lassen, dann muss man die entsprechenden demografischen Zusammenhänge und Anforderungen eindeutig verstehen. Wer soll außer den eigenen Mitarbeitern zu dieser Community gehören? Welche Aktivitäten sollen stattfinden? Worin liegt der Nutzen des Zusammenkommens für alle Beteiligten? Diese Fragen müssen erforscht und beantwortet werden. Hilfreich ist dabei eine „Desired User Experience Map“ im Sinne einer plastischen Beschreibung des angestrebten Zielzustands aus Nutzersicht.

Raum & Gestaltung (Was)

Erst wenn der angestrebte Mehrwert und die User Experience klar umrissen sind, kann man seine Aufmerksamkeit auf die physische und technologische Ausstattung richten. Raum- und Gestaltungsaspekte können dann als Stellhebel dienen, um das gewünschte Ergebnis zu fördern. Eine wichtige Rolle kommt an dieser Stelle auch dem Branding zu, denn der neue Arbeitsraum muss als konsequente und überzeugende Story wahrgenommen werden.

Zusammengefasst

Wie in meiner Einleitung gesagt, ist es an der Zeit für eine Verjüngung der traditionellen „Arbeitsplatzstrategie”. Sensortechnologien beschleunigen künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge den Wandel der Arbeitswelt und machen Gebäude und Orte intelligenter. Für uns ist es an der Zeit, dasselbe zu tun.

Wir sind nicht länger beschränkt auf stationäre Gebäude, Zugangsbeschränkungen und Bürogestaltung. An der Schwelle zu einer stark beschleunigten und aufregenden postindustriellen Ära geht es meiner Meinung nach um „Community Design“, „Engagement & Experience Design“ und letzten Endes um „Symbiose“ in einem Ökosystem aus bebauter Umwelt und Menschen, das beiden Seiten gleichermaßen nutzt.